Löwenherz - die Buchhandlung in Wien. Fachbuchhandlung mit schwulem und lesbischem Sortiment.
 
 

Anti-Normalisierung und Heteronormativität

Als Schwule und Lesben stehen wir immer mehr oder weniger außerhalb erwarteter Normen. Die Anfänge der jüngeren Lesben- und Schwulenbewegung setzten bewusst darauf, genau diese unerwartete Andersartigkeit zu betonen. Prominenteste Beispiele sind die Wörter »schwul« und »lesbisch«, die vom abfälligen Schimpfwort zur stolzen Selbstbezeichnung umgeprägt wurden. Im Zuge wachsender Akzeptanz änderte sich diese Strategie. Zunehmend wurde betont, dass Lesben und Schwule »ganz normale« Menschen seien. Ziel dieser Argumentation war vor allem die rechtliche Gleichstellung, vor allem die Möglichkeit heiraten zu können, oder doch zumindest eine eingetragene PartnerInnenschaft eingehen zu können. Die Erfolge dieser Strategie sind unübersehbar - freilich rückt mittlerweile immer mehr in den Blick, dass hierfür ein Preis zu zahlen ist. Dieser Preis besteht zusammengefasst darin, dass zumindest in der öffentlichen Darstellung und Wahrnehmung das spezifisch schwule und lesbische unseres Lebens immer weniger vorkommt. Das geht so weit, dass ein Rückfall in die Wahrnehmung von Lesben und Schwulen in der Zeit der Anfänge der jüngeren Lesben- und Schwulenbewegung zu befürchten ist. Lesbisch- oder Schwulsein erscheint (in der öffentlichen) Wahrnehmung immer mehr als Privatsache und droht wieder auf Sex reduziert zu werden. Dass Lesbisch- oder Schwulsein für uns Lesben und Schwule dagegen etwas bedeutet, dass unser gesamtes Leben prägt und eine eigene Kultur und Lebensweise hervorgebracht hat, verschwindet. Hiergegen setzen sich immer mehr Publikationen zur Wehr und zeigen auf, wie wir Lesben und Schwule immer stärker normalisiert werden sollen - und oft genug dieses Spiel auf unsere eigenen Kosten auch mitspielen. Die nachstehenden Veröffentlichungen sind unsere Empfehlungen zu diesem Thema.

Einen guten historischen Überblick über die Verschiebung von der offensiven Betonung des Andersseins zur immer stärkeren Normalisierung gibt es in diesem Band aus der Edition Waldschlösschen:

Volker Weiß, Bodo Niendel (Hg.): Queer zur Norm - € 14.39

Volker Weiß, Bodo Niendel (Hg.): Queer zur Norm

Leben jenseits einer schwulen und lesbischen Identität. D 2012, 108 S., Broschur, € 14.39
Kostenloser Versand ab 20 Euro Bestellwert.
Männerschwarm - Edition Waldschlösschen 11
Die Umkehrung der gesellschaftlichen Ausgrenzung und Stigmatisierung zeigt Erfolge: Lesben und Schwule treten stolz und selbstbewusst auf, Paraden und Festivals präsentieren unsere eigenen Lebensentwürfe. Doch werden hierdurch nicht neue Normen festgeschrieben? Grenzen solche normierte Entwürfe nicht queere Lebensweisen aus bzw. machen sie unsichtbar, die dem neuen Standard lesbischen und schwulen Lebens nicht entsprechen? Und sind diese Lebensentwürfe nicht ihrerseits nur die Umkehrung der alten Ausgrenzung von außen? Der Band versucht, einen Begriff von Emanzipation zu entwickeln, der auch subversive und nicht-normative Lebensweisen gleichberechtigt zum Mainstream erfasst. Mit Beiträgen von Robin Bauer, Manuela Kay, Andreas Kraß, Bodo Niendel, Uta Schirmer und Lüder Tietz.


Wie gerade der Kampf um die Homo-Ehe einen enormen Normalisierungsschub bedeutet, verdeutet Sushila Mesquita:

Sushila Mesquita: Ban Marriage! - € 17.95

Sushila Mesquita: Ban Marriage!

Ambivalenzen der Normalisierung aus queer-feministischer Perspektive. Ö 2012, 302 S., Broschur, € 17.95
Kostenloser Versand ab 20 Euro Bestellwert.
Zaglossus
Die Sichtweise auf Schwule und Lesben in der Gesellschaft normalisiert sich zusehends. Doch dieser Trend ist aus queer-feministischer Perspektive nicht nur positiv zu bewerten. Zwar eröffnen sich neue Möglichkeiten. Und es werden auch neue Rechte eingerichtet. Doch damit sind auch neue Anforderungen hinsichtlich erwarteter Anpassungen und neue Abgrenzungen verbunden. Am Beispiel der rechtlichen Anerkennung gleichgeschlechtlicher Paarbeziehungen wird in diesem Buch versucht darzustellen, welche Mechanismen in dieser Normalisierung greifen und welche Auswirkungen sie zeitigt. Besonderes Augenmerk legt die Autorin auf die Debatte um die Einrichtung eines separaten Partnerschaftsgesetzes im Gegensatz zur Öffnung der Ehe und entwirft im Ansatz eine radikale Familienrechtsreform.


Die politisch-gesellschaftliche Dimension von Heteronormativität, ihre Übernahme in lesbisch-schwule Denkmuster und die Kritik daran wird in diesen Bänden vorgetragen:

Helga Haberler / Katharina Hajek u.a. (Hg.): Que[e]r zum Staat - € 15.32

Helga Haberler / Katharina Hajek u.a. (Hg.): Que[e]r zum Staat

Heteronormativitätskritische Perspektiven auf Staat, Macht und Gesellschaft. D 2012, 227 S., Broschur, € 15.32
Kostenloser Versand ab 20 Euro Bestellwert.
Querverlag
Dass an die Stelle von Kriminalisierung und Verfolgung in westlichen Gesellschaften Toleranz und Akzeptanz getreten sind, ist unbestreitbar ein Fortschritt. Doch zieht sich Heterosexualität als Norm und Normalität weiterhin subtil durch alle Bereiche der Gesellschaft. Und so wird Heteronormativität auch und gerade durch diejenigen Institutionen am Leben erhalten und befördert, die eigentlich der lesbisch-schwulen Emanzipation dienen sollen. Dabei fällt auf, dass eine queer-theoretische Auseinandersetzung mit dem Staat ebenso fehlt wie gegenläufig eine staatstheoretische Beschäftigung mit Heteronormativität. Der vorliegende Band thematisiert genau diese Leerstelle und analysiert die Verquickung von Norm und Normierung und zeigt, wie Veränderung durch Kritik, Verweigerung und Widerstand möglich ist.


Hanna Hacker: Queer entwickeln - € 19.90

Hanna Hacker: Queer entwickeln

Feministische und postkoloniale Analysen. Ö 2012, 270 S., Broschur, € 19.90
Kostenloser Versand ab 20 Euro Bestellwert.
Mandelbaum
Gewalt, Wissen und Sehnsüchte haben jeweils transkulturelle Dimensionen. Die Autorin analysiert in ihrem Buch globale Ungleichheit anhand von Schlüsselkonzepten aus den feministischen, queeren und postkolonialen Theorien. Auch Critical Whitness Studies, Border Studies und Kritische Geografie werden hierfür herangezogen und gleichzeitig hinsichtlich ihres Nutzens für das Verständnis internationaler Ungleichheitsverhältnisse überprüft. Die Aufsätze befassen sich damit, wie sich entwicklungs- und globalisierungskritische Interventionen queer umsetzen lassen. Auch geht es darum, wie sich die Kritik des Entwicklungsbegriffs in queere Theorie- und Praxisansätze einbringen lässt. Die Autorin zieht populäre westeuropäische Fiction ebenso wie universitäre Kämpfe in Österreich für ihre Analysen heran.


Als wissenschaftliche Beispiele dafür, wie Lesbisch- oder Schwulsein unser gesamtes Leben insbesondere auch kulturell bestimmt, empfehlen wir diese Bücher:

Volker Woltersdorff: Coming out - € 25.60

Volker Woltersdorff: Coming out

D 2005, 300 S., broschur, € 25.60
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Das Selbstbekenntnis »Ich bin schwul« reicht heute oftmals weit über den privaten Bereich hinaus und hat als Inszenierung schwuler Identität längst den öffentlichen Raum, letztendlich sogar die Populärkultur erreicht. Der Autor analysiert die verschiedenen Coming-out-Motive, wie sie in der Theorie, der Politik und in der Kunst (insbesondere dabei in literarischer Aufarbeitung) verfolgt werden. Weiters zieht er Film, Fotografie, Fernsehen und Internet als Quellen heran. Insgesamt kann der Autor zeigen, dass Coming-out-Inszenierungen in hohem Maße bereits als Bestandteile in die Diskurse von Individualisierung und Selbstfindung eingedrungen sind. Das wirft die Frage auf, ob durch die fortschreitende Normalisierung der Homosexualität ihr subversives Potenzial sich nicht längst in Luft aufzulösen begonnen hat.


Renate Lorenz: Queer Art - € 20.35

Renate Lorenz: Queer Art

A Freak Theory. D 2012, 180 S., brochure, € 20.35
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transcript - Queer Studies
This is a queer theory of visual art - based on extensive readings of art works. »Queer Art« traces the question of how strategies of denormalization initiated by visual arts can be continued through writing. Art theoretical debates are combined with queer theory, postcolonial theory, and (dis)ability studies, proposing the three terms »radical drag«, »transtemporal drag«, and »abstract drag«. The works discussed include those by Zoe Leonard, Shinique Smith, Jack Smith, Wu Ingrid Tsang, Ron Vawter, Bob Flanagan, Henrik Olesen, Felix Gonzalez-Torres, Sharon Hayes, and Pauline Boudry/ Renate Lorenz. Images are increasingly appearing in the field of queer art that undermine the established categories of radicalized or gender categories, or that show no bodies at all.


David A. Gerstner (ed.): Routledge International Encyclopedia of Queer Culture - € 67.99

David A. Gerstner (ed.): Routledge International Encyclopedia of Queer Culture

UK/USA 2011, 720 pp., brochure, € 67.99
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Taylor and Francis
This encyclopedia covers gay, lesbian, bisexual, transgender and queer (GLBTQ) life and culture post-1945, with a strong international approach to the subject. The scope of the work is extremely comprehensive, with entries falling into the broad categories of dance, education, film, health, homophobia, the Internet, literature, music, performance, and politics. Slang is also covered. The international contributors come from a wide array of backgrounds: scholars, journalists, artists, doctors, scientists, lawyers, activists. A broad range of ideologies and points of view are represented. Information is completely up-to-date, including full coverage and analysis of such current or ongoing issues as same-sex marriage/civil union and the international AIDS epidemic.


Gerade »camp« war immer ein Leitbegriff für eine eigene Besetzung des Themas lesbische und schwule Lebensweisen als queere Alternative zur heterosexuell bestimmten Mehrheitsgesellschaft. Hierzu empfehlen wir:

Judith Halberstam: The Queer Art of Failure - € 22.95

Judith Halberstam: The Queer Art of Failure

USA/UK 2011, 212 pp. illustrated, brochure, € 22.95
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It's about finding alternatives - to conventional understandings of success in a heteronormative, capitalist society, to academic disciplines that confirm what is already known according to approved methods of knowing, and to cultural criticism that claims to break new ground but cleaves to conventional archives. The author proposes »low theory« as a mode of thinking and writing that operates at many different levels at once. Low theory is derived from eccentric archives. It runs the risk of not being taken seriously. It entails a willingness to fail and to lose one's way, to pursue difficult questions about complicity, and to find counterintuitive forms of resistance. Halberstam looks for the unexpected and subversive in popular culture, avant-garde performance, and queer art.


Fabio Cleto (ed.): Camp - € 41.99

Fabio Cleto (ed.): Camp

Queer Aesthetics and the Performing Subject: A Reader. UK 1999, 523 pp., brochure, € 41.99
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Edinburgh University Press
The book addresses the multi-layered issue of camp, whose inexhaustible breadth of reference and theoretical relevance to the issues taken up by academic research in recent years have made it one of the most salient and challenging issues on the contemporary critical stage. Reassessing the role and significance of the finest essays on camp written by leading intellectuals in cultural studies, lesbian and gay studies, and queer theory, this critical anthology at one and the same time »queers« camp as an issue and offers an excellent key to rethinking the history, theory and practice of camp. It contains Susan Sontag's central essay »Notes on 'Camp'«. And also essays by Richard Dyer, Neil Bartlett, Eve Kosofsky Sedgwick, Judith Butler.


Aktuelle Veranstaltung

1. Juni 2017, 19.30 Uhr
Das Literarische Queertett zu Gast in der Buchhandlung - diskutiert wird über Road Novels
Mehr Infos gibt es hier

15. Juni 2017, 19 Uhr
Den kontrovers diskutierten Band »Beissreflexe« stellt Patsy l'Amour laLove im Pride Village vor.
Mehr Infos gibt es hier

22. Juni 2017, 17.30 Uhr
Saleem Haddad liest aus »Guapa«
Mehr Infos gibt es hier

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