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Sabine Bernardi (R): Romeos - anders als du denkst!

Sabine Bernardi (R): Romeos - anders als du denkst!

D 2011, OF, 94 min.,  16.99
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Pro-fun
Inhalt
Das ist die Geschichte von Lukas. Er kommt aus der deutschen Provinz und hat gerade sein Coming-out als Frau-zu-Mann-Transsexueller gegenüber seiner Familie hinter sich gebracht, auch wenn der ganze Prozess der Mannwerdung für ihn und die Behörden noch lange nicht abgeschlossen ist, er selbst in diesem neuen, selbst gewählten Leben sogar noch etwas unsicher ist - er ist schon mal einen Schritt weiter. Als er nach Köln kommt und im Schwesterntrakt eines Wohnheims untergebracht wird, lösen sich seine Probleme (vor allem mit sich selbst, aber auch mit seiner Umgebung) noch lange nicht in Luft auf. Lieber wäre er im Männertrakt untergebracht, wo er - wie er findet - eigentlich hingehört. Aber die Heimleiterin kann seinem Wunsch einfach nicht entsprechen, solange seine Dokumente nicht geändert sind und er auf dem Papier noch ein »Mädchen« ist. Dabei wäre es Lukas egal, welch proletenhafte, machistische Typen im Männerheim herumhängen. Er will endlich als »normaler« Mann gesehen und anerkannt werden. Dafür tut er, was er kann. Er trainiert sich wie ein Berserker Muskeln an, misst täglich seine kritischen Stellen (zu große Brüste, zu dicker Hintern, zu viel Hüftspeck). Jedes Indiz von Männlichkeit wie sprießender Bartwuchs wird stolz registriert. Doch die Verwandlung kann ihm nicht schnell genug gehen. Am liebsten würde er sich eine Überdosis Hormone spritzen lassen - nur, damit er das Weibliche an sich nicht mehr anschauen muss. Dabei merkt Lukas gar nicht, wie sehr sich sein Wesen schon vermännlicht hat und wie sehr er sich isoliert hat von seiner Umgebung. Zu spüren bekommt das vor allem seine beste (und lesbische) Freundin Ine, die Lukas von früher her noch kennt, die aber nun auch hier im Schwesterwohnheim untergebracht ist und die Lukas am liebsten von seinem Männlichkeitswahn abbringen möchte, da sie eigentlich in das Mädchen verliebt ist, das er mal war, und nichts mit dem verschlossenen, unsensiblen Kerl anfangen kann, in den er sich zunehmend verwandelt, ohne es selbst richtig zu merken. Auf seinen Streifzügen durch das schwullesbische Kölner Nachtleben trifft Lukas auf den attraktiven Macho Fabio, der auf Jungs steht, aber alles tut, um ja nicht zugeben zu müssen, dass es so ist. Bei seinen Kumpels spielt er den großen Heteromacker, den man das Schwulsein nie und nimmer ansehen würde. Und doch bahnt sich zwischen Lukas und Fabio etwas an - doch Lukas hat ein Problem: Fabio darf nicht hinter sein großes Geheimnis kommen. Und so kommt es zu beklemmenden Situationen, wenn Lukas am Badestrand seine Sachen trotz Hitzewelle - was lächerlich aussieht - nicht ausziehen will, weil er sonst sofort auffliegen würde und Angst hat, Fabio dadurch zu verlieren. Fabio wiederum hält Lukas für einen Spinner und schmeißt ihn ins Wasser, was dieser vollkommen in den falschen Hals bekommt und zu Stress führt. Dennoch ermuntert ihn Fabio laufend, doch endlich etwas entspannter zu sein. Bei Lukas bewirkt all das nur, dass die inneren Spannungen sich verstärken und dass er seine Mannwerdung noch weiter vorantreibt. Mehr Hormone! Seine Dokumente endlich umschreiben lassen! Endlich raus aus dem Schwestertrakt und hinein in den Männertrakt! Noch mehr Bodybuilding! Dieser Film von Sabine Bernardi behandelt auf sehr eindringliche und doch nicht spröde Art die Leiden eines jungen Frau-zu-Mann-Transsexuellen. Man erfährt viel über die Psychologie eines solchen Transgenders, der mit sich selbst ringt und versucht, alles Weibliche an sich abzustreifen, um irgendwann - möglichst bald - ganz Mann zu sein. Die Figur des Lukas wird mit allen Facetten des inneren Gefühlschaos sehr glaubwürdig von Rick Okon gespielt. Auch die androgyne Ambiguität sieht an seinem Leib recht überzeugend aus (dank Tricktechnik) - mit aller Kraft versucht er den Jungen in sich wie nach einem Verpuppungsprozess aus sich herauszuquetschen. Jedes weibliche Feature an ihm versetzt ihn in Panik und beschwört neue qualvolle Stunden mit Hanteltraining herauf. In seiner Figur treffen Identitätssuche, das Erwachen erster Gefühle - überhaupt ein Gefühlschaos - sowie das Aufkeimen der Sexualität aufeinander. Der Film spinnt auch ein entzückendes Beziehungsgeflecht - auf der einen Seite die Lesbe Ine, die mal in Lukas verliebt war, aber nun - da er sich in einen unausstehlichen, wechselmutigen jungen Mann verwandelt - den Bezug zur ehemaligen besten Freundin verliert, auf der anderen Seite der machistische Jungschwule Fabio, der zwar so tut, als würde er auf Mädels stehen, der in Wirklichkeit aber hinter Kerlen her ist und nun bereit wäre, sich auf Lukas einzulassen, aber nicht wissen darf, dass Lukas kein vollständiger Junge ist - und Lukas irgendwie dazwischen ist hilflos, weiß nicht, wie er seine Probleme lösen soll. Ein Teil des Problems ist die bürokratische Sperrigkeit des Systems: für die Behörden gibt es nur männlich oder weiblich - für Menschen dazwischen wird keinen Platz gelassen. Lukas wird nicht zugestanden frei zu wählen, sondern er wird seinen Dokumenten gemäß in eine Schublade gepresst, ob es ihm nun passt oder nicht. Die Behörden zementieren dadurch Lukas‘ Außenseitertum ein - in einem Moment, in dem er eigentlich Unterstützung bräuchte. Eine besondere Qualität des Films sehe ich darin, dass er - man hätte ein tränenreiches Drama daraus machen können - dennoch eine gewisse Leichtigkeit besitzt. Die Jungs und Mädels durchstreifen die Kölner Szene, besuchen Parties, gehen Baden an den See, flirten, haben einfach auch Spaß. Neben einer Intimität, die die Kamera einfängt, bekommt der Film dadurch etwas Amüsantes und wirkt real: wie im richtigen Leben haben auch anrührende Momente manchmal etwas Komisches an sich. (Jürgen empfiehlt, Herbst Katalog 2012)
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