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Audre Lorde: ZAMI - Eine neue Schreibweise meines Namens

Audre Lorde: ZAMI - Eine neue Schreibweise meines Namens

Eine Mythobiografie. Dt. v. Karen Nölle. D 2012, 325 S., Broschur,  18.50
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Unrast
Inhalt
Vor vielen Jahren hat mich dieses Buch schon einmal berührt und begeistert. Und da es nun nach langer Zeit wieder in einem anderen Verlag veröffentlicht wurde, möchte ich diesen Roman möglichst vielen Leser_innen ans Herz legen. »Zami« ist Audre Lordes Biografie ihrer Kinder- und Jugendzeit und des Erwachsenwerdens. Sie nannte es Mythobiografie, weil es autobiografische, mythologische und historische Elemente miteinander verbindet. Der Roman berührt mich so stark, weil Audre Lorde so eine besondere Frau war, die ich zum Glück bei ihren Berlin Besuchen immer wieder in Begegnungen und Gesprächen erleben durfte. Und ich kenne niemand, die so authentisch das gelebt und ausgestrahlt hat, was sie in ihren Texten und Reden als Anspruch und Erwartung an sich und andere formuliert hat. Und der Roman begeistert mich, weil es ihr gelungen ist, diese schwierige Kindheit, die rassistischen Diskriminierungen und diese bewegten Jahre der McCarthy Ära, in einer poetischen Sprache zu vermitteln, die emotional und intelligent zugleich ist.
Audre wuchs auf in New York, Harlem mit zwei Schwestern und Eltern, die aus Grenada/Karibik eingewandert sind. Sie war klein fast blind und lernte doch lesen noch bevor sie in die Schule kam. Ihre Mutter spielte eine starke Rolle für sie, die eine außergewöhnliche schwarze Frau war, stark und selbstbewusst, aber auch unerbittlich und streng. Die ersten Kapitel erleben wir aus der Sicht dieses oft einsamen und eigenwilligen Mädchens, die gleichzeitig ein beeindruckendes Dokument des rassistischen Amerikas sind, während in Europa der Zweite Weltkrieg begann. Nach dem Selbstmord der besten Freundin, der erste Mensch in ihrem Leben, den sie bewusst liebte, verlässt die siebzehnjährige Audre schließlich das Elternhaus und befreit sich von ihrer Mutter. Wir entdecken ein lebendiges New York, in dem die junge lebenshungrige Frau ihre Eigenständigkeit behauptet und sich in der lesbischen Subkultur wiederfindet. Diese ist jedoch weiß, rassistisch und elitär, so dass die Schwarze Community für ihre Identität als Schwarze Lesbe immer bedeutender wird. Beim Lesen habe ich mich auch an meine eigene Jugend und Studentenzeit erinnert und war begierig, mehr über diese Zeit in USA zu erfahren, wie z.B. die hysterische Kommunistenhatz der Regierung, und auf der anderen Seite das Komitee zur Befreiung der Rosenbergs, die 1953 hingerichtet wurden. Und natürlich war es nicht einfach in dieser Zeit andere Lesben zu finden, und so erfahren wir einiges über die Clubs und Treffs der 50er Jahre, die alle weiß dominiert waren. Ich liebe diesen Roman auch, weil er auf wunderbare Weise mir die Augen öffnete für eine feministische Geschichtsschreibung, die mir bis dahin völlig unbekannt war. Audre war jung, schwarz, lesbisch, hatte viele Freundinnen, und hat die Unterschiede und scheinbaren Gegensätze für sich als Stärke entwickelt und erlebt. Auf Carriacou bedeutet Zami ein Name für Frauen, die als Freundinnen und Geliebte zusammenarbeiten. Das war für Audre Lorde immer ihre gelebte Vision!

(Ilona Bubeck empfiehlt - Herbst 2013)

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