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Klaus Theweleit: Männerphantasien

Klaus Theweleit: Männerphantasien

D 2019 (Neuaufl. mit neuem Nachwort des Autors), 1200 S., Broschur,  43.18
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Matthes und Seitz
Inhalt
Klaus Theweleits »Männerphantasien« gehören zu den wichtigsten Büchern meiner Studienzeit. Sie waren seit ihrem Erscheinen in den 1970er Jahren immer wieder in verschiedenen Auflagen aufgelegt worden - zuletzt aber nur noch antiquarisch erhältlich. Sie sind bis heute das Opus magnum des Autors - ein immens politisches Werk - heute mehr denn je. Darin geht Theweleit den Wurzeln des Nationalsozialismus in der Weimarer Republik nach. Dieses beeindruckende Werk ist wieder lieferbar. Ich kann es allen ans Herz legen - nicht nur, weil es ein frühes, gelungenes Beispiel für angewandte Interdisziplinarität darstellt, sondern auch weil es in Zeiten wie diesen mit seiner Analyse des »weißen Terrors« und des Faschismus einen zutreffenden Erklärungsansatz für den Aufstieg des aktuellen Neofaschismus in Europa liefern kann. Theweleits »Männerphantasien« stützen ihre Analyse des Faschismus und faschistoiden Denkens im 20. Jahrhundert auf Ansätze und Erkenntnisse aus verschiedene Forschungs- und Wissenschaftsrichtungen: Psychoanalyse, Tiefenpsychologie, Sozialpsychologie, Männerforschung, Sexualforschung, Sexualgeschichte, Geschichtswissenschaft, biografische Forschung, Soziologie, Kunsttheorie, Ästhetik, Gewaltforschung kommen dabei zum Zug. Der Autor führt diese auf den ersten Blick unzusammenhängenden Aspekte fruchtbar zusammen und verleiht seiner Faschismusanalyse einen erheblichen Mehrwert. Er geht den misogynen, patriarchalischen Grundeinstellungen des Faschismus ebenso nach wie der aus blockierter Homoerotik heraus resultierenden, militanten Homophobie (auch die darin steckende Ambivalenz der faschistischen Bewegungen thematisiert er). Er betrachtet die Männerbündelei des Faschismus mit seinen homoerotischen Untertönen, analysiert den »Körperpanzer« - das Körperideal des harten, muskulösen, disziplinierten Männerkörpers, der der Abwehr von Emotionen (als »weiblich« begriffen) und dem militärischen Funktionieren dienen sollte. Theweleit erweitert den Blick auf die Angst vor dem »Fremden« - befragt dazu die Erblast des »weißen« Kolonialismus - die Ängste und Abschätzigkeit der »weißen Herrenrasse« gegenüber ihren nicht-weißen »Sklaven« (oder laut NS-Jargon: den »Untermenschen«). Großes Augenmerk legt Theweleit in seinem Buch auf die Kontrolle der Sexualität im faschistischen Komplex: angefangen bei der weiblichen Sexualität, die als bedrohlich wahrgenommen wurde und daher unterdrückt werden »musste« - ging es im faschistischen Denken darum, moderne Einstellungen zur Sexualität bis hin zu freier Sexualität oder einem entspannten Umgang mit Homosexualität nicht zum Zug kommen zu lassen und sie durch Dämonisierungen zu bekämpfen. Auch das eint alten Faschismus und faschistoid-neofaschistische Tendenzen von heute. Das Frauenbild im Nationalsozialismus war retrograd und - insbesondere gegenüber dem Zerrbild der »freien« Frau - mit Abscheu beladen. Für den NS-Mann grenzte die Vagina an eine Horrorvorstellung. Ähnlich tickten Nazis, wenn es um Schwule und deren Sexualität (z.B. Analverkehr) ging. Theweleits Buch trifft mit seinen erhellenden Assoziationen den Kern des faschistischen Komplexes und ist heute wie damals geeignet, Diskussionen (und den Diskurs) anzuregen. In einem Nachwort zur Neuausgabe des epochalen Doppelbandes äußert sich Theweleit zu Parallelen zwischen Nationalsozialismus und heutiger extremer Rechter - heute mehr denn je ein immens politisches Buch an Gesichts des neuen rechten Terrors, der Rückkehr der »Nazisprache« und dem Erstarken faschistoiden Gedankenguts.Jürgen empfiehlt (Frühling 2020)
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