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Carson McCullers: Die Autobiographie

Carson McCullers: Die Autobiographie

D 2011, 384 S., Pb.,  12.30
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Diogenes
Inhalt
Carson McCullers‘ »Die Autobiographie - Illumination and Night Glare« ist mehr als eine reine Autobiografie im eigentlichen Sinn. Das Buch besteht aus drei Hauptteilen: aus der eigentlichen Autobiografie, aus einem Briefwechsel in der Zeit des Zweiten Weltkriegs zwischen Carson McCullers und ihrem Ehemann Reeves McCullers sowie aus ihrem Exposé zu »Der Stumme«, das später unter dem Titel »Das Herz ist ein einsamer Jäger« erschien. Ihre Autobiografie wurde nicht mehr fertig, weil Carson McCullers vor der Vollendung verstarb. Erst später mit Hilfe ihrer Randbemerkungen konnte die Autobiografie - so gut es ging - in ihrem Sinne vollendet werden. »Illumination and Night Glare« macht den Eindruck von aufflackernden Erinnerungen, die so - wie sie ihr gerade einfielen - niedergeschrieben wurden. Daraus entstanden immer wieder zeitliche Sprünge in den verschiedenen Abschnitten. Die Einleitung - auch wenn sie manches vorwegnimmt - wirkt dem entgegen und gibt einen kurzen Überblick über das Geschehene. Es wird außerdem darauf aufmerksam gemacht, dass Carson McCullers der Phantasie mit einem Augenzwinkern unter die Arme griff, wenn es die Authentizität erlaubte. Vielleicht zeigt sie damit, wie sie war - durch Andeutungen und Unschärfen im Ausdruck wird auch eine Person sichtbar, die sie gerne gewesen wäre, was - wie ich finde - einen tieferen Eindruck vermittelt. »Illumination and Night Glare« ist - wie ich finde - ein Buch, das seine Qualität erst in einer näheren Auseinandersetzung offenbart. Mir erscheinen die Briefe zwischen Carson McCullers und Reeves McCullers von 1944 bis 1945 im starken Kontrast zu ihrem Exposé von »Der Stumme« zu stehen. Die Briefe zeigen Carson McCullers von einer sehr emotionalen Seite. Sie war ihren Gefühlen ausgeliefert. Worte und Sätze überschlagen sich, Inhalte wiederholen sich in den Briefen, weil sie nicht sicher war, wann und ob diese ihn erreichen würden. Das Exposé offenbart im Gegensatz dazu einen klaren strukturierten Verstand, der sachlich mit Emotionen umgehen konnte. Verständlich formulierte sie ihre Ideen und gab ihre Gedanken preis. Durch die Gegenüberstellung dieser zwei Schriften entsteht eine Spannung, durch die das Buch einen ganz eigenen Charakter bekommt. Carson McCullers machte mit ihrem kindlichen Äußeren, ihrer angeschlagenen Konstitution und ihrem gefühlsbetonten Wesen einen zerbrechlichen Eindruck. Durch eine Fehldiagnose in ihrer Kindheit erlitt ihr Herz Schaden, was durch regen Alkohol- und Tabakgenuss noch verschlimmert wurde. Dadurch hatte sie schon in jungen Jahren einen Schlaganfall. Auch wenn das Kernthema ihrer Werke die Liebe war, schaffte sie es dennoch, damit zu provozieren. Nach »Das Herz ist ein einsamer Jäger« bekam sie Drohanrufe vom Ku-Klux-Klan: »Wir sind der Klan, und können Negerliebchen und Schwuchteln nicht leiden, Heute Nacht bist du dran«. Mit ihrer zweiten Buchveröffentlichung »Spiegelbild im goldenen Auge« schockierte sie Leser und Gesellschaft mit den Themen unterdrückte Homosexualität, sexuelle Untreue und Voyeurismus im Militärmilieu. Entsprechend gespalten fiel die Meinung von Kritikern und Leserschaft aus. Es kam sogar zu einem Aufruhr, weil viele Leute in ihrer Heimatstadt in den Südstaaten und dem nahe gelegenen Militärstützpunkt meinten, die Figuren des Romans zu kennen. Das stellte jedoch keinen Hinderungsgrund für die Verfilmung Ende der 60er Jahre mit Marlon Brando und Elizabeth Taylor dar. In »Die Autobiografie« erzählt Carson McCullers auch von ihrer ersten Begegnung mit Annemarie Schwarzenbach, mit der sie dann den ganzen Abend verbrachte. Als sie dann spät nachts zu ihrem Ehemann Reeves McCullers nach Hause kam, stellte dieser sie zur Rede, fragte, ob sie in Mademoiselle Schwarzenbach verliebt sei. Carson McCullers antwortete, dass sie es nicht wisse, worauf hin er sie zum ersten Mal schlug. Ich find es schade, dass sie nicht näher auf die Konflikte mit ihrem Mann eingeht. Ich würde auch gerne mehr über ihre Beziehung zu Annemarie Schwarzenbach wissen. Letzten Endes bleibt vieles ungesagt und sie behält das Geheimnisvolle, was mich von Anfang an angezogen hat. Denn eigentlich habe ich das Buch nur gekauft, weil mich das Bild der Frau auf dem Umschlag faszinierte. (Michael empfiehlt, Sommer Katalog 2012)
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