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Martin Arz: Reine Nervensache

Martin Arz: Reine Nervensache

D 2005, 317 S., Broschur,  13.26
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Hirschkäfer Verlag
Inhalt
Martin Arz ist vor allem durch seine Felix-Krimis bekannt geworden, in denen Felix auf eigene Faust Mordfälle recherchiert, seine Beziehung mit Emil gelegentlich in eine Krise stürzt, immer wieder den Ermittlungen des schwulen Kommissars Stürzinger vorgreift - und sogar einmal mit ihm im Bett landet. Zu Recht fand Martin Arz, dass die Figur des schwulen Kommissars in den Felix-Krimis lange nicht ausgereizt war, und begann eine zweite Krimi-Reihe. Stürzinger heißt hier Pfeffer, lebt seit Jahren mit seinem Freund Tim zusammen und hat zwei Söhne, den 17jährigen Cosmas und den 14jährigen Florian. Der erste Fall für Pfeffer (»Das geschenkte Mädchen«, in dem die Lösung des Falles in einem fast 100 Jahre alten Kolonial-Roman lag) war zwar schon einer der besten Krimis von Martin Arz, doch blieb Pfeffers Privatleben ziemlich im Hintergrund. Doch jetzt, in »Reine Nervensache«, wird Pfeffer selbst in den Fall hinein gezogen. Am Anfang rollt ein Kopf, der eigentlich nicht echt sein sollte. Während dem Dreh für eine Reality-TV-Produktion sollte ein ahnungsloses Mädchen mit realistisch nachgebildeten Versatzstücken aus Splatter-Filmen erschreckt werden. Doch die Attrappe, die der Höhepunkt des makaberen Schabernacks sein sollte, erweist sich als der echte Kopf des Produzenten der Reality-Show. Für Pfeffer wird der Fall, je länger er an ihm arbeitet, immer verwirrender, denn einmal scheint der Täter ein rachsüchtiger Irrer zu sein, einmal ein ritualbesessener Religionswahnsinniger. Ganz pikant wird es, als sich ein ranghoher Kardinal, Präfekt der Glaubenskongregation, mit pädophiler Vergangenheit einmischt und die Ermittlungen torpediert - ganz deutlich erkennt man in Kardinal Radlkofer das mittlerweile zum Papst avancierte Schlangenlächeln aus Bayern. Doch Pfeffer steckt auch privat in einer tiefen Krise. Seit langer Zeit läuft die Beziehung mit Tim nicht mehr richtig, an den letzten guten Sex kann sich Pfeffer fast nicht mehr erinnern. Und vor allem sein Ältester, Cosmas, macht immer stärker deutlich, dass er sich jetzt erwachsen fühlt. Als er eines abends das Familienheim leer vorfindet, rastet Pfeffer aus und lässt sich auf eine Sex-und-Drogen-Party ein. Als Tim Fotos dieser Nacht in die Hände fallen, zieht er aus. Pfeffer hat also alle Hände voll zu tun, sein Berufs- und Privatleben in den Griff zu bekommen, und der Krimi »Reine Nervensache« bezieht einen guten Teil seiner Spannung daraus, dass die Trennung beider Bereiche partout nicht gelingen will. Schwule Beziehungskrise und Drogenmafia, Kinder schwuler Eltern und verzogene Neffen ermordeter Neureicher, Schwulenhass, mediale Sensationsgier und bayrischer Katholizismus, alles hat mit allem zu tun und wird von Martin Arz gekonnt vorgeführt. Dass diese Gemengelage bis zum Schluss zwar in ihren Handlungssträngen für den Leser gut unterscheidbar bleibt, aber zugleich verzwickt miteinander verknüpft ist, erreicht Martin Arz mit einem für einen Krimi ungewöhnlichen stilistischen Trick: Er wechselt immer wieder für kurze Passagen in einen Dialog, von dem man lange nicht weiß, ob es wirklich zwei Personen sind oder ob es sich um ein inneres Streitgespräch womöglich einer schizophrenen Person handelt. Und noch einen weiteren Effekt erzielt Martin Arz hierdurch: Obgleich Pfeffer und auch der Leser bis zum Schluss im Dunkeln tappen, hat sich nämlich sehr schnell ein Gut-und-böse-Schema herauskris-talisiert; die merkwürdigen Dialogpassagen jedoch halten den Krimi bis zum Schluss in einer geheimnisvollen Schwebe - auch wenn sich der mysteriöse Charakter der Dialoge dann doch aufgeklärt hat. (Veit empfiehlt, Frühlings Katalog 2006)
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