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Håkan Lindquist: Paul, mein großer Bruder

Håkan Lindquist: Paul, mein großer Bruder

Dt. v. C. Neumann. D 2007, 174 S., geb.,  13.31
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Bruno Gmünder
Inhalt
Schon als kleiner Junge hat sich Jonas mit seinem älteren Bruder Paul identifizert, der etwa ein Jahr vor Jonas’ Geburt als 16jähriger von einem Zug überfahren wurde. Immer hatte sich Jonas vorgestellt, dass er eigentlich ein wiedergeborener Paul wäre. Selber ein Teenager, wird Jonas’ Interesse dann detektivisch. Er befragt seine Eltern nach seinem Bruder, den er nie kannte und dem er sich doch so verbunden fühlt, bekommt aber nur karge Antworten. Auch von Daniel, dem schwulen Jugendfreund seiner Mutter, mit dem auch Paul eine intensive Beziehung hatte, bekommt er nur ausweichend Auskunft. Da entdeckt Jonas eines Tages unter alten Sachen Liebesbriefe an seinen Bruder, und erfährt so, dass Paul schwul und unmittelbar vor seinem Tod unsterblich verliebt war. »Bruder« ist der Kosename, mit dem Paul von seinem Lover angesprochen wurde. Jonas recherchiert immer intensiver und findet Pauls Tagebücher, aus denen er erfährt, dass am Tag vor Pauls Tod etwas unfassbar Schreckliches geschehen sein musste. War es nun ein Unfall oder Freitod? Und schließlich findet Jonas eine Spur zu Pauls Freund, der gar nicht so weit entfernt wohnt. – Håkan Lindquist hat einen Roman über eine schwule Jugend geschrieben, der vor allem dadurch beeindruckt, dass er das Thema Homosexualität mit zahlreichen anderen Themen in Verbindung setzt, die gerade bei einem jugendlichen Schwulen Sehnsüchte und Ängste wecken können. Einen Bruder überhaupt zu haben, dann aber auch von einem geliebten Menschen »Bruder« genannt zu werden, schließlich »Bruder« mit sexuellen Konnotationen zu versehen, wird in verschiedenen Facetten durchgespielt und bleibt durch die Unerreichbarkeit Pauls für Jonas in einer faszinierenden Schwebe zwischen allgemeiner Fantasie und konkreter Autobiografie. Ebenso der Tod, der als allgemeines Thema betörende Sehnsüchte wecken, im konkreten Erleben jedoch Verzweiflung bringen kann – beide Dimensionen changieren während der gesamten Geschichte, und Håkan Lindquist erzwingt auch hier keinen Ausgleich. Und schließlich kommt das Thema Freundschaft eines (schwulen) Jugendlichen zu einem erwachsenen Schwulen mit der Freundschaft Daniels zu Paul und Jonas auf, eine Freundschaft, deren mögliche Erotik Begehren, Geborgenheit aber auch Angst, und zwar auf beiden Seiten bedeuten kann. Dadurch dass Håkan Lindquist nicht versucht, all diese gegenläufigen, widersprüchlichen Wahrnehmungen und Empfindungen jugendlicher Unsicherheit zuzuschreiben, sondern sie nebeneinander bestehen lässt, wird das Buch neben einer spannenden Jugendgeschichte zu einer packenden Schilderung der menschlichen Seele. (Veit empfiehlt, Sommer Katalog 2007)
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