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Nuruddin Farah: Jenes andere Leben

Nuruddin Farah: Jenes andere Leben

Dt. v. Susann Urban. D 2016, 383 S., geb.,  25.65
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Suhrkamp
Inhalt
Ein packender Roman über eine lesbische Mutter aus Afrika. Valerie hat ihren Mann Aar schon vor Jahren verlassen, um mit Padmini, der Frau ihres Lebens, zusammen zu sein. Aar arbeitete für die UNO und war an vielen Orten Afrikas eingesetzt, die gemeinsamen Kinder Salif und Dahaba leben bei einer Gastfamilie in Nairobi und gehen dort zur Schule. Als Aar einem Attentat in Mogadischu zum Opfer fällt, gerät diese Konstellation aus den Fugen. Denn Valerie ist keine einfache Frau. Bislang schien sie eher egoistisch und nur darauf fixiert, mit ihrer Freundin zusammenzusein, zu den Kindern und zu Aar hatte sie nur über ihre Mutter Kontakt. Als sich aber nach Aars Tod dessen Schwester Bella, eine erfolgreiche Fotografin aus Rom, um die Kinder kümmern will, ist auch Valerie mit ihrer Freundin Padmini zur Stelle; jetzt will sie ihrer Aufgabe als Mutter nachkommen, um die sie sich so lange nicht geschert hatte. Bella fliegt nach Nairobi, dort treffen alle aufeinander. Der Machtkampf, der zwischen Bella, Aars Schwester, und Valerie, der Mutter der Kinder, geführt wird, ist auf völlig unerwartete Weise eine der interessantesten Geschichten, die ich seit langem gelesen habe. Keineswegs geht es nämlich nur darum, ob eine biologische Mutter die bessere sei und darum Vorrang habe, auch wenn sie sich sonst noch nie gekümmert hat. Denn auf dem Hintergrund der Auseinandersetzungen werden die unterschiedlichsten Erfahrungen und kulturellen Einstellungen deutlich, die hinter den immer wieder auch unerwarteten Reaktionen in dieser Familie stehen. Dass Valerie dabei gerade als Lesbe den schwierigsten und kompliziertesten Charakter hat, macht den Roman noch viel spannender. Der Roman ist außerdem durchgängig in der Gegenwart gehalten, was der Erzählung eine seltsame Dringlichkeit, ja oft Atemlosigkeit verleiht. Aus der Auseinandersetzung zwischen zwei Frauen wird dabei rasch ein Familienkonflikt in ganz besonderer Konstellation, in der nur Frauen aktiv werden: Allen voran Padmini, Valeries Freundin, die klar sieht, dass die Beziehung brüchig ist, Valerie sprunghaft ist und auch immer wieder Affären mit anderen Frauen hat. Gunilla ist Aars letzte Geliebte in Nairobi, sie hat er auch mit allen Vollmachten für den Fall seines Todes ausgestattet - jetzt ist sie in eine eigenartige Vermittlungsrolle geraten. Und vor allem sind da natürlich die beiden Kinder, um die es geht. Auch sie haben zu ihrer Mutter ein kompliziertes Verhältnis. Zwar lehnen sie sie nicht pauschal wegen ihrer Homosexualität ab, sind aber doch sehr gekränkt, dass ihnen Valerie zunächst weismachen wollte, Padmini sei eine schwesterliche Freundin. Ein kluger, dialogreicher Roman über lesbische Liebe, Solidarität, Familie und Verantwortung auf einem Kontinent, der Schwul- oder Lesbischsein zumeist ächtet, wenn nicht sogar mit harten Strafen bedroht.
(Veit empfiehlt - Herbst 2016)

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