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Tom Lanoye: Pappschachteln

Tom Lanoye: Pappschachteln

Dt.v. Rainer Kersten. D 2006, 206 S., pb,  9.20
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Bruno Gmünder - BGT
Inhalt
Tom Lanoyes »Pappschachteln« gehören zu den besonderen Kleinodien der Coming-out-Literatur, und es freut mich, dass das Buch - nachdem es lange vergriffen war - jetzt wieder erhältlich ist. In vielerlei Hinsicht hebt sich dieser autobiografische Roman von der häufig uniformen Coming-out-Literatur ab: vor allem im Stil und von der Idee her war er seinerzeit (und ist es heute noch) erfrischend innovativ. Hinzu kommt, dass sich jeder Schwule, der irgendwann in seiner Pubertät eine Schule besucht hat, sich unschwer in der Geschichte wieder findet. Die Person des Erzählers (hinter der man sofort den Autor selbst erkennen kann) geht auf ein Gymnasium. Dort hat er sich in einen Mitschüler namens Z. verliebt. Insofern nichts Besonderes. Tom quält sich anfangs mit Fragen wie »Was sind das für Gefühle, die mich zu einem Burschen hinziehen?«, »Soll ich ihm gestehen, dass ich schwul bin, mehr noch: dass ich in ihn verliebt bin?«, »Wird er es von selbst merken?«, »Werden die anderen es mitbekommen?«, »Soll ich mich outen?« Es gibt ja kein Rezept für das Gelingen eines Coming-outs. Und in der Schule bekommt man das auch nicht beigebracht. Z. scheint hetero zu sein und reagiert so gar nicht auf Toms viel zu subtile Annäherungsversuche, scheint sie nicht mal zu bemerken. Und immer wieder gibt es nachvollziehbare Situationen, z.B. beim Sport, wenn der Erzähler Z. beim Felgaufschwung Hilfestellung leistet, seinem Schwarm bei der Übung das T-Shirt über den Bauchnabel rutscht und Tom über diese erotische Sensation fast die Besinnung verliert. Diese und ähnliche Vorkommnisse wachsen sich immer gleich zu qualvollen Erlebnissen aus, die Tom auch in der Nacht plagen (man könnte das auch Wichsfantasien nennen). So weit die Universalien der Coming-out-Literatur, an denen auch Lanoye nicht vorbeikommt. Lanoye unterbreitet uns diese Geschichte auf eine sehr charmante Art, indem er für den Leser seine Pappschachteln öffnet. Darin hat der Erzähler alle Dinge verstaut, die er über seinen Schwarm Z. im Laufe der Zeit zusammengetragen hat - alles, das ihm : Zeitungsausschnitte, Fotos, Tagebuchnotizen - an jedes einzelne Teil der Sammlung Z. hat Tom ganz besondere Erinnerungen geknüpft. Das Betrachten eines Fotos ruft alle möglichen Emotionen wach, die der Erzähler als Aufhänger benutzt, um uns die dazugehörige Geschichte zu erzählen. Neben all der Komik, die sich aus den vermurksten Situationen ergibt (eigentlich könnte alles ja so einfach sein!), steuert die Geschichte auf einen Höhepunkt zu. Toms Heimlichtuerei wird auf eine harte Probe gestellt, als die ganze Klasse eine Klassenfahrt nach Griechenland unternimmt. Nun werden die beiden in einem Zimmer zusammengelegt, was Tom einerseits recht, andererseits aber nicht ganz geheuer ist: denn jetzt lässt sich irgendwie nur sehr schwer verbergen, dass Tom im wahrsten Sinne des Wortes einen Stand auf Z. hat. Ein finaler Showdown steht an - doch zu viel darüber will ich gar nicht verraten. Ich finde, mit seinem zweiten Roman ist dem belgischen Autor da wirklich eine treffsichere, realitätsgenaue und dennoch auch schriftstellerisch interessante Schilderung der von Unsicherheit, unterentwickeltem Selbstbewusstsein und oft irrationalen Ängsten geprägten Gefühlswelt eines schwulen Teenagers gelungen. (Jürgen empfiehlt, Winter Katalog 2006)
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