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Leslie Feinberg: Stone Butch Blues - Träume in den 
erwachenden Morgen

Leslie Feinberg: Stone Butch Blues - Träume in den erwachenden Morgen

Dt. v. Claudia Brusdeylins. D 2003, 469 S., Broschur,  0.00
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Krug und Schadenberg
Inhalt
Gleich mit ihrem ersten Roman »Stone Butch Blues« landete Leslie Feinberg in der Gay Community einen riesigen Erfolg. Das Buch gilt heute als einer der absoluten schwullesbischen Meilensteine der 90er Jahre und hat wie kaum ein anderes zur Auseinandersetzung mit dem Thema Geschlechtsidentität beigetragen. Der AutorIn ist die Beschreibung des Umbruchs, den die Stonewall Riots in den USA ausgelöst haben, auf sehr überzeugende Art gelungen. Sie vermengt dabei geschickt die rasante, gesellschaftliche Entwicklung, die zum Beginn der feministischen und schwullesbischen Emanzipationsbewegung geführt hat, und eine fiktive private Perspektive auf die ersten, selbstbewussten Stehversuche der Bewegung. Im Zentrum ihrer Schilderungen steht die junge Lesbe Jess Goldberg, die in der gesellschaftlichen Tauperiode der frühen 60er Jahre (Stichwort: Flower Power) groß geworden ist. In der Industriestadt Buffalo im äußersten Westen des US-Bundesstaates New York ist das Leben als Lesbe zu dieser Zeit noch etwas, das frau besser geheim hält. Mit 15 Jahren hält es Jess zu Hause nicht mehr aus. Sie wurde mit strikten Vorstellungen von dem, was männlich und was weiblich ist, aufgezogen, hat diese auch zutiefst verinnerlicht, obwohl ihr schon dämmert, dass sie nicht ganz in dieses Schwarzweiß-Raster passt. Sie fühlt sich irgendwo zwischen die Stühle geraten. Es passiert ihr immer wieder, dass sie von wildfremden Leuten darauf angesprochen wird, ob sie nun ein Bursche oder ein Mädchen sei. Manchmal überkommt sie die Lust, die Anzüge ihres Vaters anzuprobieren - die ersten Schritte hin zur Butch Femme. Doch anfangs ist ihr noch nicht ganz klar, in welche Richtung die Reise gehen soll. Und die mit dieser Unsicherheit verbundenen Ängste erscheinen Jess unüberwindlich. Zunehmend versucht Jess dem Mief des elterlichen Zuhauses zu entgehen. Fluchtpunkt wird für sie immer öfter die Bar Abba‘s, in der sich alltäglich ein buntes Völkchen von Lesben, Prostituierten, Drag Kings und Drag Queens trifft. Auch die Hautfarbe der Gäste dort ist bunt gemischt. Doch das homosexuelle Leben in der Zeit vor den Stonewall Riots ist geprägt von ständigen Razzien und sonstigen Schikanen durch die Polizei. Wenn zwei Frauen in einer einschlägigen Bar aneinander geschmiegt miteinander tanzen und dabei erwischt werden, ist das Grund genug für eine Verhaftung. Die Polizei versucht mit ständigen Übergriffen die Community Buffalos einzuschüchtern. Auch das Abba‘s bleibt davon nicht verschont. Es trifft dann auch Jess, die vorübergehend festgenommen wird. Besser wird es für die Community Buffalos erst, als die Schockwellen der Stonewall Riots allmählich auch Buffalo erreichen und sich der Umgang der Polizei mit Lesben und Schwulen grundlegend ändert. Das Abba‘s avanciert für Jess nicht nur zu einem Treffpunkt, in der sie Gleichgesinnte treffen kann und Ausschau nach potenziellen ersten Sexkontakten hält - es bedeutet für sie auch einen Freiraum, in dem sie sich anfangs zaghaft, später immer mutiger als Transgender entfalten kann. Aus dem 15jährigen Mädchen wird im Laufe der Zeit eine waschechte Butch Femme mit eigenem Dildo. Immerhin entschließt sie sich dazu, ein Mann zu werden: sie nimmt Hormone und lässt sich ihre Brüste verkleinern, um als Mann durchzugehen. Anfangs kommt ihr das Mannsein spielend leicht vor: der Gang zum Barbier macht ihr Spaß. Die Männertoilette zu benutzen, gibt ihr ebenfalls einen heimlichen Kick. Als Jess Sex mit einer Frau hat, merkt diese nicht einmal, dass sie es nicht mit einem echten Mann zu tun hat: ein großartiges Erfolgserlebnis für Jess. Doch dann fangen die Schwierigkeiten allmählich an: als sie aufhört, Hormone einzunehmen, gerät ihr emotionales Gleichgewicht völlig aus den Fugen - der Bart und die tiefere Stimme bleiben zwar, aber das Gefühl zwischen zwei Stühle geraten zu sein verstärkt sich massiv. Auch werden Jess und ihre Freunde das Gefühl nicht los, mit ihren eigenwilligen Geschlechterinszenierungen nicht recht in die Welt der feministischen, bzw. der Lesben-Bewegung zu passen, denn dort halten die Frauen am traditionellen Männlich-Weiblich-Schema fest und Leute wie Jess werden als Fremdkörper aufgefasst. Feinbergs Buch zeigt, wie schwierig es gewesen ist, in einer Welt anders zu sein, die Lesbischsein, bzw. einer abweichenden Geschlechteridentität absolut feindselig gegenübersteht. Dabei verarbeitet die Autorin ihre Erfahrungen als Frau-zu-Mann-Transsexueller, der die Umbruchsphase der Stonewall Riots miterlebt hat. Gleichwohl hat Leslie Feinberg immer betont, dass »Träume in einen erwachenden Morgen« kein autobiografischer Roman ist. Es dürfte ihr dennoch geholfen haben, ähnliche Erfahrungen gemacht zu haben. Für viele Drag Kings ist - wie man hört - »Stone Butch Blues« der Coming-out-Roman gewesen, der ihnen die Augen geöffnet und auf sie prägend gewirkt hat. (Jürgen empfiehlt, Lesben Special Katalog 2007, Titel derzeit nicht lieferbar)
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