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James Baldwin: Giovannis Zimmer

James Baldwin: Giovannis Zimmer

Dt. v. Miriam Mandelkow. D 2020, 208 S., geb.,  20.56
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Inhalt
Mit Aufkommen der Black-Lives-Matter-Bewegung erlebt der schwule schwarze US-Autor James Baldwin nicht nur in den USA eine Renaissance. Sicherlich gilt er als einer der ganz großen Schriftsteller der USA im 20. Jahrhundert. Sehr oft thematisierte er in seinen Büchern Rassismus und Diskriminierung von Schwarzen - wie zum Beispiel in »Beale Street Blues« (vor kurzem erst verfilmt) und »Von dieser Welt«. Das und das Faktum, dass der Verlag dtv eine komplette Auflage seines Werkes in deutscher Neuübersetzung begonnen hat, sind sicher Gründe dafür, dass das Interesse an diesem herausragenden Autor der Harlem Renaissance und seinem Œuvre auch bei uns wieder gewachsen ist. »Giovannis Zimmer« passt da nicht so ganz ins Bild - es ist Baldwins »schwulstes« Buch, wenn auch nicht sein autobiografischstes. Es war eines der ersten schwulen Bücher, die ich je gelesen habe - es hat mich als Anfang 20-jährigen seinerzeit schwer beeindruckt. Heute gehört es zum schwulen Kanon.

David, ein junger Amerikaner, kommt in den 1950er Jahren nach Paris. Seine Verlobte ist gerade ohne ihn auf Spanienreise. David vertreibt sich die Zeit in der pulsierenden Seinemetropole, bis seine Zukünftige zurückgekehrt sein wird. Der Plan der beiden ist zu heiraten, sobald sie in die Staaten zurückgekehrt sein werden. Doch bis dahin ist noch einige Zeit. David ist unsicher und nutzt die Gelegenheit seiner Zeit in Paris, um sich zu vergewissern, ob er mit der Verehelichung das richtige tut.

Bald nach seiner Ankunft in Paris lernt er in einem Lokal den jungen Italiener Giovanni kennen, der dort an der Bar arbeitet. Die beiden jungen Männer sind sich auf Anhieb sympathisch und freunden sich an. Eines Tages lädt der Italiener David zu sich in seine bescheidenen vier Wände ein - Giovannis Zimmer - und schließlich haben die beiden dort Sex miteinander. Es bleibt nicht bei dem einen Mal und ihre Affäre dauert schon drei Monate an, als Davids Verlobte ihre Ankunft aus Spanien ankündigt.

Für den Amerikaner ist es das eigentlich gewesen. An eine Beziehung mit Giovanni verschwendet er keinen Gedanken mehr - eher überlegt er sich, wie er dem Geliebten einschenken soll, dass er in die USA heimkehren wird, und wie er sich am besten aus der Affäre ziehen kann. Doch David hat nicht mit Giovannis Gefühlen - der legendären Leidenschaft des Italieners - gerechnet. Giovanni ist über alle Ohren verliebt in seinen Amerikaner und malt sich mit ihm eine gemeinsame Zukunft - wenn nötig in Giovannis Zimmer - aus. Doch der leidenschaftliche Enthusiasmus des jungen Geliebten verstört den Amerikaner eher; ist ihm unheimlich - und er fragt sich, ob denn aus der Affäre überhaupt mehr werden kann, ob er sich an Giovanni binden möchte - steht David nicht zu sich und seiner Homosexualität. Er macht einen unfeinen Rückzieher, indem er ankündigt, in die USA zurückkehren und dort eine Frau heiraten zu wollen. Giovanni ist verprellt und verfällt dem Alkohol. Die Beziehung zerbricht. Und nach einer Weile, in der er nichts mehr von Giovanni gehört hat, erfährt David über Freunde und Bekannte, dass Giovanni in ein Eifersuchtsdrama verwickelt war und er nun eine Mordanklage am Hals hat. David ist sich keiner Schuld bewusst.

Baldwins »Beziehungsdrama« zeigt nicht nur, wohin es führen kann, wenn ein bindungsunfähiger Mensch mit einem Verliebten umgehen muss. Es geht auch um die Angst davor (typisch 50er Jahre), zur eigenen Homosexualität zu stehen, und stattdessen eine Alibiehe einzugehen. Ein Roman mit Impression des schwulen Paris in den 1950er Jahren.

(Jürgen empfiehlt - Winter-Katalog 2020/21)
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