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Erika Mann / Klaus Mann: Das Buch von der Riviera

Erika Mann / Klaus Mann: Das Buch von der Riviera

D 2019, 128 S. mit zahlreichen S/W-Fotos, geb.,  16.45
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Kindler
Inhalt
In der Zwischenkriegszeit gab der Piper-Verlag als Gegenentwurf zu den sachlichen und oft fast betulichen Baedeker-Reiseführern die kleine Reihe heraus „Was nicht im Baedeker steht“; Erika und Klaus Mann verfassten hierfür den Band über die Riviera. Als Klaus und Erika Mann 1931 diesen Reiseführer über die Riviera schrieben, war ihnen das öffentliche Interesse sicher – als Kinder des bereits berühmen Nobelpreisträgers Thomas Mann waren sogar ihre Namen perfekte Werbeträger und sie machen auch im Text ohne Scheu von Image ihres Vaters Gebrauch, indem sie die Riviera als mindestens so magischen Ort wie den Zauberberg beschreiben, von dem nicht mehr loszukommen ist. So war das Buch schon bald erfolgreich und in mehreren Auflagen, mal aufwändiger, mal einfacher ausgestattet erschienen. Besonders interessant macht diesen Band vor allem die Leichtigkeit mit der das später so streng politisch schreibende und urteilende Geschwisterpaar von ihrer Reise durchs südliche Frankreich bis zum italienischen Teil der Riviera berichten. Sie nennen die Côte d’Azur »nachgiebig«, weil sie ihren Besucherinnen und Besuchern keinen bestimmten Lebensstil, keine Anpassung aufzwingt – es komme immer darauf an, was der- oder diejenige nur will, möglich sei fast alles, jedes Interesse, jede Preislage werde bedient. Freilich: Das Spielen ist es, was es den beiden besonders angetan hat, Boules, Roulette und Bakkarats sehen sie als die größte Verlockung des Landstrichs, Dekadenz und Schwelgen ist es, was Klaus und Erika beeindruckt. Das Vergnügen, von dem sie sich treiben ließen, bricht förmlich aus ihrem Text heraus, wenn sie aus dem wilden Marseille berichten, dem mondänen Cannes und natürlich aus Monte-Carlo – und natürlich muss dem Spiel dort ein Schwerpunkt, den sie Abstecher nennen, gewidmet sein. Ihre Schilderungen von Orten und Menschen, ihre Restaurant-Kritiken sind immer wieder Kulisse für die Begegnungen mit Künstlerfreundinnen und –freunden und natürlich jeder Menge Prominenz der Zeit; Angeberei oder Ironie? – Gerade, weil sich das nicht so einfach entscheiden lässt, ist »Das Buch von der Riviera« mehr als nur ein faszinierendes Zeitdokument der 30er Jahre. Es ist ein literarisch gekonntes Spiel, das den Reisebericht zwischen ernster Information und boulevardesker Plauderei changieren lässt, ein Buch über Lebensfreude und Reiselust, das jetzt in einer schönen Ausgabe mit zahlreichen historischen Fotos neu aufgelegt wurde. Und es stimmt mich sehr nachdenklich, dass die beiden ein Lebensgefühl beschreiben, das den aufstrebenden Nazis damals wie den neuen Rechten heute verhasst war und ist: Freiheit, Liberalität und Dekadenz. Und diese Trias ist genau deshalb so verhasst, weil sie eine der schärfsten Waffen gegen Rechts ist – darum bekommt das Riviera-Buch der Geschwister Mann noch einmal eine ebenso lustvolle wie brennende Aktualität.
(Ilona Bubeck empfiehlt - Sommer 2019)
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