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Sarah Waters: The Paying Guests

Sarah Waters: The Paying Guests

UK 2014, 576 pp., brochure,  21.95
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Little Brown
Inhalt
Der Erste Weltkrieg hat die britische Gesellschaft schwer erschüttert, die Jahre nach dem eigentlich gewonnenen Krieg bringen den Niedergang vieler vormals fest in der Oberschicht etablierter Familien, sei es alter Geburts- oder städtischer Geldadel. So hat es auch die Wrays getroffen, die verwitwete alte Mrs Wray und ihre 25jährige ledige Tochter Frances bewohnen zwar noch das eigene Haus in einem vornehmen Londoner Stadtviertel, können es aber nur dadurch halten, dass sie einige Räume an Lilian und Leonard Barber vermieten. Das noch kinderlose Ehepaar im Haus zu haben ist besonders für Mrs Wray schon demütigend genug, dass die beiden aber offenkundig nicht aus gehobenen Kreisen stammen, versucht sie trotz ihrer finanziellen Abhängigkeit von den regelmäßigen Mietzahlungen mit Standesdünkel vergessen zu machen. Frances ist freilich schon das Kind einer neuen Generation, als Heranwachsende hat sie sich sogar für Frauenrechte engagiert, freilich eher, um ihren mittlerweile verstorbenen Vater zu provozieren, als dass sie mit Herz und Seele gesellschaftlichen Wandel zu ihrer Sache gemacht hätte. Jetzt steht sie sogar unter einer Art Überwachung durch ihre Mutter, denn ihre lesbische Liebesaffäre mit Chrissy wurde mit aller elterlichen Gewalt zerstört, so etwas soll sich nie wiederholen. Schon nach wenigen Wochen freunden sich die neue Mieterin, Lilian, und Frances an, für Frances ist es zunächst eine willkommene Abwechslung zu ihrem von der Mutter bestimmten und überalterten Bekanntenkreis, für Lilian eine Freundschaft, in der sie die Frustration über ihre Ehe, in der sie zunehmend unglücklich ist, ein wenig vergessen kann. Rasch entwickelt sich diese Freundschaft jedoch zu einer leidenschaftlichen Liebesbeziehung und beide Frauen fangen an, sich auszumalen wie eine gemeinsame Zukunft ohne Mutter und Ehemann aussehen könnte. Doch dann überschlagen sich die Ereignisse, als eines Nachts Leonard früher als erwartet nach Hause kommt, ein Streit aufkommt, in dem er von der Affäre seiner Frau mit seiner Vermieterin erfährt und er in seinem Eifer auf Frances losgeht. Lilian versucht erfolglos die beiden zu trennen und erschlägt schließlich ihren Mann. Den beiden Frauen gelingt es, den Leichnam unbemerkt aus dem Haus zu schaffen, sie wollen es wie einen Unfall auf Leonards Heimweg aussehen lassen. Doch die Polizei erkennt am nächsten Morgen schnell, dass es Mord gewesen sein muss, die darauffolgenden Ermittlungen zermürben Lilian und Frances immer mehr und in ihrer Angst, die Wahrheit könnte ans Licht kommen, zersetzt sich ihre Liebe, bis sie immer wieder auch in offene Anfeindungen umschlägt. Freilich wird beiden immer wieder klar, dass ihre Liebe stärker ist als alles, was ihnen bislang begegnet ist – doch ob das ausreicht, mit anzusehen, wie einem Unschuldigen versucht wird, den Mord vor Gericht unterzuschieben und nicht daran zu zerbrechen, scheint mehr als zweifelhaft. – Sarah Waters‘ neuer lesbischer historischer Liebesroman vereint in gewohnt gekonnter Manier leidenschaftliche Romantik mit einer packenden Thriller-Handlung, die sich diesmal an prominenten Mordprozessen im London der Zwischenkriegszeit orientiert. Schon durch ihr erzählerisches Talent hat Sarah Waters es wieder geschafft einen Pageturner zu verfassen, der beim Lesen Hier und Jetzt vergessen lässt. Besonders packend macht den Roman freilich der Aufbau seines Tempos: Er beginnt als epischer und ruhiger historischer Roman, die sich entwickelnde Liebesgeschichte verlangsamt nach und nach den Erzählfluss immer mehr, fast macht sich die Erwartung zur Romanmitte hin breit, die Autorin wolle ihre Geschichte nun bedächtig ausklingen lassen. Dann stirbt Leonard, und es entwickelt sich eine aktionsreiche Handlung, mitunter werden die Nerven Lilians und Frances‘ durch ein regelrechtes Stakkato strapaziert, das Tempo steigt mit der bangen Frage, ob und wie das alles noch gut enden kann. Die mörderisch gute und vor allem wunderbar lange Leseunterhaltung (immerhin über 360 Seiten) gibt es im Moment nur in der englischen Originalausgabe. Doch für Juli 2016 ist eine deutsche Übersetzung angekündigt.
(Veit empfiehlt - Frühlingskatalog 2015)
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