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Alain Claude Sulzer: Ein perfekter Kellner

Alain Claude Sulzer: Ein perfekter Kellner

CH 2004, 219 S., geb.,  9.24
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Suhrkamp
Inhalt
Erneste ist Anfang 20, ein gut aussehender Kellner in einem Schweizer Grand Hotel Mitte der 30er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Als ihm der 18jährige Jakob zur Einschulung anvertraut wird, ist Erneste sofort in den bildschönen Jakob verschossen. Jakob erwidert die Avancen und bald sind die beiden ein Paar, das tagsüber nur verstohlen, nachts jedoch umso leidenschaftlicher. Jakob arbeitet sich empor, und schon bald ist er Erneste ebenbürtig. Einer der Hotelgäste ist der deutsche Schriftsteller Klinger. Wie viele im Hotel ist auch er auf der Flucht vor den Nazis, denen er nach Jahren der Zurückhaltung in einem flammenden Brief den Kampf angesagt hat. Als Erneste eines Tages Jakob und Klinger beim Sex überrascht und Jakob einige Tage später mit Klinger und dessen Familie nach Amerika abreist, bricht für ihn eine Welt zusammen. 30 Jahre später erreicht Erneste ein verzweifelter Brief von Jakob. Inständig bittet er Erneste, dass dieser Klinger, der mittlerweile in der Nähe von Zürich lebt, aufsuchen und um finanzielle Unterstützung für ihn bitten soll. Nach anfänglichem Zögern geht Erneste tatsächlich zu Klinger – und erfährt dort über Jakob völlig Unerwartetes. »Ein perfekter Kellner« ist ein Schlüsselroman, denn Klinger steht unverkennbar für Thomas Mann. Und doch ist der Roman nur nebenbei die längst überfällige literarische Verarbeitung des Schwulen Thomas Mann. Erneste, schreibt der Autor an einer Stelle im Buch, sei sich bewusst, dass er nicht einmal zu einer Nebenfigur in einem Roman taugen würde – und sagt damit natürlich genau das Gegenteil. »Ein perfekter Kellner« ist vielmehr eine Hommage an den verklemmten, versteckten und ungeouteten Schwulen, der wie Erneste ab und an sich anonymen Sex verschafft und nicht zur Polizei geht, wenn er auf einer öffentlichen Toilette zusammengeschlagen wird. Der verklemmt schwule Klinger alias Thomas Mann kaschiert mit seiner ganzen Kultiviertheit nichts anderes, als die Enttäuschung des Lebens, an der er genau wie Erneste verzweifelt. Der Roman verschränkt die beiden Erzählzeiten – 30er und 60er Jahre – und die beiden Leben des Kellners und des Schriftstellers kunstvoll miteinander und ist in einer angenehm ruhigen Sprache geschrieben. Es ist gerade diese Unaufgeregtheit, die den Roman zu einer aufregenden Lektüre macht. (Veit empfiehlt, Herbst Katalog 2004)
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