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Simon Froehling: Lange Nächte Tag

Simon Froehling: Lange Nächte Tag

CH 2010, 196 S., geb.,  22.51
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Bilger Verlag
Inhalt
Erst seit ein paar Wochen kennen sich Jirko und Patrick. Die beiden könnten unterschiedlicher nicht sein – Patrick groß und schon mit leichten Bauchansatz, Jirko klein, schmächtig, fast fragil. Im Yoga-Kurs hatten sie sich kennen gelernt und gingen zusammen in Jirkos Wohnung. Zwar war der erste Sex nicht der beste, aber beiden war gleich klar, dass es nicht nur ein simpler One-night-stand war. Doch sie reagieren ganz verschieden darauf. Patrick hat Angst, nach seiner letzten längeren Beziehung mit Urs zu schnell wieder jemandem zu nahe zu kommen, und verlässt den vermeintlich schlafenden Jirko noch in der Nacht. Jirko ist zutiefst gekränkt und frustriert, übersieht Patricks Nachricht in der Küche und stürzt sich ins schwule Nachtleben. Nach dem Besuch in einem schwulen Sexklub findet er die betäubende Befriedigung beim Gruppensex einer privaten Party. Die Erinnerung an den verpatzten Anfang verdrängen die beiden jungen Männer jedoch schnell. Schon am nächten Tag treffen sie sich wieder, nur um sich eine ganze Woche bei ihren jeweiligen Arbeitsplätzen krank zu melden und gemeinsam diese verliebte Zeit zumeist im Bett zu verbringen. Kurze Zeit später wird Jirko krank; die Grippe ist freilich nur Manifestation der jetzt diagnostizierten HIV-Infektion, und Jirko ist sich sicher, dass er sich in genau jener Nacht beim Gruppensex infiziert haben muss, als er Patrick kennen lernte. – Simon Froehling erzählt die Geschichte dieser Erschütterung im ständigen Wechsel rauer Kämpfe und zärtlicher Nähe, mal als unbeteiligter Beobachter, der den beiden Männern, ihrem Begehren unbeteiligt zusieht, mal aus Patricks Ich-Perspektive, voller Hingabe für den zerbrechlichen Jirko. Beeindruckend schön ist Froehlings Sprache, die einerseits schlicht und präzise ist und dabei die Geschichte zügig voran treibt. Andererseits lässt diese Sprache durch ihren ständigen stilistischen Wechsel eine immer wieder fast traumhafte Anmutung entstehen, die die Intensität der Schilderung enorm steigert. Auch die Zeit ist kein festes Raster, ständig drängen sich in Patricks Erleben seine Kindheits- und Jugenderinnerungen auf und überlagern die Gegenwart. Durch diesen beständigen Wechsel gewinnen die Romanfiguren Jirko und Patrick nicht nur an Tiefe, man wird beim Lesen geradezu in die sich aufbauende und immer stärker werdende Intimität der beiden hinein gezogen. Oft erinnert sich Patrick an Monica, seine ältere Schwester, zu der er gerade in der Zeit, als seine Eltern sich scheiden ließen, eine besonders intensive Beziehung hatte. Umso merkwürdiger auch für ihn, dass ihn Monicas Unfalltod eigentümlich kalt ließ, die Fahrt zur Beerdigung mit seinem damaligen Freund Urs eher zu einer Selbstdarstellung des zufriedenen Großstadtschwulen in der ländlich-miefigen Heimat seiner Kindheit wurde. Doch nach dem Showdown mit Boyfriend, dem Besuch von Orten der Kindheit erkaltete die Beziehung zu Urs sehr rasch; obwohl er das Gegenteil wollte, konnte Patrick Urs nur noch provozieren und abweisen. Ganz anders jetzt mit Jirko. Der gemeinsame Besuch bei Patricks Großeltern endet in der Flucht im Angesicht der Zerbrechlichkeit des Alters. Doch die Aufrichtigkeit dieser geteilten Feigheit bringt sie einander nur noch näher. Von diesen außergewöhnlichen, völlig unerwarteten Wendungen zur Intimität lebt dieser Roman, der zu Recht den Untertitel »Liebesroman« führt. Und das, gerade weil von Liebe fast nie die Rede ist, schon gar nicht als romantischem Gefühl, und Beteuerungen der Zuneigung von Patrick oder Jirko fast völlig fehlen. »Lange Nächte Tag« ist viel zu ehrlich und zu unverstellt schön, als dass an solche Hülsen Worte verschwendet würden. (Veit empfiehlt, Frühlings Katalog 2010)
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