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Lilian Faschinger: Die Unzertrennlichen

Lilian Faschinger: Die Unzertrennlichen

Ö 2012, 319 S., geb.,  20.46
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Inhalt
Eigentlich sind Sissi und Emma ein glückliches lesbisches Wiener Großstadt-Paar, freilich sind sie noch nicht allzu lange zusammen. Ihre Aktivitäten beziehen und beschränken sich auf das städtische Leben, von ihrer Vergangenheit haben sie sich beide so gut wie nichts erzählt. Durch den plötzlichen Tod ihres Vaters holt Sissi ihre steirisch-ländliche Vergangenheit und eine fast vergessene Studienkameradschaft wieder ein, denn auf der Beerdigung ihres Vaters trifft sie Stefan wieder, mit dem sie zusammen mit ihrer Jugendfreundin und ersten Geliebten Regina während des Studiums ein unzertrennliches Trio bildete. Stefan und Regina hatten dann geheiratet, galten als das ideale Paar und waren in das Dorf gezogen, in dem Sissi aufgewachsen ist. Während eines Urlaubs auf der italienischen Insel Procida war Regina dann vor zwei Jahren spurlos verschwunden, alles schien auf einen tödlichen Badeunfall hinzudeuten. Sissi fühlt sich von Stefan angezogen, doch Regina nimmt immer noch einen unerklärlich bestimmenden Platz in Stefans Leben ein – sein Haus gleicht einem Museum für die vermutlich Tote. Sissi findet es außerdem erstaunlich, dass Stefan fast keine Details über Reginas Verschwinden berichten kann, noch merkwürdiger erscheint ihr, dass er offenbar keine größeren Anstrengungen unternommen hat, mehr als das Nötigste über alles in Erfahrung zu bringen. Darum beschließt Sissi, eine Woche auf Procida zu verbringen und dem mysteriösen Verschwinden ihrer Freundin auf den Grund zu gehen. Tatsächlich findet sie etliche neue Spuren und Hinweise, doch erst nach Österreich zurückgekehrt fügt sich alles zu einem schrecklichen Verdacht, der Sissi zuletzt in Lebensgefahr bringt. – Lilian Faschingers neuer Roman ist eine Mischung aus Thriller und Satire. Die spannende Entwicklung vom anfänglichen Misstrauen, einem eher vagen Gefühl, dass sich immer mehr zu einem Verdacht verdichtet, wird in der Romanerzählung effektvoll mit der Schilderung der ländlichen Bevölkerung der Steiermark und Süditaliens kontrastiert. Dass diese Landbevölkerung in ihrer unguten Mischung aus Aberglauben, Katholizismus, Sexismus und Nazitum nicht gut wegkommen kann, versteht sich von selbst. Fast schon wie Karikaturen erscheinen Sissis Großmutter, »die katholische Hexe«, der polnische Pfarrer, und die Feuerwehrleute des Dorfes. Doch das Satirische in Lilian Faschingers Roman ist nicht nur amüsanter Selbstzweck, denn nur vordergründig wird die Landbevölkerung lächerlich und rückständig vorgeführt. Die eigentlich lächerliche Figur ist nämlich in Wahrheit Sissi selbst. Sissi hat auf dem Land nichts verloren, schlimmer noch, sie hat dem ewig gestrigen Treiben nicht viel entgegenzusetzen, denn sie ist geblendet: Sie erkennt nicht die guten Dinge zuhause, sondern himmelt italienische Lebensweise an. Dass freilich Italien genauso abstoßend sein kann wie ihre Heimat, deftiges steirische Hausmannskost genauso als Delikatesse gegessen werden kann wie ein vermeintlich exklusives italienisches Gericht, diese ebenso einfache wie wahre Sicht ist ihr verschlossen. So treibt sie von einer Fehleinschätzung zur nächsten, ruiniert ihre Beziehung zu Emma, dass sie letztlich überlebt, verdankt sie einem Zufall. So ist der Roman ein geschicktes Changierspiel mit sehr viel mehr Subtilität als die ersten fast klamaukhaften Kapitel erwarten ließen. (Veit empfiehlt, Herbst Katalog 2012)
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