Löwenherz - die Buchhandlung in Wien. Fachbuchhandlung mit schwulem und lesbischem Sortiment.
 
 
Signe v. Scanzoni: Als ich noch lebte

Signe v. Scanzoni: Als ich noch lebte

Ein Bericht über Erika Mann. D 2012, 244 S. mit Abb., Pb,  9.24
Kostenloser Versand ab 20 Euro Bestellwert.
Piper
Inhalt
Signe von Scanzoni war Erika Manns Freundin. Zwar kannten sich beide schon aus ihrer Kinderzeit, aber es war eine zufällige Begegnung 1957, die eine etwa 10jährige leidenschaftliche Beziehung beginnen ließ. Erika Mann wurde 1969 bei einem Unfall schwer verletzt und musste schließlich am Gehirn operiert werden – eine Operation, die freilich zu ihrem Tod führte. In dem Jahr nach Erikas Manns Tod schreibt Signe von Scanzoni ihren »Bericht über Erika Mann«, eine Rekapitulation ihres gemeinsamen Lebens und Arbeitens. Formal sind die Kapitel eine Mischung aus Briefen an die Freundin, Protokoll des immer schlechter werdenden Gesundheitszustandes von Erika Mann und Erinnerungen, vor allem an gemeinsame Debatten. Schon diese formale Mischung verleiht dem Buch eine besondere, sehr intime Atmosphäre. Oft geht es um alltägliches der Krankenpflege, um Schwestern, um Schmerzen, Waschen, das An-den-Rollstuhl-gefesselt-Sein. Dazwischen flackern immer wieder die großen Themen ihrer gemeinsamen Zeit auf. Das war einerseits Erikas Arbeit als Herausgeberin und Verwalterin des Nachlasses ihres Vaters Thomas, andererseits aber auch die gemeinsame, oft streitbare Auseinandersetzung Erikas und Signes mit ihrer völlig gegensätzlichen Vergangenheit. Während Erika wie die ganze Familie Mann in scharfer Abgrenzung vom Nazi-Regime die NS-Zeit im Exil verbrachte, war Signe Assistentin des Dirigenten Clemens Krauss, eines bedeutenden Repräsentanten des NS-Musikgeschehens. Beide Frauen teilen ihre Bewunderung für dessen künstlerische Leistung, ebenso wie die Gustav Gründgens’ – und unterscheiden sie scharf von deren Verwicklung und Vereinnahmung durch das Nazi-Regime. Gerade diese ständigen Wechsel zwischen künstlerischen und politischen – dabei oft sehr grundsätzlichen – Debatten und den Berichten über banale, lästige, unschöne Verrichtungen am Krankenbett lassen die emotionale wie intellektuelle Verbundenheit der beiden Frauen so deutlich werden. Hinzu kommt noch die feine, musikalische Sprache Signe von Scanzonis, deren Akkuratheit und Präzision einerseits und deren unübliche Wortbildungen andererseits an eine Komposition erinnern. Eine traurige aber wunderschöne Liebeserklärung. Der Text galt übrigens lange als verloren, nur durch einen Teil, der offenbar nicht endbearbeitet war, wusste man überhaupt, dass Signe von Scanzoni ihn verfasst hatte. Der vorliegende Band beruht auf einer von der Autorin endredigierten vollständigen Fassung, die sich im Nachlass fand. (Veit empfiehlt, Frühlings Katalog 2011)
Warenkorb   |   Mein Konto  |   Derzeit nicht angemeldet
Zum Seitenanfang