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Ella Lemhagen (R): Patrik 1,5

Ella Lemhagen (R): Patrik 1,5

Schweden 2008, OF, dt.UT, 97 min.,  19.99
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Salzgeber - gay classics
Inhalt
Göran und Sven Skoogh haben so ziemlich alles, was man sich als schwules Ehepaar in Schweden wohl wünschen kann. Sie haben gute Jobs – Göran will sich gerade als Arzt niederlassen, Sven arbeitet in einer schicken Werbefirma. Als Schwule haben sie es zu etwas gebracht. Sie haben ein eigenes Haus in einer gutbürgerlichen Vorstadt und richten sich gerade gemütlich ein. Die Umgebung verführt zum Joggen. Und der Garten ist Görans große Leidenschaft. Frisch verheiratet scheint ihr Eheglück perfekt. Und das, obwohl Sven auf eine heterosexuelle Vergangenheit mit Ex-Ehefrau und Tochter zurückblicken kann. Aber diese Dinge sind geregelt. Und Svens Ex-Frau sowie die Tochter kommen regelmäßig zu Besuch zu den beiden – Tochter Isabell findet ihren Vater mit seinen gelegentlichen Anwandlungen zwar nur noch blöd und nervig. Aber im Teenageralter ist das nun mal so. Die Umgebung des schwulen Paares ist eine ruhige, biedere Vorstadtidylle, für die ein Ikea-Katalog Modell gestanden haben könnte: Häuser im identischen Stil in einer Reihe mit sorgsam gepflegten Gärten, blitzblanken Familienlimousinen und vollständigen, harmonischen, langweiligen Familien. Göran und Sven wollen dazugehören. Und vor allem Göran freut sich über jede Einladung, die die Integration in die Nachbarschaft fördert. Bei aller skandinavischen Toleranz stoßen die Skooghs bei ihren Nachbarn sehr wohl auf Vorurteile gegen Schwule. Bei ihrer braven Fassade – sind sie sicher – werden sie eines Tages anerkannte Bürger in der Nachbarschaft sein. Alles nur eine Frage der Gewöhnung. Doch eines wurmt Göran schon: er hätte gern ein Kind. Sven kann das zunächst nicht wirklich nachvollziehen, da er ja schon Vater ist. Und was daraus geworden ist, sieht man ja an seiner Tochter – kein gutes Beispiel, das fürs Kinderkriegen sprechen würde – wie er zu Recht findet. Doch irgendwann hat ihn Göran so weit, und die beiden stellen einen Adoptionsantrag bei einer Vermittlungsagentur. Es dauert nicht lange, und die beiden bekommen Bescheid von der Agentur, dass ihnen ein Junge namens Patrik (1,5 Jahre alt) zugewiesen wird. Sie sind froh, dass es so schnell geklappt hat. Vor allem Göran ist ganz aus dem Häuschen. Er richtet gleich ein Zimmer für sein Kleinkind ein – mit Babyspielsachen und Krippe. Ja – niemand sagt, dass Schwule gegen Kitsch immun wären. Und als der große Tag gekommen ist, staunt Göran nicht schlecht, als anstelle des kleinen Jungen ein schon ziemlich großer Junge, ein 15jähriger Teenager, vor der Tür steht. Zunächst halten Göran und Sven das für eine Versehen. Da aber gerade Wochenende und niemand mehr in der Agentur anwesend ist, um die Geschichte aufzuklären, darf »dieser« Patrik erst mal bei den Skooghs bleiben – bis seine richtigen Adoptiveltern und der richtige Patrik ausfindig gemacht sind. Schnell stellt sich heraus, dass dieser Patrik ein echt verkorkster, unsozialer Teufelsbraten ist – schwer erziehbar mit Neigung zu Diebstahl und einer gewissen Aggressivität. Darüber hinaus ist er auf potenzielle Homoeltern weder vorbereitet noch gut zu sprechen. Schwule mag er gar nicht – hält sie von Haus aus für pädophile Triebtäter, unterstellt Göran und Sven, dass sie es sexuell auf ihn abgesehen hätten. Göran versucht nun das Beste aus der vermurksten Situation zu machen und richtet sich darauf ein, Patrik da zu behalten, bis der Irrtum aufgeklärt ist. Aber Sven kommt mit dem Jungen absolut nicht klar. Missverständnisse führen dazu, dass es zwischen Sven und Patrik ordentlich kracht. Die Spannungen lassen Svens Alkoholkonsum nicht besser werden. Im Gegenteil. Und langsam reicht es Göran mit Sven. Ihr Dissens in so vielen Dingen lässt sich nicht mehr unter den Teppich kehren. Als in der Woche darauf endlich geklärt werden kann, dass bei der Zuweisung von Patrik kein Versehen passiert ist - und es sich bei »Patrick 1,5« lediglich um einen dummen Schreibfehler gehandelt hat, kommt ans Tageslicht, dass dieser missratene Teenager der einzige Kandidat war, den ein Homopaar wie die Skooghs überhaupt bekommen. Für Göran und Sven bricht eine Welt zusammen. Sven will nun Patrik so schnell wie möglich wieder loswerden. Doch Göran will es mit dem Jungen versuchen, findet eine Basis, um mit ihm zurechtzukommen. Die folgende Kraftprobe zwischen den Ehepartnern führt zum Konflikt. Ihre Beziehung bricht vor den Augen von Patrik auseinander. Sven zieht aus und fängt zum Trotz eine Affäre mit einem sexy Arbeitskollegen an, der ihm schon lange gefällt. Göran versucht sich mit Patrik in einem Leben ohne Sven zurechtzufinden. Bei Patrik beginnt ein Umdenken. Er gibt sich die Schuld für das Ende der Beziehung seiner neuen Adoptiveltern. Er versucht sie wieder zu kitten, macht sich nützlich im Haus und jobbt bei den Nachbarn als Gärtner. Allmählich tritt eine unverhoffte Sensibilität bei dem jungen Kerl zu Tage, die so niemand erwartet hätte. Hier wird deutlich, dass er sich die harte Schale des Rüpels nur zugelegt hatte, um wegstecken zu können, dass er ständig nur herumgeschubst wurde – von einem Heim zum anderen, von Adoptiveltern zu Adoptiveltern –, dass ihn niemand – nicht einmal seine eigene Mutter – wirklich haben wollte. Tatsächlich ist er ein guter Mensch mit ausgeprägtem Einfühlungsvermögen. Nun beginnt sich die nicht so geplante Patchwork-Familie neu zu formieren. Diese schwedische Komödie mit Tiefgang über ein konservatives Homopaar, dessen Fassade durch einen kleinkriminellen, homophoben Adoptivsohn ins Wanken gebracht wird, gewährt einen tiefen Einblick in die Wirkungsweisen von Stereotypen, die Macht der Spießigkeit, die einfach nicht über den Tellerrand blicken will – es hier aber muss. Warmherzigkeit und Einfühlungsvermögen sind die besten Gegenmittel. Ein wirklich passender Film zu den neuen Realitäten der Queer Families, der durch Realitätssinn und subtilen Humor besticht. Dabei spart der Film auch nicht an Selbstkritik am lesbisch/schwulen Kinderwunsch, denn Görans und Svens Beziehung scheitert auch daran, dass die beiden sich zunächst ein lebendiges »Spielzeug« wünschten. Erst nachdem ihren Wunschvorstellungen gar nicht entsprochen worden war, können sie offen gegenüber Patrik, ihrem Wunschkind, sein. (Jürgen empfiehlt, Sommer Katalog 2011)

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