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Karen-Susan Fessel: was du willst

Karen-Susan Fessel: was du willst

D 2013, 160 S., Broschur,  13.26
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Querverlag
Inhalt
Die Geschichte einer sehnsüchtigen Obsession: Jona lebt seit Jahren in einer festen Beziehung mit ihrer Freundin Sille – einer modernen Beziehung, Sille und Jona lassen sich alle Freiheiten. Sie verbringen ihre Zeit gezielt miteinander, denn beide sind viel unterwegs. Jona vor allem, sie berät Unternehmen im ganzen Land bei der richtigen Einrichtung der Büros und bei der ergonomisch richtigen Einstellung der Möbel. Auf ihren Reisen gönnt sich Jona gerne einmal einen Flirt, dabei ist sie durchaus wählerisch. Verklemmte Ehefrauen, die sich einen unbedenklichen Ausbruch aus ihrer Ehe zusammenfantasieren, oder Frauen, die sich für alles aufgeschlossen wähnen und auch einmal eine lesbische Affäre versuchen wollen, sind gar nichts für sie. In ihren Seitensprüngen ist Jona so aufrichtig wie in ihrer Beziehung – und darum hat auch das Zusammensein mit Sille keinen schalen Beigeschmack, auch wenn beide einander so gut kennen, dass sie wissen, für die jeweils andere nicht Prickeln oder gar Herzflattern auszulösen. Bei einem lesbischen Clubbing trifft Jona auf eine unbekannte Schönheit, die sie sofort in Beschlag nimmt. Außer einem flüchtigen Augenkontakt, wenigen flüchtig gewechselten Sätzen und einem gemeinsamen Getränk an der Bar passiert nicht viel und doch empfindet es Jona intensiver als jeden Flirt. Doch die beiden Frauen verlieren sich und es dauert Monate, bis sie sich zufällig wieder begegnen. Diesmal landen die beiden sogar im Bett – doch gerade weil die Begegnung so intensiv war, bricht Jona den Kontakt ab. Zu sehr ist sie Sille verhaftet, will sie ihr etabliertes Leben nicht erschüttern oder gar in Frage stellen. Wieder vergeht viel Zeit, bis Silles Sehnsucht ein neues Treffen mit der schönen und geheimnisvollen Frau nicht länger verhindern kann. Und wieder spürt Jona, dass in Wahrheit in ihrem Leben alles anders geworden ist, ihre Beziehung zu Sille ihr entgleitet. Doch erst nachdem sie tatsächlich mit Sille abgeschlossen hat, ist sie wirklich offen für die Frau, die ihr so sicher geglaubtes Leben offenbar aus der Bahn geworfen hat. – Karen-Susan Fessels Geschichte ist sicher kein Aufreger, im Gegenteil, der romantisierende Plot (Frau in glücklicher Beziehung trifft eine andere Frau, die ihr Leben von Grund auf ändert) ist zwar immer wieder ein schönes Thema, jedoch nicht originell und in der Ausblendung aller gesellschaftlicher Konflikte und schicksalhafter Verwerfung hat der Text sogar einen Hang zum Edelkitsch. Doch der Text ist aus einem anderen Grund etwas ganz Besonderes: Karen-Susan Fessel hat zu einer ebenso klaren wie poetischen Sprache gefunden, die nicht nur einfach wunderschön ist, sondern sowohl in Blick auf den Rhythmus als auch im Blick auf die Wortwahl eine Stimmigkeit entwickelt, die nur selten zu finden ist. Jedes Wort erscheint so ausgewählt, als ob kein anderes infrage hätte kommen können, jeder Satz so ausgefeilt, fast als ob es Karen-Susan Fessel um Lyrik und nicht um Prosa zu tun gewesen wäre. Und es ist genau diese Verfremdung, die »was du willst« so empfehlenswert macht: Der Stoff der Trivial-Unterhaltung in der Form der gehobenen Literatur, die alltäglich erhoffte, ebenso oft beschworene und darum banalisierte romantische Liebe als sprachliches Kunstwerk. Lässt man in diesem Sinn den Roman auf sich wirken – und allein um des Lesegenusses Willen sollte man sich viel Zeit sowohl beim Lesen also auch beim Sinnieren über das Gelesene lassen – zeigt sich, dass Karen-Susan Fessel hierdurch der romantischen Liebe eine neue Chance gegeben hat, die es für uns ja nur noch als ebenso triviale wie standardisierte Sehnsucht gibt, die aber ursprünglich anstößig war, darauf ausgerichtet, das eigene Leben von Grund auf zu verändern. Karen-Susan Fessel rückt die Wahrnehmung dieses lebensverändernden Moments wieder zurecht, indem sie nicht die Besonderheit des Erlebten, die Einzigartigkeit der romantischen Konstellation durch den Inhalt ihrer Geschichte zu zeigen versucht, sondern, indem sie die Besonderheit des Erlebens durch die Schönheit und formale Ausgefeiltheit ihrer Erzählung verdeutlicht. Der banale Stoff wird somit durch die Form auf einmal wieder zu einer Aufregung – eine unglaublich schöne und intelligente Lektüre.
Veit empfiehlt - Sommer 2013
Dieser Querverlag-Titel ist auch erhältlich als:
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