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Garth Greenwell: Was zu dir gehört

Garth Greenwell: Was zu dir gehört

Dt. v. Daniel Schreiber. D 2018, 240 S., geb.,  22.62
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Hanser
Inhalt
In einer öffentlichen Toilette des Kulturpalastes in Sofia lernt ein amerikanischer Lehrer beim Cruisen den Stricher Mitko kennen. Aus einer Nummer in einer der Kabinen wird bald eine Obsession. Ob es für den Amerikaner Liebe, sexuelle Abhängigkeit, Zuneigung oder die Anziehung des Unheimlichen ist – alles scheint möglich, wie ein Vexierbild schlägt die eine Wahrnehmung in die andere um. Was Mitko für ihn empfindet bleibt ebenso ungreifbar: Für den Sex nimmt er Geld, jedoch gibt es immer wieder Momente zärtlichster Nähe. Die Beziehung der beiden kippt schließlich während eines gemeinsamen Urlaubs am Schwarzen Meer, Mitkos Gewaltausbruch bedeutet für den Amerikaner, dass es nur die Trennung geben kann. Einige Monate später taucht Mitko gleichwohl wieder auf: Er hat Syphilis und befürchtet, seinen amerikanischen Freund angesteckt zu haben; außerdem braucht er Geld für die Medikamente. Tatsächlich ist auch der Amerikaner infiziert, in Bulgarien an wirksame Medikamente zu kommen, erweist sich als schier unlösbare und demütigende Aufgabe. Durch die Infektion einander wieder nähergebracht, beginnt das alte Spiel von unwiderstehlicher Anziehung, Nähe und abrupter Abgrenzung von neuem. – Garth Greenwell erzählt diese spannungsreiche Geschichte ausschließlich als sich erinnernder Ich-Erzähler. Dabei nennt er seinen eigenen Namen nie, bettet konsequent Gesprochenes in den erinnernden Gedankenfluss ein und trägt diesen in langen, kunstvollen Satzperioden vor. So erscheint der Roman einerseits als geschliffen ausgearbeitete Bekenntnis-Literatur. Doch zugleich gibt es eben auch eine packende Geschichte, die mitunter ereignisreich-spannend, zuweilen erotisch aufgeladen ist. Aus dem innerlichen, zum Nachdenken einladenden Text wird so immer wieder auch ein flotter Page-Turner. Dieses sprachlich-literarische Verfahren wiederholt sich auch in der Anlage des Romans und der Erzählführung: Den Kapiteln mit dem Stricher Mitko stehen die Passagen über Kindheit und Familie gegenüber – und gerade im Schlusskapitel, in dem der Erzähler mit seiner Mutter von der bulgarischen Schwarzmeerküste mit dem Zug ins Landesinnere fährt, ist Garth Greenwell eine der intimsten, zartesten und dabei zugleich anschaulichsten Darstellungen von schwuler Kindheit und dem Erwachsenenverhältnis eines schwulen Mannes zu seiner Mutter gelungen, indem er die Erinnerung an der Beobachtung einer mitreisenden Mutter mit Kind spiegelt.
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