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Stefanie Zesewitz: Wie ein Versprechen

Stefanie Zesewitz: Wie ein Versprechen

D 2013, 408 S., Broschur,  15.32
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Querverlag
Inhalt
Ende der 1920er Jahre kommt die 18jährige Dina aus der ostfriesischen Provinz zu ihrer Tante in die Großstadt Hamburg. Dort soll sie eine Hauswirtschaftsschule besuchen, doch schon nach wenigen Wochen wird sie der Schule verwiesen. Durch einen glücklichen Zufall kann sie jedoch eine Fotografielehre beginnen - und ihr Lehrherr Siegfried ist bald nicht nur Ausbilder, sondern väterlicher Freund, der sie unterstützt, wo er kann. So bleibt ihm auch nicht verborgen, dass sich Dina in die schillernde Selene verliebt hat und einerseits berauscht und glücklich über diese leidenschaftliche Beziehung, andererseits aber auch deprimiert über Selenes häufiges Verschwinden und abweisendes Verhalten ist. Selene stammt aus reichem Elternhaus und verbirgt offenkundig ein dunkles Geheimnis, das sie oft jäh von einer glühenden Liebhaberin zu einer spröden, ja kalten Person werden lässt. Zunächst glaubt Dina, was Selene ihr über den Grund ihres merkwürdigen Verhaltens sagt: Selene ist nämlich kommunistische Aktivistin, die Auseinandersetzungen bei Demonstrationen mit den feindlichen Nazi-Sympathisanten werden immer brutaler, Dina solle da nicht hineingezogen werden. Doch Dina geht für interessante Fotos einige Gefahren ein, die nächtliche Hamburger Halbwelt ist ihre zweite Heimat geworden, nicht nur, weil sich dort in der Wirtschaftskrise immer noch mit Fotos Geld verdienen lässt. Und so wird Dina Zeugin der bürgerkriegsähnlichen Straßenschlachten, bei denen die Polizei unverhohlen die Nazis deckt, durch die die Weimarer Republik ins Scheitern getrieben wird. Vor allem erkennt Dina aber auch, dass Selenes Schroffheit einen ganz anderen Grund haben muss als den, den sie ihr genannt hatte. Ruhender Pol in Dinas Leben ist während alledem ihre beste Freundin Ida. Doch Idas Gefühle für Dina werden immer intensiver, sodass sich Dina zwischen leidenschaftlicher Liebe zu Selene und verlässlicher Zuneigung zu Ida hin- und hergerissen sieht. Als die Nazis an die Macht kommen, überschlagen sich die Ereignisse: Selene wird als Kommunistin verfolgt, Idas jüdische Familie erkennt die Schreckensherrschaft, die sich anbahnt, und verlässt gerade noch rechtzeitig das Land. Und auch für Dina wird die Lage höchst gefährlich. - Stefanie Zesewitz hat formal einen höchst spannenden historischen Roman vor dem Hintergrund der scheiternden Weimarer Republik geschrieben. Mit der kleinbürgerlichen Dina, der hanseatisch-aristokratischen Selene und der jüdisch-großbürgerlichen Ida hat Stefanie Zesewitz ein schon von dem Aufeinandertreffen der gesellschaftlichen Klassen her interessantes Dreieck geschaffen, dessen Spannungen sich freilich vor allem durch die unterschiedlichen politischen Haltungen der drei jungen Frauen aufbauen. Denn während Selene fast schon ideologisch denkt und handelt, ist Dina eher von einer pragmatischen Aufrichtigkeit geleitet und Selene so gut wie desinteressiert. Doch »Wie ein Versprechen« ist vor allem der Entwicklungsroman einer jungen Frau, Dinas, die vordergründig an ihrer Arbeit reift, tatsächlich aber an der Auseinandersetzung mit den widersprüchlichen und heftigen Gefühlen wächst, die sie für zwei völlig gegensätzliche Frauen, Selene und Ida, empfindet. Dabei geht der Roman mit diesen Gefühlen fast schon streng rational um: Es gibt keine aufgepeitschten Eifersuchtsszenen, Dinas Verzweiflung wird nie hysterisch, insgesamt bleibt die Darstellung der ebenso romantischen wie häufig erotischen Liebesgeschichte frei von jedem Abgleiten in Kitsch oder Stereotypen. Ein fein erzählter Roman, was sich auch in der Sprache widerspiegelt, einem feinen hanseatischen Duktus, der nur im ersten Eindruck kühl wirkt, aber dann gerade in seiner Zurückgenommenheit seine volle Wirkung und Überzeugungskraft entfaltet. Außerdem scheint an etlichen Stellen Stefanie Zesewitz ihre Figuren in kritischer Auseinandersetzung mit lesbischer Gegenwartsliteratur gezeichnet zu haben. So kann in Dinas Jugendfreund Onno ein literarischer Gegenentwurf zu Karen-Susan Fessels gleichnamiger Figur in »Leise Töne« erkannt werden - solche Momente sind wie ein Schlüssel zum lesbischen Selbstverständnis, von dem Stefanie Zesewitz schreibt. Und so wird »Wie ein Versprechen« von einem historischen fast schon zu einem Gegenwartsroman. (Veit empfiehlt, Winter 2013)


Dieser Querverlag-Titel ist auch erhältlich als:
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