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Michal Witkowski: Lubiewo

Michal Witkowski: Lubiewo

Dt.v. C.M. Hauptmeier. D 2007, 339 S., Broschur,  0.00
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Suhrkamp
Inhalt
Lubiewo ist ein Badestrand an der Oder in Breslau – fest in der Hand von Schwulen, und dass schon seit Jahrzehnten, auch zur Zeit des Kommunismus wurde hier gecruist. Unbarmherzig zieht auch hier der westliche Lebensstil ein, jetzt kommen immer mehr schicke, gestylte und selbstbewusste Schwule aus dem Westen und auch die einheimischen Schwulen imitieren zunehmend das oberflächlich emanzipierte, letztlich aber normierte und vereinheitlichte Auftreten. Früher, zur Zeit des Kommunismus gab es weder ein positives Leitbild für Schwule noch einen geachteten gesellschaftlichen Platz. Schwules Leben war darum ein Nischendasein, das mit ärmlichen Mitteln schrille Übersteigerungen unangepasster Individuen hervorbrachte. Michal Witkowski erzählt von diesen Tunten, die mit den modernen emanzipierten Schwulen nichts anfangen können, die am Strand, auf Klappen und in Parks Kerle suchen, und zwar nicht einfach nur männliche Typen, sondern am besten prollige Heteros, die Schwule zutiefst verachten und von denen sie nur für eine schnelle Nummer benutzt werden. Zunächst besucht er Patrycja und Lukrecja, zwei ältere Herren, in ihrer spießigen Wohnung, die ihm von ihren goldenen Zeiten erzählen, wie sie (natürlich verbotener Weise) zu den Russen in deren Kaserne gingen, wie sie Fernfahrer auf Parkplätzen und Kleinkriminelle am Bahnhof aufrissen. Wehmütig scheinen ihre Erzählungen die Alten Zeiten der staatlichen und gesellschaftlichen Repression zu verklären, wie Reliquien hüten sie die Erinnerungsstücke dieser vergangenen Welt. Später dann am Strand von Lubiewo trifft Michal Witkowski die anderen alternden Tunten Breslaus, lässt sich ihre Geschichten erzählen, schreibt ihr Gezänk und ihren Tratsch auf. Das Buch, das aus diesen Berichten, nur locker zusammen hängenden Geschichten und Anekdoten entstanden ist, ist ebenso provokant wie amüsant – je nachdem, wie ernst man das Ganze nimmt. Einerseits ist es ein Riesenspaß, diese teilweise unglaublichen Geschichten zu lesen, sie sind so absurd, dass das Elend, in dem sie spielen, verblasst. Provokant ist das Buch aber weniger durch diesen verklärenden, fast schon konservativen Zug, der suggeriert, dass das Leben in repressiven Verhältnissen zwar schwerer, dafür aber allemal interessanter sei – das ist borniert und wäre nicht weiter der Rede wert. Provokant ist vor allem die Emanzipationsverweigerung und damit die Radikalität des Lebens der Antihelden von Lubiewo. Denn sie führen besser als jedes analytische Argument die Spießigkeit weniger des netten Fit- und Wellness-verwöhnten Konsumschwulen, sondern vor allem die Spießigkeit des unangepassten Schwulen im Westen vor. Der programmatisch unangepasste Lebensstil ist im Westen immer auch ein politisches Statement: Tunte wie Gendernaut, Queerness wie Cross-Exis­tenz verstehen und verstanden sich ja immer schon programmatisch, meistens politisch und verbanden mit ihrer Lebensweise emanzipatorische Absichten. Diese Absichten sind den Tunten Lubiewos fremd. Wie Patrycja und Lukrecja und die ihren ihr Leben ganz ohne, ja gegen diese Programmatik leben, rückt die Emanzipation selbst in ein anpasslerisches Licht. Großartiger kann Spott nicht sein. Dieser Titel ist leider vergriffen, wir versuchen aber gern, ihn bei Interesse antiquarisch zu besorgen. (Veit empfiehlt, Winter Katalog 2007)
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