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John C. Mitchell: Shortbus

John C. Mitchell: Shortbus

USA 2006, OF, dt. SF, engl., dt. UT, 97 Min.,  12.99
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Inhalt
Die Kritik war überwältigt, als »Shortbus« in die Kinos kam. Zwar zeigt der Film echte Sexszenen (ein für den US-Mainstream absolut undenkbarer Tabubruch), rutscht dadurch aber zu keinem Zeitpunkt auf Schmuddelkino-Niveau ab, sondern verbreitet auf sehr ästhetische Weise seine philanthropische Botschaft: Sex ist nicht das Problem, sondern vielmehr die Lösung von Problemen. Und Sex ist etwas so Natürliches, dass er irgendwo auch nichts Beachtenswertes, ja: Anstößiges mehr an sich hat. Regisseur John Mitchell hat 2 Jahre gebraucht, um diesen Film zu realisieren. In Zusammenarbeit mit seinem Ensemble - darunter viele Laiendarsteller - entstanden Charaktere und Story (sozusagen als Work in Progress) während vieler Workshops. Der lange Vorlauf hat sich letztendlich ausgezahlt: während sich andere Regisseure mehr oder weniger skandalträchtig damit abmühen, »echten« Sex auf die Leinwand zu bannen, steht hier Sex als die allernatürlichste, unspektakulärste Sache der Welt da. Der Film spielt in New York City nach den Anschlägen vom 11. September 2001. Zwei junge schwule Männer - irgendwo zwischen 20 und 30 - sind schon seit einer Weile ein Paar. Zufällig heißen sie Jamie und James. Bei der Namensähnlichkeit endet aber auch schon fast die Übereinstimmung zwischen den beiden Männern. Die Beziehung der beiden Jamies ist in eine Krise geraten. So richtig guten Sex hatten die beiden Jungs schon eine ganze Weile nicht mehr. Und die beiden beginnen nun zu rätseln, woran das eigentlich liegen könnte, bzw. wie sie den lästigen Umstand grundlegend ändern könnten. So lange sind die beiden nun auch noch nicht zusammen, dass nun die Luft schon ganz raus sein könnte. Immerhin hängen sie sehr aneinander. Und eine Trennung kommt schon gar nicht in Frage. In dieser für beide auf Dauer unhaltbaren Situation suchen die Jamies Rat bei Beziehungsberaterin Sofia. Was sich allmählich herauskristallisiert, ist die Absicht der beiden, ihren sexuellen Horizont unter Hinzuziehung mindestens eines weiteren Partners öffnen zu wollen. In einem Dreier - oder überhaupt promisken Sex - sehen sie eine gangbare Lösung für ihr Beziehungsproblem. Und nun wollen sie sich dazu eine zweite Meinung einholen. Doch die erwünschte Absolution für ihre Promiskuität will ihnen Therapeutin Sofia nicht so recht erteilen. In den Gesprächen kommt überhaupt Unerwartetes ans Tageslicht: Therapeutin Sofia wird nämlich von eigenen Sexproblemen geplagt: ihr Freund geht im Bett an die Grenzen seiner sexuellen Leistungsfähigkeit. Sie spornt ihn zu Stellungen an, die nicht einmal im Kamasutra zu finden sind. Sie aber hatte in ihrem ganzen Leben noch keinen einzigen Orgasmus. Und ein solcher Orgasmus wäre schon eine recht hilfreiche Erfahrung in ihrem Beruf. Tagaus tagein sitzt sie also auf einem gesunden Gymnastikball ihren Klienten gegenüber und hört sich deren Bettgeschichten an. Dabei hat sie anscheinend keine praktische Vorstellung davon, womit sich diese Hilfesuchenden im Grunde herumschlagen müssen. Und so ist es kein Wunder, dass eine Sitzung mit den beiden Jamies für Sofia in ein einziges Desaster ausartet. Die Therapie muss sogar abgebrochen werden. Etwas Positives hat diese ansonsten entgleiste Sitzung zumindest für Sofia dennoch zu bieten: durch die beiden Jamies erfährt Sofia von einem Sexclub namens »Shortbus«, in dessen Nebenzimmern Paare jeglicher Couleur (egal ob schwul, lesbisch, hetero, bi oder transsexuell) nach Lust und Laune miteinander kopulieren können - einziges Kriterium: alles, was Spaß macht. Gleichzeitig ist »Shortbus« ein Treffpunkt der New Yorker Undergroundszene. Die beiden Jamies verkehren schon regelmäßig in dem Swingerclub und suchen nach einem passenden dritten Mann für ihren Dreier. Nun setzt sich auch die anfangs vorsichtige, ja skeptische Sofia in den Kopf, dass die Lösung ihres Sexproblems in »Shortbus« zu suchen ist. Ohne das Wissen ihres Freundes geht sie dorthin und erhofft sich, dass ihrem Sexleben dort endlich einmal auf die Sprünge geholfen wird. Sie probiert Lesbensex, ferngesteuerte Dildos (kein Wunder, dass es bei exzessiver Benutzung zum großen New Yorker Blackout kommen musste - der Running Gag des Films!). Endlich treffen die beiden Jamies auf den schnuckeligen Ceth. Er scheint der ideale Kandidat zu sein, mit dem sie ihr eingeschlafenes Sexualleben nun aufpeppen können. Sie nehmen ihn mit zu sich nach Hause und erproben die neue Dreierkonstellation. Ceth hat früher als Model gearbeitet und liebäugelt gerade mit einer Gesangskarriere. Was die beiden Jamies (noch) nicht wissen: Sie werden von dem Voyeur Caleb aus der Wohnung gegenüber beobachtet und fotografiert - und Caleb ist entsetzt darüber, dass die traute Zweisamkeit der Jamies, die ihm geradezu heilig erscheint, nun durch einen Dritten bereichert werden soll. Ohne dass es die anderen - insbesondere sein Freund Jamie - bemerken, verfällt der jüngere Jamie zunehmend in Depression. Als ehemaliger Stricher hat er seinen Zugang zu seiner Emotionalität verloren, was ihn extrem belastet. Das bringt ihn an den Rand des Selbstmords. Es entspinnt sich eine ziemlich verwickelte Geschichte, die alle immer wieder im Swingerclub »Shortbus« zusammenführt und zu guter Letzt ebendort in einer versöhnenden Orgie beim großen New Yorker Blackout endet. Meist scheitert das Glück der Protagonisten an den Ängsten aus der Vergangenheit, die sie nicht abschütteln können. Ein großartiger Film über Sehnsüchte und Sex (von beidem gibt es viel zu sehen), dabei anrührend und verspielt zugleich, ein wenig melancholisch - wenn auch (und das gibt dem Film seine besondere Qualität) niemals wertend oder gar moralisierend. Gleichzeitig ist der Film voll skurrilem Humor. Trotz aller Versponnenheit bleibt der Film streng auf den Kern der Dinge hin fokussiert. Insofern fallen auch ein paar kleinere Durchhänger, die im Bereich Slapstick angesiedelt sind, nicht wirklich ins Gewicht. Der Regisseur und Autor John Mitchell (bekannt geworden durch den kultigen Film »Hedwig and the Angry Inch«) verschränkt hier geschickt traditionelles Drama mit Hardcore-Pornoszenen. Er sieht »Shortbus« als eine explizite Stellungnahme gegen den Trend zur Prüderie in den USA: »Ich beobachte mit Schrecken, dass das US-Kino immer prüder wird - wie auch die US-Regierung. Diese Prüderie führt letztendlich zu uniformem, unbefriedigenden Sex und uninspirierter Pornographie - und das ist es, was die jungen Leute heutzutage in den USA im Hinblick auf Sexualität beigebracht bekommen.« Die gut ausgestatteten DVD in der stylischen Bleckbüchse enthält auch den Soundtrack zum Film. (Jürgen empfiehlt, Herbst Katalog 2007)
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