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Elana Dykewomon: Sarahs Töchter

Elana Dykewomon: Sarahs Töchter

Dt. v. Andrea Krug. D 2018 (Neuaufl.), 542 S., Broschur,  18.50
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Krug und Schadenberg
Inhalt
Zu meinen Top Ten der Lesbenliteratur gehört definitiv »Sarahs Töchter« von Elena Dykewomon. Ein Glück, dass dieses außergewöhnliche Buch in deutscher Übersetzung wieder aufgelegt wurde, denn diese lesbisch-feministische Geschichte jüdischer Frauen, ist einzigartig und so noch nicht wieder erzählt worden. Der Roman beginnt am Ende des 19. Jahrhunderts in einem Schtetl im zaristischen Russland, in dem die Zeichen bereits auf Umbruch stehen. Durch die Hebamme Gutke erfahren wir über das Leben im Schtetl, über ihre Arbeit im Badehaus und über ihre Begegnungen mit den anderen jüdischen Frauen dort und über deren Leben. Nach dem Tod ihrer Mutter zieht Gutke zu der alleinstehenden Golde, die ein Zimmer hinter ihrem Laden vermietet. Über sie lernt sie Dovida Grünbaum kennen, die als Mann lebt, um ein Leben in Freiheit führen zu können, und die sich ihr Geld als Bankier verdient. Für Gutke eine andere Welt. Doch Dovida wird ihre große Liebe. »Ab und an, wenn ein Mädchen geboren wird, sehe ich die Flamme, die ich sah, als mein Blick das erste Mal auf Dovida fiel. Diese, denke ich dann, wird sein wie wir.« Wenn die Hebamme Gutke ein Baby auf die Welt bringt, sieht sie Dinge voraus, und manchmal macht sie darüber Andeutungen. So auch bei der Geburt der kleinen Chawa. Sie sieht Wasser und eine lange, schwierige Reise. Hier wechselt die Erzählperspektive, Chawa, die Tochter eines Rabbiners, erzählt ihre Geschichte, und wir erfahren von ihrer Familie, von den immer häufiger werdenden Progromen und der grausamen Ermordung ihrer Eltern. Chawa kommt zur Sicherheit zu Verwandten nach Odessa, und von dort versucht sie nach Amerika auszuwandern. Schon auf der Zugfahrt nach Odessa treffen sich Gutke und Chawa wieder, und die spätere Überfahrt nach New York wird für die jüdischen Emigrantinnen und Emigranten zum Albtraum, denn nur wer genügend Geld hat, bleibt auf dem Schiff. Das ist der erste Teil des Romans, der eine andere Geschichte der Zeit vor der russischen Revolution erzählt, und aus deren Sicht ich liebend gerne noch mehr gelesen hätte. Im zweiten Teil beschreibt die Autorin die Lebensgeschichten der jüdischen Einwanderinnen, ihren neuen Alltag in New York, und ihre schlechten Arbeitsbedingungen. Die anfänglichen Hoffnungen werden schnell von der brutalen Realität eingeholt, vor allem weil die Frauen auf der untersten Stufe der sozialen Hierarchie stehen. Aber die jüdischen Emigrantinnen haben das Kämpfen gelernt und schließen sich den Gewerkschafterinnen an und streiken für bessere Bezahlung und Arbeitsbedingungen. In einem Treffpunkt für politisch und sozial engagierte Frauen trifft Chawa Gutke wieder, die mit Dovida ebenfalls nach Amerika emigrieren konnte. Chawa arbeitet inzwischen in einer Buchbinderei und lebt mit der Näherin Rose zusammen, bis ein Großfeuer in einer Kleiderfabrik sie auseinander reißt. Elena Dykewomon ist es gelungen, historische Begebenheiten - die Geschichte der Juden in Russland und ihre Emigration nach Amerika - in einer bewegenden fiktiven Frauengeschichte erlebbar zu machen. Jüdisches Leben zwischen Tradition und Aufbruch, Gewerkschaftsgeschichte und Frauenbewegung, machen diesen Roman zu einem lebendigen Zeitdokument, das mehr Eindrücke hinterlässt als die meisten Geschichtsbücher. Wer an jüdischer und lesbischer Geschichtsschreibung interessiert ist, sollte diesen wunderbaren Roman nicht verpassen!
(Ilona Bubeck empfiehlt - Herbst 2018)
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