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Francisco Franco (R): Burn the Bridges (Quemar las naves)

Francisco Franco (R): Burn the Bridges (Quemar las naves)

Mexiko 2007, OF, dt.UT, 101 min.,  12.99
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Pro-fun
Inhalt
Dieser mexikanische Film aus dem Jahr 2007 kommt sehr unaufdringlich daher, entwickelt sich dann aber in einer Weise, die einem den Vergleich mit Fellini und Almodóvar geradezu aufdrängt. In einem riesigen Haus wohnen die beiden fast erwachsenen Geschwis­ter Helena und Sebastián mit ihrer schwerkranken Mutter, die einmal eine erfolgreiche Sängerin war und nun nur noch ein Schatten ihrer selbst ist. Das Haus - obwohl einmal ein prächtiger Bau - ist in einem verheerenden Zustand. Helena - trotz der Hilfe einer Zugehfrau - kriegt es gerade einmal hin, die siechende Mutter zu pflegen. Zeit, um das Haus in Schuss zu halten, findet sie nicht. Und Sebastián lebt in seiner eigenen Welt. Er malt und geht zur Schule. Kaum jemand hat einen Draht zu ihm. Das engste Verhältnis besitzt er zu seiner Schwester, die eindeutig die dominante Figur in seinem Leben darstellt. Doch auch sie steht nicht recht im Leben. Sie ist völlig durchgeknallt - ein Zustand, der sich durch den Tod der Mutter noch verschlimmert. Im Hintergrund steht Efraín, der sich um die beiden Geschwister und die Mutter sorgt und immer da ist, wenn‘s darum geht, von der Familie Geld- oder sonstige Probleme abzuwenden. Er wird immer als lästige Zumutung empfunden - so, als ob die kleine Familie nicht auf die Zuwendung und seinen Schutz angewiesen wäre. Efraíns Sohn Ismael hat sogar den expliziten Auftrag auf den lebensuntüchtigen Sebastián aufzupassen - beide gehen in die gleichen katholische Klosterschule. Und Ismael - der sehr zur Sorge seiner Mutter einfach keine Freundin finden will - kommt der Aufgabe gerne nach, weil er an dem etwas lebensfremden, verträumten Sebastián wie an einem jüngeren Bruder hängt, der des Schutzes eines Älteren, Stärkeren bedarf. Doch eines Tages kommt Juan an Sebastiáns und Ismaels Schule. Sebastián ist von Anfang an fasziniert von diesem allgemein unbeliebten, verschlossenen Klassenrebellen, der überall sofort aneckt. Ihm gelingt es wie keinem anderen zu Sebastián in dessen verschlafene, isolierte Welt vorzudringen, ihn aufzurütteln und zu ganz untypischen Aktionen zu motivieren. Er zeigt ihm die bunte Welt draußen, die Sebastián irgendwie bislang nicht wahrgenommen hat. An Juans Seite erlebt Sebastián sein sexuelles Erwachen. Die plötzliche Nähe zwischen Sebastián und Juan ruft Ismaels Beschützerinstinkt und womöglich Eifersucht auf den Plan. In der Schulaula kommt es zu einem Vorfall, in dessen Verlauf Juan einen Mitschüler niedersticht und flieht. Ismaels Absicht, Juan aus Sebastiáns Leben zu entfernen, geht nicht auf - im Gegenteil: Sebastián solidarisiert sich mit seinem allseits missverstandenen, allseits angefeindeten Freund und will mit ihm abhauen. Doch Sebastián wäre nicht Sebastián, wenn er diese Sache zu Ende durchziehen würde. Er kehrt zu seiner Schwester zurück, die schon wegen eines großen Knalls ihre Felle davonschwimmen sah, nun aber versucht, die Kontrolle über den geliebten, aber so unverständlich agierenden kleinen Bruder wiederherzustellen. Auch sie reagiert eifersüchtig auf andere, die sich Sebastián annähern, verpackt diese Eifersucht in Ausfälle gegen die Homosexualität des Bruders. Sie kann nicht verstehen, dass er überhaupt daran denkt, auszubrechen, ein eigenes Leben außerhalb der verfallenden Villa führen zu wollen, ohne sie. Doch nun hat sie ihn zurück. Und als ob nichts gewesen wäre, geht der Verfall des Hauses und seiner beiden Bewohner weiter. Der morbide Blick hinter bürgerliche Fassaden und Klosterschulmauern ergab einen durchaus kontroversen, jedoch nie reißerischen, stets gut gespielten und mit sicherer Hand inszenierten Debütfilm. Sehr leicht hätte daraus ein bleischweres Moralspiel mit Todeshammer werden können. Doch der junge Regisseur machte ein intelligentes Teenagerdrama daraus, das so gar nicht Hollywood-like ist, sondern sich sehr geschickt seiner Verfalls- und Traumlogik stellt - Freiheit findet nur der, der sie auch will. Ich fand sowohl Darsteller als auch das Plot des Films sehr erfrischend und an keiner Stelle flach. (Jürgen empfiehlt, Herbst Katalog 2009)
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