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Roland Gramling: Frankfurt 30 Grad

Roland Gramling: Frankfurt 30 Grad

D 2008, 327 S., geb.,  15.32
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Querverlag
Inhalt
Luke will ein neues Leben beginnen. Am Tag seines Abschieds von zuhause erledigt er noch schnell sein Coming-out, das erwartungsgemäß seine Mutter in tiefste Verzweiflung stürzt. Doch Luke ist schon auf dem Weg nach Frankfurt, wo er sich gleich bei Samuel einquartiert, den er seit den gemeinsam verbrachten Sommerferien anhimmelt. Als Samuel dann auch noch mit Luke Sex hat, wähnt sich Luke schon im Himmel – doch umso tiefer ist sein Absturz, als er Samuel sagt, dass er ihn liebt und Samuel von Liebe und Schwulsein nichts wissen will. In tiefer Depression sucht sich Luke ein neues Zimmer – und findet es in einer WG in der Ackerpflaumenalle 33. Hier ist ein Zimmer frei, denn vor kurzem ist Tom zu seinem Lover Sven gezogen. Dass dies die zweitgrößte Fehlentscheidung in Toms Leben gewesen sei (nur noch getoppt dadurch, dass Tom Svens Heiratsantrag angenommen hat), fanden sowohl Tina, die Vermieterin, als auch Meiko, ihr kleiner Bruder und einer der schrillsten Schwulen der Stadt, als auch Sarah, die zweite Untermieterin und toughe, lesbische, angehende Polizistin. Und so liegt die Latte für Luke hoch, denn Tom zu ersetzen, ist schlechterdings unmöglich. Zumal Tom den Kontakt mit seiner alten WG jetzt wieder stärker sucht, denn trotz (oder: wegen?) der nahenden Hochzeit mit Sven hat er sich gerade über beide Ohren in Marco verliebt. Und während Sarah versucht über ihre Trennung von Melanie hinweg zu kommen, soll Tina mit Marcos bestem (Hetero-) Freund verkuppelt werden und Meiko soll ein schwules Lokal übernehmen. Diese WG, die nach und nach für Luke mehr als ein Freundeskreis wird, ist das Zentrum von Stadtgeschichten um etwa ein Dutzend Schwule, Lesben und befreundeter Heteros, und diese Geschichten fügen sich zum Roman über Lukes ersten offen schwul gelebten Sommer. Die Geschichten sind witzig (wie führt man ein mehr oder weniger wichtiges Telefonat, wenn der One-Night-Stand einem gerade einen bläst?), oft sogar grotesk komisch (wenn der eben gekaufte Vibrator in der Einkaufstasche losgeht und alle Umstehenden hartnäckig verlangen, das Geräusch abzustellen); daneben gibt es Episoden, die anrührend und fast schon besinnlich sind, wie die ebenso schreckliche wie schöne Geschichte vom Tod eines alten Liebespaars. Das Besondere aber an diesem Roman ist, wie es Roland Gramling gelingt, seine Figuren als Typen einzuführen und sie dann zu Individuen werden zu lassen. Allen voran natürlich Luke, der als verklemmt-verschüchterter Landjunge in die Großstadt kommt und sich zu einem selbstbewussten jungen Mann mausert. Bei anderen ist es keine Entwicklung, sondern nur ein Augenblick, in dem sie aus ihrem typischen Muster springen und mit einem Mal Persönlichkeit haben. Gerade diese Momente, wenn auf einmal eine Figur jenseits ihrer Rolle unerwartet individuelle Züge annimmt – mal zärtlich, mal boshaft, mal liebenswert, mal brutal – macht diesen Roman so vereinnahmend. Denn darin zeigt sich eine Grundwahrheit unseres Lebens, dass nämlich der Großteil in sowohl freiwillig angenommenem wie in von außen aufgenötigtem Rollenverhalten besteht, und dass wir gerade und nur in den wenigen wie kurzen Momenten, in denen wir diesen Rahmen verlassen, zu etwas besonderem und möglicherweise für andere zu jemand interessantem werden. Und indem man beim Lesen die eigenen Rollen ebenso wie die Rollen anderer wiedererkennt, beginnt man mit Luke und seinen Freunden zu leben. (Veit empfiehlt, Winter Katalog 2008)
Dieser Querverlag-Titel ist auch erhältlich als:
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Hardcover, € 15.32
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