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Jan Stressenreuter: Und dann der Himmel

Jan Stressenreuter: Und dann der Himmel

D 2006, 347 S., Broschur,  15.32
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Querverlag
Inhalt
Nach »Love To Love You Baby« und »Ihn halten, wenn er fällt« ist jetzt Jan Stressenreuters dritter Roman erschienen. Auf den ersten Blick eine phantastische Geschichte, doch das ist ja auch Jan Stressenreuters Spezialität: Vermeintlich skurrile Erzählungen in einen modernen schwulen Roman einzubauen, wie z.B. die Liebesgeschichte zwischen Faun und Drachen oder das Märchen von den schwulen Ratten in »Ihn halten, wenn er fällt«. In »Und dann der Himmel« plumpst ein schwuler Engel - kein geringerer als der Erzengel Rafael - in das mehr oder weniger zerrüttete Leben Marcos, der gerade mit seinem Freund Finn Schluss gemacht hat, nur weil der mit einem anderen im Bett war. Seine Mission sei es, Marco zum Mann seines Lebens zu verhelfen. Natürlich glaubt Marco als aufrechter Atheist kein Wort und hält Rafael zunächst für einen Hochstapler. Aber Rafael sieht auch ziemlich gut aus, und so nimmt ihn Marco nicht ohne Hintergedanken mit zu sich nach Hause. Rafael bringt Marco dazu, sich mit ihm auf eine Reise quer durch Deutschland aufzumachen, erst zu seiner besserwisserischen und erfolgsverwöhnten Schwester, dann zu den frustrierten Alt-68er-Eltern, weiter zum Grab eines Ex-Lovers - und schließlich in die Einöde zu Finn. Unterwegs sieht Marco nach und nach seine Lebenslügen ein - seine Macken kennt er ja schon lange. Und er begreift, dass er in Wahrheit Finn nicht nur immer noch liebt, sondern vor allem bei ihm bleiben will. Jan Stressenreuter bricht seine flott erzählte Geschichte durch Marcos Träume - ein geschickter Kunstgriff, mit dem der Widerspruch von formulierten Lebenserwartungen und geheimen Sehnsüchten im Laufe des Romans entwickelt wird. Am Anfang werden Marcos Träume noch ganz von seinen selbstgesetzten Standards beherrscht, und seine Sehnsüchte werden unterdrückt. »Ich wollte du wärst tot«, hatte er Finn an den Kopf geworfen, als er ihn in flagranti erwischt hatte. Und so kultiviert Marco zunächst vor allem Fantasien über Finns Selbstmord. Doch der ungebetene Schutzengel Rafael mischt sich auch in Marcos Träume ein, und immer mehr stellen seine Träume Marcos Erwartungen und Verhaltensmuster in Frage. Aber Wahrheit und Geltung der Träume werden nicht kitschig verklärt, denn Marcos selbstkritische Einsichten gehen mit zunehmender Übermüdung und Schwäche einher. Packend zeigt Stressenreuter, wie sowohl Marco als dann auch Finn diesen gedanklich-seelischen Konflikt weder durch Einsicht noch durch Aussprache lösen können. Eine neue Chance scheint es erst zu geben, als sie sich schlagen und mit körperlicher Gewalt Vergebung erzwingen wollen. Und wäre diese gekonnte Mischung aus schwuler Unterhaltung und fast klassischem Entwicklungsroman nicht schon Grund genug, dass »Und dann der Himmel« in jedes schwule Regal gehört, dann müsste man auf den Prolog der Geschichte verweisen, der auf wenigen Seiten schwules Selbstbewusstsein in einer literarischen Schönheit beschreibt, die einen fast zur Andacht rührt. (Veit empfiehlt, Sommer Katalog 2006)
Dieser Querverlag-Titel ist auch erhältlich als:
E-Book (epub), € 9.99
Taschenbuch, € 15.32
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