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Karen-Susan Fessel: Bronko, meine Frau Mutter und ich

Karen-Susan Fessel: Bronko, meine Frau Mutter und ich

D 2014, 224 S., Broschur,  15.32
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Querverlag
Inhalt
Karen-Susan Fessel hat eine Komödie geschrieben – endlich, denn neben all den vielen ernsthaften Themen ihrer bisherigen Romane zog sich das Motiv von Butch-Femme durch alle ihre Geschichten und verlangte gerade danach, von ihr selbst einmal ironisch aufgegriffen zu werden. Mai-Britt hat es nicht leicht. So erfolgreich, wie sie beruflich ist, so wenig Glück hat sie beim Thema Liebe oder gar Beziehung. So zupackend, wie sie durchs Leben geht, so zaghaft, ja geradezu umständlich um nicht zu sagen: tollpatschig stellt sie sich an, wenn es darum geht, eine Frau zu umwerben oder wenigstens einmal anzugraben. Wie viele (alle?) Mütter von Lesben und Schwulen kann auch Mai-Britts Mutter nicht akzeptieren, dass ihre Tochter jemals erwachsen wird. Doch Mai-Britt kann sich ihrer dominanten Mutter kaum entziehen, sobald sie in ihrer Nähe ist, folgt sie dem mütterlichen Ruf zur Mahlzeit ebenso wie der Aufforderung zum gemeinsamen Kartenspiel – das Mai-Britts Mutter der zu erhaltenden guten Laune wegen auf gar keinen Fall verlieren darf. Ein Fixpunkt in Mai-Britts Leben ist ein schwules Paar, das einen Gnadenhof für Tiere betreibt. Ausgesetzte Hunde, ungeliebte Katzen und viele andere Tiere, die dem allgemeinen Ach-wie-süß-Schema nicht entsprechen, bevölkern den mit Spendengeldern betriebenen Hof von Hermann und Gert, bis sich doch noch jemand findet, der den verstoßenen Wesen eine neue Heimat gewährt. Hier findet Mai-Britt Bronko, einen abgrundtief hässlichen Hund, in dem sie den passenden neuen Gefährten ihrer Mutter erkennt. Kurz entschlossen nimmt sie Bronko mit und übergibt ihn ihrer Mutter zur Obhut. Zuvor soll Bronko noch vom örtlichen Tierarzt durchgecheckt und gegebenenfalls geimpft werden. Doch der ist gerade in Urlaub und anstelle des älteren, angestaubten Herrn wird Mai-Britt von der sagenhaften Schönheit und dem überwältigenden Charme einer Frau Dr. Frei empfangen. Natürlich schafft es Mai-Britt erst im zweiten Anlauf nach einigen Tagen und mit gutem Zureden, wieder in der Praxis aufzutauchen, um die schöne Unbekannte zu einem Date zu bitten. Doch die ist bereits zurück in ihre Heimat, die Schweiz gefahren, wo sie ein kleines Unternehmen betreibt, das Agility-Workshops für Hunde anbietet. Bronko erfüllt zwar die Vorraussetzungen für diese Workshops nur sehr ungefähr und Mai-Britts Mutter besteht darauf mitzukommen, schließlich sei sie die eigentliche Halterin Bronkos, doch all dies hält Mai-Britt nicht davon ab, einen Workshop zu buchen und mit Hund und Mutter in die Schweiz zu fahren. Alles nur um sie zumindest wiederzusehen oder sogar für sich zu gewinnen: Frau Dr. Frei – das nicht nur sprachlich-rhytmische Mantra des Buches, das die sich entspinnende Reisekomödie mit Hund und Mutter immer wieder erdet und auf ihren pathetischen Anlass zurückführt. Denn es wird immer wieder turbulent oder peinlich komisch oder beides, weil entweder Bronko oder Mai-Britts Mutter genau das Gegenteil von dem tun, was Mai-Britt gerade für angemessen hält und sie beständig vom eigentlichen Zweck ihrer Reise abzubringen scheinen. Dass die beiden Weggefährten jedoch genau diejenigen sind, die sie ihrem Ziel erst richtig näher bringen, wird Leser und Leserin schnell, Mai-Britt freilich erst nach und nach klar – eine fast schon klassische Bajazza, die sich aus eigener Kraft vergeblich abrackert und nur durch die Fallstricke ihrer zahlreichen Missgeschicke doch noch zum glücklichen Ende gelangt. Karen-Susan Fessel hat mit dieser Komödie das zu Papier gebracht, wovon ihre Lesungen immer schon lebten: Sie baut einen Spannungsbogen auf, den sie zur allgemeinen Erheiterung mit ironischen oder witzigen Pointen spickt und setzt am Ende einen Kontrapunkt, der regelmäßig in der Erinnerung an ein ernstes Thema als Wiederholung oder als Sentenz vorgetragen wird. In ihren bisherigen Büchern war freilich dieses Thema ein wirklich ernstes, immer wieder ging es um Verlust, zuletzt in »was du willst« war Sehnsucht das Motiv, das sich durch den durchkomponierten Roman zog. Doch jetzt ist das kontrapunktisch-ernsthafte Thema, das die burleske Handlung durch einen besinnlichen Stop immer wieder unterbrechen und dadurch dem Roman eine zielgerichtete Dramatik geben soll, seinerseits schon komisch. Denn die fixierte Besessenheit Mai-Britts auf eine Frau, der sie ein einziges Mal begegnet ist, erinnert eher an die Tollheiten einer Zwölften Nacht, denn an die romantische Liebe, die sie vorgibt zu sein. Und so wird aus dem immer wiederholten Schluss-Seufzer »Frau Dr. Frei« ein hypnotischer Zauberspruch, der beim Lesen die wohlverdiente Entspannung nach einer mitreißenden Episode von Irrungen und Wirrungen verspricht. Ein ganz großer Spaß!
(Veit empfiehlt - Sommer 2014)
Dieser Querverlag-Titel ist auch erhältlich als:
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Taschenbuch, € 15.32
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