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Scud (R): Amphetamin

Scud (R): Amphetamin

VRC/ Hongkong 2010, engl.-chines.OF, dt.UT, 97 min.,  16.99
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Pro-fun
Inhalt
Seit einiger Zeit hagelt es neue schwule Filme aus dem Fernen Osten. Drei Nationen tun sich dabei besonders hervor: die Philippinen, Thailand und Hongkong. Die Produktionen aus Hongkong bestechen dabei durch ihre außergewöhnliche Qualität und ihre durchaus westliche Anmutung. Dies gilt besonders für die beiden neuen Filme des hongkongchinesischen Regisseurs Scud: »Amphetamin« und »Permanent Resident« - die beide gespickt sind mit Anspielungen auf Pedro Almodóvar und damit beide den modernen spanischen Film mehr als nur zitieren. Ein Film wie »Amphetamin « muss auch den Vergleich mit westlichen Filmen nicht scheuen. Anders als manche schwule Filme aus Thailand oder Südkorea folgt Scuds »Amphetamin« weniger den Konventionen der landesüblichen Filmsprache, sondern lehnt sich mehr an den europäischen Stil des Filmemachens an. Das macht den Film für uns westliche Zuschauer zunächst leichter verdaulich als seine konventionelleren Pendants. Schwer zu sagen, wie dieser Film in seiner Heimat rezipiert wird. Das schmälert seine Wirkung auf den Zuschauer jedoch nicht. »Amphetamin« ist die Geschichte zweier junger Männer, die aus geradezu diametral gegensätzlichen Welten stammen, sich begegnen und sich trotz des verschiedenen Backgrounds zueinander hingezogen fühlen, quasi füreinander bestimmt sind: Daniel ist ein junger Banker, der sich überall auf der Welt - dank voller Konten - heimisch fühlen kann und nun mit schnittigem Schlitten Hongkong unsicher macht - es könnte genauso gut Sydney, Singapur oder London sein. Er ist es gewohnt, dass er bekommt, was er will, und ist selbstbewusst genug, dass Schwulsein für ihn absolut kein Problem darstellt. Kafka dagegen ist ein junger Mann aus einfachen Verhältnissen, der noch nie aus Hongkong herausgekommen ist und der sich und seine Mutter mit Jobs - meist als Fitnesstrainer oder Gelegenheitsstricher - über Wasser hält. Er fürchtet, dass es seine Mutter nicht verkraften würde, wenn sie mitbekäme, dass er sich zu Männern hingezogen fühlt. Richtig Sex mit Männern zu haben - und das gilt auch für eine Affäre mit Daniel - traut er sich nicht wirklich. Denn der einzige homosexuelle Kontakt, den er bisher hatte, war eine üble Gangbangvergewaltigung, die er nur knapp lebend überstand. Er wollte einer jungen Frau zu Hilfe kommen, die von einer Gruppe junger Männer belästigt wurde. Sie konnte fliehen, aber Kafka fiel den Kerlen in die Hände, die ihn nun einer nach dem anderen brutal vergewaltigten. Dieses Trauma beschäftigt Kafka auch lange Zeit später noch. Zum Teil will er seine beunruhigte Seele mit Amphetamin ruhig stellen. Inzwischen ist er von der Droge abhängig geworden, kann sich fast nur noch aufrecht halten, indem er es ständig einnimmt. Als Folge verliert er den Bezug zur Realität, wird von surrealen Alpträumen und Visionen heimgesucht. Mit dem Schwulsein tut sich Kafka dementsprechend schwer, verspürt aber eindeutig die Anziehung, die von Daniel ausgeht. Auch beeindruckt ihn die mondäne, elegante Art von Daniel. Und er ist ja auch nur ein Mensch, sehnt sich wie jeder nach Liebe. Daniel kommt da gerade recht. Es gelingt ihm, den verwirrten Kafka in eine heiße Affäre zu verwickeln. Aber es ist schon zu spät: Kafka ist nicht mehr zu retten - immer tiefer versinkt er in monströsen Wahnvorstellungen. Durch seinen Drogenkonsum verliert er immer mehr die Kontrolle über sich. Doch Daniel gibt ihn nicht auf - bleiben da wirklich nur noch die zwei Alternativen: in Kafkas Wahnvorstellungen aufzugehen oder ihn fallenzulassen? Ein wirklich sehr beeindruckender Film aus Hongkong - falls Asien jemals seinen eigenen Almodóvar gesucht hat, mit Scud dürfte es ihn gefunden haben. (Jürgen empfiehlt, Frühlings Katalog 2011)


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