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Toni Morrison: Selbstachtung

Toni Morrison: Selbstachtung

Dt. v. Thomas Piltz. D 2020, 368 S., geb.,  24.67
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Rowohlt
Inhalt
Toni Morrison ist im August 2019 verstorben und eines der zentralen Themenkomplexe in ihrem Œuvre war die lebenslange Auseinandersetzung mit dem Rassismus, die gerade jetzt in Folge der Vorkommnisse in den USA Trumps wieder wichtig geworden ist und ihrer Stimme weiteres Gewicht verleiht. Die Essaysammlung »Selbstachtung« versteht sich als ein Kompendium von Texten Morrisons zu umstrittenen gesellschaftlichen Fragen. Zeitlebens haben die großen Themenkomplexe die 1931 in Ohio geborene, spätere Anglistikprofessorin nie losgelassen. Sie thematisiert stark die Gewalt gegen Schwarze, die zu verschiedenen Zeiten in den USA immer wieder zu Tage tritt und virulent wird. Neben dem Rassismusproblem ging es ihr immer auch um Fragen der Assimilation in Zeiten der Migration, die Folgen des Kolonialismus für die USA, den Zustand und die Bewahrung der Menschenrechte (insbesondere ihre Unteilbarkeit) und im speziellen um Frauenrechte, für die sie mit Vehemenz eintrat. Morrison zeigt sich in ihren Essays, Reden und Schriften als eine hochgradig politische Frau mit einem sensiblen Gespür für gesellschaftliche Ungerechtigkeiten (insbesondere in Zeiten zunehmender sozialer, nach Hautfarbe diskriminierender Ungleichheit). Als Feministin versucht Morrison mit Macht ein Empowerment der Frauen voranzutreiben. Sie erkennt, wie stark die Benachteiligung der Frauen in den männerdominierten USA fortgeschritten ist und will dem durch Bewusstmachung entgegenwirken, wollen Frauen letztendlich nicht Gefahr laufen, in einer von Männern für Männer gemachten Gesellschaftsordnung einfach untergebuttert zu werden. In Folge ihrer wissenschaftlichen Arbeit und Karriere (sie studierte Anglistik und hatte an der Princeton University den Lehrstuhl für afroamerikanische Literatur inne) legt sie in ihrem Schreiben ein Augenmerk auf die Möglichkeiten der Kunst in der Gesellschaft. Immer wieder stellt sie die Frage nach der afroamerikanischen Präsenz in der US-Literatur. In anderen Essays lotet sie die Möglichkeiten der literarischen Fantasie aus ebenso die Kraft der Sprache. Ihr geht es um die Selbstachtung. Sie zeigt die Leerstellen in der US-Geschichte auf, die der jahrhundertelangen Unterdrückung der Schwarzen durch Weiße geschuldet sind - und auch die massiven (rassistischen) Vorurteile, die sich bis heute halten konnten. All das kulminiert in den zentralen Fragen ihres Werks: Was ist aus dem gesellschaftlichen Fortschritt geworden? Gibt es Hoffnung auf Besserung? Ihr Blick auf die innenpolitische Krise in den USA, die unter Trump den Höhepunkt erreicht hat, ist völlig unverstellt. Das Beklemmende an Morrisons Texten ist, dass sie auch heute noch aktuell sind. Vieles, was sie vor 30, 40 Jahren geschrieben hat, mag heute in einem anderen Kontext stehen, ist jedoch kaum weniger brisant als damals. Die Unterdrückung ist nicht überwunden und die Ungleichheit nimmt massiv zu - und das nicht nur in den USA. Insofern können wir uns in Europa nicht auf die Position zurückziehen, dass uns das nichts anginge, auch wenn bei uns vieles nicht so krass daherkommt wie in den USA. Auch wir müssen uns den Diskriminierungen, Vorurteilen, der Gewalt stellen. Morrisons Texte, die die sich klar dagegen stellen und für Fortschritt hin zu einer besseren Gesellschaft plädieren, können uns dabei helfen. Nicht zuletzt wegen der klaren Eleganz ihrer Sprache und der aufrechten Haltung hat Toni Morrison 1993 den Literaturnobelpreis erhalten und kann seitdem als eine der ganz großen US-Schriftstellerinnen gelten. Wer sich ein Bild von der Spannbreite des Denkens der Autorin machen möchte, derjenigen sei diese Essaysammlung ans Herz gelegt.
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