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Patricia Highsmith: Carol

Patricia Highsmith: Carol

Dt. v. Melanie Walz. D 2015, 464 S., Pb.,  13.36
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Diogenes
Inhalt
Schon der Beginn der Liebesgeschichte ist ebenso kühn erzählt wie er in seiner Unwahrscheinlichkeit plausibel ist: Therese arbeitet in einem New Yorker Kaufhaus, erst vor kurzem ist sie vom Land in die Großstadt gezogen. Mehr um Erwartungen zu erfüllen denn weil ihr irgendetwas an ihm liegt, trifft sie sich mit Richard, doch die Vorstellung, mit ihm Sex zu haben, ist ihr ein ziemliches Gräuel. Eines Tages bleibt aber ihr Blick an Carol Aird hängen, einer eleganten, blendend aussehenden Kundin. Weil Therese deren Einkäufe zustellen soll, kennt sie Carols Adresse. Spontan, was sonst gar nicht ihre Art ist, schickt ihr Therese eine Grußkarte des Kaufhauses, auf der sie lediglich ihre Dienstnummer angibt; Carol reagiert in ebenso kurz entschlossener Weise, ruft im Kaufhaus an, lässt sich mit der Mitarbeiterin verbinden, von der sie nur die Nummer kennt. Die beiden Frauen treffen sich – zunächst freilich rein freundschaftlich. Doch ihre Umwelt beargwöhnt ihre Beziehung von Anfang an. Richard hält sie für eine Schwärmerei, doch Carols getrennt lebender Ehemann wittert gleich seine Chance im laufenden Scheidungsprozess: Carol hatte ihm einmal von ihrer lesbischen Affäre mit einer Schulfreundin erzählt, jetzt schlachtet er den Verdacht aus, um auch sein Sorgerecht für die gemeinsame Tochter sicherzustellen.
Carol und Therese versuchen, ihrer zunehmend aggressiven Umwelt durch eine Fahrt nach Westen zu entkommen, und es ist erst auf dieser Reise, auf der sie sich gegenseitig ihre Liebe gestehen und zum ersten Mal Sex miteinander haben – und der wird für ihre Beziehung zum Verhängnis. Denn Carols Mann hat einen Privatermittler beauftragt, die beiden Frauen zu verfolgen und belastbares Material für seinen Scheidungsprozess zu beschaffen. Als Carol klar wird, dass sie und Therese bespitzelt wurden, versucht sie, durch die Trennung von Therese zu verhindern, dass ihr das Sorgerecht für ihre Tochter entzogen wird – jedoch vergeblich. Therese und Carol treffen sich zwar weiterhin, jedoch ist Therese zu sehr verletzt, als dass sie zur vormaligen Intimität zurückkehren könnte; sie stürzt sich in einen Flirt mit einer Schauspielerin, der sie freilich noch mehr deprimiert. So erkennt Therese, dass Carol ihre einzige aufrichtige Liebesbeziehung bislang war, und beide Frauen können schließlich doch zueinander finden.
»Carol« wurde zunächst unter dem Titel »Salz und sein Preis« von Patricia Highsmith unter einem Pseudonym veröffentlicht, sie musste sich auch für dieses Buch einen eigenen Verlag suchen. Doch der Roman avancierte bald zu einem Klassiker und das sicher nicht nur, weil es wohl der erste lesbische Liebesroman ist, der zu einem Happy End kommt. Freilich, die Post, die Patricia Highsmith über den Verlag dieses Buches bekam, muss eine wahre Flut gewesen sein, viele lesbische Leserinnen erkannten zumindest einen Aspekt ihres Lebens in der Geschichte wieder. Doch es ist die sprachliche Prägnanz, der klare und zuweilen kühle Stil, der »Carol« immer wieder fesselnd macht, der die Geschichte, die natürlich tief der beklemmenden Prüderie der 50er Jahre verhaftet ist, gar nicht wie eine Zeitreise wirken lässt, sondern vielmehr wie eine überzeitlich gültige Beziehungsgeschichte. Und im Blick auf lesbische Affären und Beziehungen konnte Patricia Highsmith nach eigenem Bekunden auf einen enormen Erfahrungsschatz zurückblicken. Die sprachliche Kühle steht freilich in einem ausgesprochenen Gegensatz zur rasanten Abfolge der Ereignisse, die beim Lesen fieberhaft mitreißt; Patricia Highsmith zufolge entstand der Roman auch während einer fiebrigen Infektion – womöglich eine ihrer koketten Legenden, freilich mit zumindest anekdotischen Wahrheitsgehalt. Kurz: eine Geschichte zum Verschlingen.

(Veit empfiehlt - Herbst 2015)
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