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Gregorio Ortega Coto : Marokkanische Minze

Gregorio Ortega Coto : Marokkanische Minze

D 2013, 250 S., Broschur,  15.32
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Querverlag
Inhalt
Der 19jährige Pablo lebt mit seiner Mutter Anfang der 60er Jahre in Barcelona. Sein Coming-out hatte er noch nicht, instinktiv weiß er, dass er seine Lebensgewissheit und seine Selbstsicherheit nur im Rückbezug auf Bab-Qarfa finden kann, der kleinen Militärgarnisonsstadt in Spanisch-Marokko, in der er geboren wurde und er seine Kindheit verbrachte. Doch seine Mutter verweigert jedes Gespräch über diesen Ort und so fährt Pablo als junger Mann nach Nord­afrika. Es ist nicht nur der Ort, den er wiedersehen will, als Junge war der Außenseiter und Einzelgänger Pablo mit zwei erwachsenen Männern eng befreundet, die ihn nachhaltig prägten und die er jetzt unbedingt wiederfinden will: Idir, ein Einheimischer aus dem Rif, und Ernesto, ein Spanier, der hier nach seiner Verfolgung als Schwuler durch die Faschisten einen Neuanfang versuchte. Besonders, wenn die Sprache auf diese beiden Männer kommt, verschließt sich Pablos Mutter völlig, was umso merkwürdiger ist, weil beide ihre besten, ja einzigen Freunde in Bab-Qarfa waren. Lina, Pablos Mutter, hatte eine sonderbare Stellung im Ort. Einerseits eine starke, selbstbewusste Frau, die - früh verwitwet - ihr und Pablos Leben entschlossen alleine bestreitet, andererseits eine Frau mit einem verruchten Ruf, zu tief ihr Dekolleté, zu rot ihr Lippenstift für eine anständige Frau im von Franco und katholischer Kirche dominierten Land. Gleich nach seiner Ankunft in Bab-Qarfa wird Pablo von seiner Geschichte und der seiner Eltern eingeholt: wie seine Eltern hofften, jenseits der spanischen Enge in Nordafrika ihr Glück zu machen; wie sein Vater stattdessen ihr Leben als ausgebeuteter Hilfsarbeiter bestreiten musste und rasch zum Trinker wurde; wie die Ehe der Eltern scheiterte, der Vater durch einen zweifelhaften Unfall ums Leben kam und die Mutter immer engeren Anschluss an Idir und Ernesto suchte, die sich auch rührend um Pablo kümmerten; und wie schließlich der Aufstand der Rifkabylen die vordergründig wohlgeordnete Welt der spanischen Kolonialisten erschütterte und die Etablierung des marokkanischen Staates Lina mit ihrem Sohn zur fluchtartigen Rückkehr nach Spanien trieb. Doch so klar die Erinnerungen in der altbekannten Umgebung wiederkommen, so fern bleiben die Freunde und Bekannten von einst. Weder Idir noch Ernesto sind noch da, lange muss sich Pablo durchfragen, bis er wenigstens von Ernesto den neuen Aufenthaltsort in Tanger erfährt. Nach und nach wird ihm klar, dass seine Sehnsucht ihn nicht in den Ort Bab-Qarfa um seiner selbst willen zog, sondern wegen Idir und Ernesto. Und so fährt Pablo nach Tanger, wo er Ernesto findet, der mit seinem neuen Lebensgefährten dort ein kleines Geschäft betreibt. Was Ernesto ihm zu erzählen hat, gibt Pablo nicht nur den Mut zum eigenen Coming-out, es wird auch seine gesamte Lebensplanung radikal verändern. - Gregorio Ortega Coto hab mit »Marokkanische Minze« den denkbar zartesten schwulen Kindheitsroman geschrieben. Zunächst freilich vereinnahmt er den Leser durch die atemberaubende Schilderung einer verschwundenen Welt. Das Marokko von Pablos Kindheit war geprägt vom Zusammenleben etlicher unterschiedlicher Kulturen, den spanischen Einwanderern standen heterogene Gruppen und oft konkurrierende Interessen der Einheimischen entgegen. Dies machte es den spanischen Fremdherrschern einerseits einfach, die Oberhand zu bewahren. Andererseits waren aber alle auf das Zusammenleben mit anderen Kulturen eingestellt, sodass Bab-Qarfa vor allem in der Wahrnehmung Pablos ein Ort war, an dem er ebenso selbstverständlich Spanisch wie die Sprache der Berber sprach, im Haus Idirs ebenso ein- und ausging, wie er im Laden Ernestos war. Vor diesem Hintergrund entwickelt Gregorio Ortega Coto die Geschichte einer Außenseiterkindheit, zwischen klassischen Kinderbekanntschaften und Pablos Anhänglichkeit an seine erwachsenen Freunde. Was diesen Roman vor allem aber so besonders macht, ist, dass es von Anfang an und immer atmosphärisch völlig klar ist, dass dies eine schwule Kindheit ist, unverkennbar in ihren Sehnsüchten, ohne dass dies Pablo als Kind klar sein könnte und ohne dass reflektierende Zusammenhänge hergestellt würden. In dieser Schlichtheit ist »Marokkanische Minze« nicht nur unfasslich schön, sondern auch ein wichtiger Beitrag dazu, zu zeigen, wie wir Schwule uns an uns selbst erinnern. (Veit empfiehlt, Winter 2013)


Dieser Querverlag-Titel ist auch erhältlich als:
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