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Martin Pichler: Störgeräusch

Martin Pichler: Störgeräusch

Ö 2006, 221 S., geb.,  19.90
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Haymon
Inhalt
Philipp lebt in einer Einliegerwohnung im elterlichen Haus. Seit dem Tod seiner Mutter bewohnt Franz, der Vater, den Rest des Hauses allein. Die zwei leben neben einander her, Philipp hat seinem Vater nie vergessen, dass dieser sein Schwulsein immer mit schweigender Verachtung kommentierte. Beide Männer verbindet einzig die tote Mutter, Margret, die den Haushalt und aller Leben mit ihrer Muttermacht dominierte. Präzise führte sie über alles Buch, als liebevolle Helferin sah sie ihrem Mann seine Unbeholfenheiten nach, Philipps Freund Luca schloss sie ins Herz und nahm ihn in die Familie auf. Doch Liebe will nicht teilen, Liebe will herrschen - und so konnte sich Margret in ihrem Innersten einnisten und auch nach ihrem Tod als Störgeräusch ihr Leben weiter bestimmen. Als Franz sich in eine Frau verliebt, gibt er Margret ebenso Rechenschaft wie sich Philipp den mütterlichen Fragen und Kommentaren ausgesetzt sieht, als er mit einer Internetbekanntschaft eine Affäre beginnt, von der Luca nichts ahnt. Aber natürlich helfen alle geisterhaften mütterlichen Arrangements nichts, wie schon zu ihren Lebzeiten ist die Familie nichts als eine tote Klammer, die alle zusammenhält und einzig kleine verschwiegene Freiräume gestattet. Die Wendung bringt erst die unerwartete schwere Erkrankung Franzens, auf einmal setzt er sein eigenes Interesse auch gegen die Ärzte durch. Philipp schickt eine eMail, in der er - von einem plötzlichen Drang zur Aufrichtigkeit berauscht - immer verschwiegene Wahrheiten eigentlich seiner Internet-Affäre mitteilen will, versehentlich an seinen Freund Luca, und als er seinen Fehler bemerkt, ist auch er auf einmal in der Lage eigenständig und selbstkritisch mit seinem Leben umzugehen. - Dass sich Vater und Sohn am Ende des Romans bei Gartenarbeit versöhnen, pointiert noch einmal die ambivalente Anlage der Geschichte und der Figuren in diesem weniger düsteren als bleiern schweren Heimatroman. Sozialromantik und Familienkritik gehen fließend ineinander über, aber das macht gerade den besonderen Reiz von »Störgeräusch« aus. Denn so deckt Martin Pichler eine grundlegende Zwiespältigkeit auf, die schwules Leben ganz besonders prägt: neben dem Streben nach Eigenständigkeit und Abgrenzung, vor allem gegenüber Familie und Traditionen, gibt es genauso die Sehnsucht nach Idylle und Beschaulichkeit. Aber nach all den bitteren (Selbst-)Einsichten kann es - zumindest für den Leser - kein versöhnliches Ende geben. Eher gerät ihre Versöhnung zum letzten Coup der zwar toten aber nicht zur Ruhe zu bringenden Mutter, die ihre Hinterbliebenen zwar nicht töten, dafür lebendig zur ewigen Ruhe bringen kann. (Veit empfiehlt, Herbst Katalog 2006)
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