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Sacha Sperling: Ich dich auch nicht

Sacha Sperling: Ich dich auch nicht

Dt. v. Carina v. Enzenberg. D 2012, 212 S., Pb,  9.24
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Piper
Inhalt
Sacha ist 16, Spross eines liberalen Hippie-Paares. Er wächst bei seiner Mutter auf, sein Vater hat – wie viele ehemalige Linke seiner Generation – die Seiten gewechselt und ist ebenso erfolgreicher Unternehmer wie spießig-etablierter Familienvater mit einer anderen Frau. Geldsorgen kennt Sacha dank seines zahlenden Vaters keine. Zwar ist er intelligent, so dass ihm die Schule keinerlei Schwierigkeiten bereiten dürfte. Doch Sacha hat Augustin kennen gelernt und gleitet in eine geradezu obsessive Abhängigkeit hinein. Anfangs geht es nur ums gemeinsame Abhängen, es fließt viel Alkohol, Partydrogen nehmen sie genauso selbstverständlich, wie sie beide ständig kiffen. Sacha empfindet eine Mischung aus Faszination und Verliebtsein für Augustin, aber für intensivere Gespräche über Gefühle ist Augustin nicht zu haben. Im Gegenteil, er stößt Sacha eher von sich, behandelt ihn schlecht und verletzt ihn immer wieder ganz gezielt. Ihre Beziehung lädt sich immer mehr sexuell auf, sie übernachten in einem Bett, nackt, was Sacha fast zum Wahnsinn treibt. Augustin scheint aber nur ans Flachlegen von Mädchen zu denken und Sacha versucht zunächst mitzuhalten, um wenigstens irgend etwas zu haben, das er mit Augustin teilen kann. Doch dann will Augustin tatsächlich Sex mit Sacha – Sacha ist Augustin, der ihn weiterhin immer wieder demütigt, endgültig verfallen, vernachlässigt alles, versagt völlig in der Schule und wird zum Party- und Drogenjunkie. - »Ich dich auch nicht« besticht durch die präzise Schilderung eines Jugendlichen, der keinen Halt findet. Dabei ist der Roman deswegen spannend, weil dieses Keinen-Halt-Finden zwar im erwartbaren Rahmen eines wohlhabenden Jugendlichen stattfindet, Sachas Obsession sich aber gerade nicht den üblichen Standards eindeutig zuordnen lässt. Einerseits scheint Sacha Sehnsucht nach Liebe und natürlich Geliebt-Werden zu haben; doch von romantischen Anwandlungen ist er andererseits völlig frei. Zwar ist der Sex mit Augustin eindeutig sowohl körperlich als auch seelisch für ihn die Erfüllung, andererseits sieht er Sex durchaus pragmatisch und schläft sich auch ganz gern durch die Betten. So ist es auch nicht das (im Übrigen völlig fehlende) psychologisierende Suchen nach den Gründen, sondern das kühle Protokoll seines Verfalls, das einen beim Lesen vereinnahmt. Gerade weil Ursachen oder gar Schuldige gar nicht gesucht werden, erscheint der Autor nicht als verzogenes Bürschchen, das einfach zu viel Geld und zu wenig Alltagsprobleme hat. Sachas demütigende Obsession für Augustin und sein unkontrolliertes Abgleiten rührt ihn selber zu keiner Gemütsregung, bestenfalls kann er sich zur Feststellung durchringen, dass das einzig Unerträgliche der Umstand ist, dass nichts unerträglich ist – beeindruckend glaubwürdig. (Veit empfiehlt, Sommer Katalog 2011)
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