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Stephan Niederwieser: Zumindest manchmal

Stephan Niederwieser: Zumindest manchmal

D 2005, 244 S., geb.,  18.40
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Querverlag
Inhalt
Marcel Reich-Ranicki hat einmal in einem Literarischen Quartett gemeint, jedes wirklich gute, literarische Werk habe im Grunde eine autobiografische Basis. In einer gewissen Weise ist das eine ziemlich gewagte These, die erst einmal überprüft werden müsste. Im Hinblick auf den neuen (und zwar fünften) Roman von Stephan Niederwieser liegt es auf der Hand. Erinnerungen an ein paar von Niederwiesers Lebensstationen (aufgewachsen in Bayern, Berlin und New York, heute daheim in Berlin und immer wieder nach Schweden pendelnd) sind sehr wohl in den neuen Roman eingeflossen und haben zum authentischen Regionalkolorit beigetragen. Auch gibt es auch einige Parallelen zwischen der Hauptperson des Romans und dem Autor (z.B. dass beide Bücher schreiben). Seit Jahren gehört nun Stephan Niederwieser schon zu den absoluten Publikumslieblingen auf dem deutschsprachigen, schwulen Buchmarkt. Ihm eilt der Ruf voraus, der Meister des Gefühls zu sein. Und in »Zumindest manchmal« stellt er einmal mehr unter Beweis, dass ihm dieser Ruf nicht zu Unrecht anhaftet. Dieser Eigenschaft seines Erzählens ist es sicherlich zu verdanken, dass es ihm gelungen ist, dass eher schwierige und wirklich nur schwer glaubhaft darzustellende Thema seines Romans (nämlich die wechselvolle Beziehung des 33jährigen Berliners René und des 65jährigen Schweden Kjell-Åke) in den Griff zu bekommen. In der schwulen Welt von heute bedeutet Jungsein allgemeinhin alles und Altsein das Aus. Hier glaubhaft zu machen, dass ein 33jähriger sich wirklich heftig in einen 65jährigen verliebt (und das, obwohl die Probleme fortgeschrittenen Alters wie Krankheiten, Vergesslichkeit, Todesangst und Potenz keineswegs ausgeklammert werden), ist wirklich eine Kunst und verweist auf Niederwiesers erzählerisches Geschick, die Geschichte von René und Kjell-Åke sorgfältig und ohne Hast auf einer sehr reellen Basis zu entwickeln. Mit seinen 33 Jahren hat der Berliner Autor René schon einiges hinter sich: seine kaputte Familiensituation hat ihn als jungen Burschen früh aus dem Haus getrieben. Seine kurze Beziehung zu einem fast gleichaltrigen Italiener wurde von ihrer beider Familien rasch unterbunden. Später ging er auf den Strich. Es dauerte nicht lange, bis er auch schon mit dem Gesetz in Konflikt geriet. Anschließend schrieb er seinen ersten Roman, der ihn in den Shooting Star der Literaturszene verwandelte und ihm genug Geld verschaffte, damit er sich locker über Wasser halten konnte. In seinen Zwanzigern sammelte er alle möglichen Erfahrungen in der Schwulenszene. Nun war er an einem Punkt im Leben angelangt, an dem ihm die Ex-und-hopp-Mentalität der Schwulen und v.a. auch das Fehlen jeglichen Sinns in den Sexkontakten, die er locker haben konnte, anzuöden begann. Genau an dieser Stelle lernt René bei einem Urlaub auf Gran Canaria den 65-jährigen Schweden Kjell-Åke bei einem Sexkontakt kennen. Doch ungeplant entwickelt sich mehr daraus. Anfangs hält René die Beziehung vor seinen Freunden geheim, weil er ihr Unverständnis fürchtet und wohl selbst nicht ganz fassen kann, eine Beziehung zu einem so alten Mann zu haben (und gleichzeitig auch noch die frühere Promiskuität aufzugeben). Doch allmählich - mit jedem Besuch bei Kjell-Åke in Malmö - schöpft René mehr Vertrauen. Und eine gemeinsame Zukunft entweder in Berlin oder Malmö rückt in greifbare Nähe. Da stößt René bei einem Besuch auf Kjell-Åkes Schattenseiten. Anscheinend unterhält er nebenher (obwohl er Gegenteiliges behauptet) Sexbeziehungen zu anderen jüngeren Männern. Zunehmend entdeckt René an sich eine eifersüchtige Seite, die er so noch nicht an sich wahrgenommen hatte. Anfängliche Versuche, sich selbst über die eifersüchtigen Impulse hinwegzusetzen, schlagen fehl. Immer neue Heimlichtuereien, Lügen, Fehltritte von Kjell-Åkes Seite nagen an der Substanz ihrer Beziehung. Renés Vertrauen in seinen Partner schwindet zunehmend. Auch das Unverständnis von Renés Freunden trägt keineswegs zur Stabilität der Beziehung zu Kjell-Åke bei. Schließlich steht ihre Beziehung mehrfach auf der Kippe. Werden sie es schaffen? Mit sicherem Gespür für Gefühle hat Stephan Niederwieser hier einen Roman geschrieben, der sich mit einer weit verbreiteten Unfähigkeit schwuler Männer befasst - nämlich sich mit bestimmten Realitäten - wie hier der Liebe - zu stellen. Gleichzeitig zeigt er die hohen persönlichen Kosten, die es mit sich bringt, sich selbst und anderen - v.a. dem Partner - etwas vorzumachen, Lügengeschichten aufzutischen, die man irgendwann anfängt, selbst für bare Münze zu nehmen. (Jürgen empfiehlt, Winter Katalog 2005)
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