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Joseph Breitbach: Die Wandlung 
der Susanne Dasseldorf

Joseph Breitbach: Die Wandlung der Susanne Dasseldorf

D 2006, 521 S., geb.,  0.00
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Wallstein
Inhalt
Nach dem Ende des ersten Weltkriegs ist die kleinindustrielle Familie Dasseldorf zwar etwas herunter gekommen aber immer noch recht wohlhabend. Susanne, die 25jährige Tochter des Hauses, übernimmt zunehmend die Führung von Familie und Geschäften, und wie die ganze Familie ist sie deutschnational, kaisertreu und standesbewusst – kurz, eine ziemlich unerträgliche Person. Doch sie hat eine geheime Schwäche: sie steht sexuell auf Proletarier. Während des Krieges konnte sie sich dieser Schwäche hingeben, sie ließ sich als Krankenschwester an die Front versetzen, geilte sich daran auf, das Männerklo, den schwulen Sex und das obszöne Gerede dort zu belauschen, und genoss den anonymen Sex mit Soldaten. Nach dem verlorenen Krieg wieder zuhause, ist der 18jährige Peter, der Sohn des Dasseldorf‘schen Gärtners, das Objekt ihrer Begierde. Doch Peter landet im Bett ihres deklariert schwulen Sekretärs Schnath und Susanne muss sich zudem zu den immer deutlicher werdenden Avancen des bei den Dasseldorfs einquartierten Besatzungsoffiziers Cather verhalten. Es entwickelt sich eine komplizierte Eifersuchts- und Intrigengeschichte, denn alle versuchen sich durch kleine oder große Schwindeleien ihrem Ziel näher zu bringen, doch durch Miss­verständnisse entlarven sie sich stets dabei nicht nur, sondern stoßen damit zugleich die nächste Lüge an. Soweit der Hauptstrang der Erzählung, doch Joseph Breitbach (1903-1980) wollte (oder »musste«, wie er selbst in einem Brief schreibt) Anfang der 30er Jahre einen Roman über das schwule Leben seiner Jugendzeit schreiben, und so sind Peter und der Sekretär Schnath die wahren Hauptfiguren des Buches. Beide könnten nicht gegensätzlicher sein. Peter, ein bisschen kleinkriminell veranlagt, genießt vor allem den Sex, setzt seine jugendliche Schönheit aber auch recht unbefangen dazu ein, im Leben weiter zu kommen. Als er eine Stelle in einer Militärküche bekommt, ist er auch gegenüber dem Chefkoch sehr willig – ganz im Gegensatz zu seinen Gehilfenkollegen, die das ganze nur zähneknirschend erdulden. Schnath ist entsetzt, denn nicht nur hatte er sich von Peter als Mensch mehr erwartet, überhaupt sieht seine Lebensplanung einen festen, geliebten Freund vor, den er vergöttern kann und der – natürlich exklusiv bei ihm – Schutz und Anlehnung sucht. In seiner Verzweilflung geht Schnath darum cruisen oder bezahlt Stricher, und so erzählt der Roman nicht nur spannende Geschichten vom Überleben im Nachkriegschaos, sondern gibt vor allem viele interessante Einblicke ins schwule Leben, die Organisation von Zirkeln und Freundeskreisen, Initiationsrituale, das Halbweltleben zwischen Freundschaften und Rotlicht. Bemerkenswert offen und hierbei sehr glaubhaft gehen die Romanfiguren mit dem Thema Homosexualität um, trotz Illegalität und offizieller gesellschaftlicher Ächtung. Den Nazis war denn das Buch, das 1932 zugleich in deutscher und französischer Sprache erschien, ein Gräuel und setzten es umgehend auf die Verbotsliste. Heute ist »Die Wandlung der Susanne Dasseldorf« nicht nur ein bemerkenswertes historisches Dokument, denn die Recherchen im Zuge der Neuauflage ergaben, dass Breitbach nicht nur viele autobiografische Erfahrungen verarbeitete, sondern darüber hinaus minutiöse Nachforschungen angestellt hatte, die sich noch heute verifizieren lassen. Der Roman ist darüber hinaus in einem packenden, modernen Sprach- und Erzählstil verfasst. Immer wieder wird der Handlungsverlauf durch detailgetreue Schilderungen kleinerer Abenteuer durchzogen, mal eine illegale Bootsfahrt, mal eine Schieberei, mal ein Boxkampf. Dieser Wechsel zwischen Gesellschafts- und Abenteuerroman macht das Buch dann über den inhaltlichen Wert hinaus auch schlicht zu einem faszinierenden Leseerlebnis. (Veit empfiehlt, Frühlings Katalog 2007, dieses Buch ist nur noch antiquarisch erhältlich)
Titel derzeit vergriffen, auf Anfragen versuchen wir gern, ihn antiquarisch zu besorgen
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