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Veneda Mühlenbrink: Odéonia, Paris

Veneda Mühlenbrink: Odéonia, Paris

D 2016, 198 S., Broschur,  15.42
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Ulrike Helmer
Inhalt
Ein historischer Roman für alle in Bücher Vernarrten, eine große lesbische Liebesgeschichte, die endlich als solche nacherzählt worden ist: Gegen Ende des Ersten Weltkriegs kommt mit den amerikanischen Soldaten auch Sylvia Beach nach Paris. Dort lernt die literaturverliebte Amerikanerin Adrienne Monnier kennen, die die bereits in der Pariser Literaturszene etablierte Buchhandlung »La Maison des Amis des Livres« betreibt. Adrienne ist frisch von ihrer letzten Freundin getrennt, sie hat eine Beziehung hinter sich, die ihr seelisch wie materiell viel abverlangt hat – und trotz ihrer Erschöpfung verliebt sich Adrienne sofort in die resolute Amerikanerin. Eigentlich wollte Sylvia in New York einen französischen Buchladen eröffnen – doch nun dreht sie das Konzept einfach um: Mit Adriennes Unterstützung gründet sie einen amerikanischen Buchladen in Paris, »Shakespeare & Company« fast schräg gegenüber von Adriennes eigenem Geschäft. Zusammen werden die beiden Buchfrauen ein Fixpunkt der internationalen Avantgarde, die »Odéonia«, der Weg von der einen zur anderen Buchhandlung war der Ort, an dem eine ganze Generation, die durch den Weltkrieg um die Jugend betrogen und von grauenvollen Erlebnissen traumatisiert ist, Perspektiven für eine neue Zukunft sucht. Doch die Beziehung der beiden Frauen bleibt nicht ohne harte Belastungsproben – vor allem als sich Sylvia auf die Zusammenarbeit mit dem Genie James Joyce einlässt und bereit ist, dessen »Ulysses« zu verlegen. Dass der grandiose Erfolg dieses Romans einer der größten Triumphe werde würde, war nicht abzusehen, war das Wirtschaften beider Verlagsbuchhandlungen immer wieder eher prekär und nie dazu geeignet, Reichtümer zu erwerben. Engagierter Buchhandel eben. Veneda Mühlenbrink schildert diese ebenso spannende wie berührende Geschichte aus der Pariser Zwischenkriegszeit konsequent aus der Perspektive der lesbischen Liebes- und Beziehungsgeschichte. Ein großes Verdienst, denn der gelungene Unterhaltungsroman, rückt vieles, was historisch fast schon allzu geläufig sein mag, in ein neues, emotionales Licht, lädt Entscheidungen, die literaturhistorisch immer wieder zu einer Männergeschichte gemacht worden sind, mit lesbischer Erotik und Begehren auf. Ein Stück identifikatorischer Rückeroberung, gerade weil die Autorin nicht die Literatursprache sucht, die die beiden Frauen gemeinsam so liebten, sondern die Alltäglichkeit und Unverstelltheit, die auch vor scheinbar Trivialem nicht zurückschreckt.
Veit empfiehlt (Winter 2016/17)
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