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Tania Witte: leben nebenbei

Tania Witte: leben nebenbei

D 2012, 304 S., Broschur,  15.32
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Querverlag - Berliner Stadtgeschichten 2
Inhalt
»Leben nebenbei« ist Tania Wittes zweiter Roman und knüpft da an, wo ihr erstes Buch »Beziehungsweise Liebe« aufhörte: Marte ist endlich Mutter geworden, die Beziehung zu Tekgül ist freilich ruiniert. Tekgül hatte eine leidenschaftliche SM-Beziehung zu Johanna begonnen, von der sich Johanna eine Lebensgemeinschaft versprochen hatte, von der Tekgül jedoch - eher abgestoßen von Johannas Charakter - nur die sexuelle Ebene sehen wollte. Nicoletta wurde von Liz schwanger, doch ein lesbisches Paar wurden sie nicht. Queere Verwicklungen also allenthalben, allerdings gibt es auch etliche bitteren Momente in »Leben nebenbei«. Und das ist auch gut so, denn dadurch gleitet die Geschichte nicht in ein Pseudo-Idyll einer zwar anstrengenden, aber grundguten Gegenwelt ab, sondern behält die Schroffheit der Realität. Sandyunmanu opfern sich wie gewohnt für ihre Freundinnen auf, bis auch ihnen es zu viel wird und sie trotzig Beziehungstage erklären, an denen sie nur füreinander da sind - nicht, dass sie dadurch unterscheidbarer würden. Tragendes Thema der fortgesetzten Abenteuer des vertrauten Freundinnen-Kreises ist Johannas Versuch, wieder Boden unter den Füßen - und natürlich Tekgül zu gewinnen. Zunächst bricht Johanna aus, lässt ihr gesamtes Umfeld im Unklaren über ihren Aufenthaltsort und geht nach Südafrika. Ihre Wohnung wird derweil treu von Frau Schäfer versorgt, und weil es selbst wenn Johanna zuhause ist, kaum etwas zu reinigen gibt, ist jetzt natürlich noch weniger zu tun. So hat Frau Schäfer genug Zeit, Johannas Aufzeichnungen zu lesen, die sich vornehmlich mit ihren Freundinnen beschäftigen. Und dies minutiös, hat doch Johanna den Tick, selbst bei persönlichsten Gesprächen angeblich zur Konzentrationssteigerung den kompletten Gesprächsverlauf mitzuschreiben. So lernt Frau Schäfer alle unsere Heldinnen kennen, ohne ihnen ein einziges Mal begegnet zu sein. Ein wunderbarer erzählerischer Einfall Tania Wittes, denn so steigt Frau Schäfer zu einer zwar verwickelten aber zugleich unbeteiligten Beobachterin auf. In der Gestalt dieser literarischer Doppelagentin hat sich die Autorin als Leserin selbst in den Roman eingeschlichen und sorgt im dramatischen Finale endgültig dafür, dass zunächst die Roman-Realität entgleitet, weil von vielem nicht mehr klar ist, ob es vielleicht nicht nur Frau Schäfers Leserinnen-Fantasie entsprungen ist. Doch dieser Realitäts-Verlust im Roman steigert nur das Realitäts-Empfinden beim Lesen. Die acht Freundinnen sind für Leserin oder Leser nur noch wirklicher geworden, lesend wurde man endgültig in den Freundinnenkreis hineingezogen. Das hat Tania Wittes Erzählstil natürlich mit vorbereitet, denn wie schon im ersten Teil ist auch die Fortsetzung wieder eine Spoken-Word-Performance, die ebenso eindringlich wie unterhaltsam mit jedem Satz die Sucht nährt, mehr zu lesen und dabei der Vorstellung zu verfallen, in Wahrheit eigentlich zuzuhören. Dass diese Sucht nicht schal wird, verdankt »Leben nebenbei« der völlig unerwarteten Entwicklung von Frau Schäfer, sie ist der große Zugewinn, der hoffentlich im dritten Teil - der jetzt unausweichlich kommen muss - noch für zahlreiche Überraschungen sorgen wird. Beste lesbische Unterhaltungsliteratur also, kurzweilig, intelligent, lebensnah und zugleich phantastisch ungreifbar. (Veit empfiehlt, Winter Katalog 2012)
Dieser Querverlag-Titel ist auch erhältlich als:
E-Book (epub), € 9.99
Taschenbuch, € 15.32
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