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Ivan E. Coyote: Als das Cello vom Himmel fiel

Ivan E. Coyote: Als das Cello vom Himmel fiel

Dt. v. Andrea Krug. D 2011, 224 S., geb.,  20.46
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Krug und Schadenberg
Inhalt
Eigentlich ist »Als das Cello vom Himmel fiel« ein Klischee-Roman, so etwas mag ich gar nicht so gerne – und doch hat er mir gut gefallen, denn die völlig unrealistische und utopisch-kitschige Grundannahme, dass nämlich alles möglich ist, was der Mensch sich nur ernsthaft vornimmt, für einen Roman darüber, wie ein Hetero Lesben wahrnimmt, setzt nicht bei den Klischees an, die sagen: »Schaut her, so sind wir in Wahrheit«, sondern den Erwartungen: »So wollen wir, dass ihr mit uns umgeht.« – Joey ist gerade von seiner Frau Ally verlassen worden, die jetzt im nahen Calgary mit ihrer Freundin Kathleen offen lesbisch lebt. Joey ist deprimiert, Freunde und Verwandte raten ihm dringend, sich ein Hobby zuzulegen, damit er auf andere Gedanken kommt. Durch einen Tauschhandel kommt der Automechaniker unverhofft zu einem Cello und beschließt kurzerhand, Unterricht zu nehmen. Weil dies wohl nur in Calgary möglich sein wird, packt Joey Allys letzte Habseligkeiten ein, die noch bei ihm geblieben sind und fährt in die Stadt. Das Treffen mit Ally und Kathleen verläuft völlig unerwartet – alle schätzen sich, und die beiden Frauen machen Joey ein Angebot, das ihm seinen größten Wunsch erfüllen würde. – Schon beim Erscheinen der englischen Originalausgabe wurde kritisiert, dass Joey zwar nicht verstehen kann, warum Ally ihn verlassen hat, er ihr gegenüber aber keinen Groll hegt und ihr immer noch respekt- und liebevoll gegenüber tritt. Übertriebene political correctness sei dies. Doch das ist allzu vordergründig geurteilt. Denn oberflächlich gesehen ist alles an der Geschichte vollkommen unwahrscheinlich, ausgedacht und an den Haaren herbei gezogen. Ein Automechaniker, der nichts außer seiner Arbeit kennt (außer vielleicht alle Jahre einmal Fischengehen) tauscht einen Gebrauchtwagen gegen ein Cello ein, mag dieses mit über 40 Jahren spielen lernen und kann ohne Anleitung auch schon ein paar Takte mit Radiomusik mitspielen. Völlig jenseitig. Doch darum geht es in Wahrheit bei vielen Hoffnungen: Das völlig Abwegige zu wagen oder sich vorzustellen – und, wie im Fall dieses Romans von Ivan E. Coyote, davon zu erzählen. Das ist nämlich das spannende an dieser Klischee-Geschichte: es sich erzählen zu lassen, und sich nicht auf den allzu leichten Abwehr-Reflex einzulassen: »So ist es ja gar nicht, das ist doch alles glatt gebügelt.« Natürlich ist die Negativ-Bestimmung (»Ich bin anders«) für Lesben und Schwule ein zentraler Punkt der Selbstwahrnehmung. Doch darf diese Haltung uns nicht von unseren Hoffnungen abhalten und uns den Blick auf positive Utopien verstellen. Insofern ist »Als das Cello vom Himmel fiel« nicht nur eine schöne Geschichte, sondern auch Anlass, sich zu fragen, ob nicht doch ein Stück heile Welt schön wäre – auch wenn sie dann kitschig und (igitt) politically correct ist. (Veit empfiehlt, Sommer Katalog 2011)
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