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Christopher Wurmdobler: Solo

Christopher Wurmdobler: Solo

Ö 2018, 248 S., geb.,  20.00
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Czernin
Inhalt
Ein Episodenroman um eine schwule Clique im gegenwärtigen Wien: Großstadt, Party, Wohlstandsprobleme – eigentlich passiert in »Solo« recht wenig, und doch ist man gleich von der Erzählung gepackt. Erwägungen zur hippen Barttracht, Beziehungsalltag, Sexprobleme der besten Freundin, Sich-Fremdschämen für Blackfacing, befreundete Lesben im Heiratsfieber. Als Wiener ist man sowieso gleich mittendrin, denn die erzählten Coupletten kennt man - wenn nicht aus eigenem Erleben, so doch mindestens vom Erzählen oder als großen Szene-Aufreger. Unschwer lassen sich Denise Bourbons Burlesk-Shows erkennen, Cafés und Clubs werden sowieso meist mit ihrem tatsächlichen Namen eingeführt.
Es überrascht nicht, dass auch bei vielen Figuren selten verschleiert wird, um wen es im wahren Leben wirklich geht, »Solo« ist sozusagen ein Schlüsselroman mit öffentlichem Generalschlüssel. Doch hinter den locker-flockig erzählten Alltagsgeschichten geht es um mehr – Christopher Wurmdobler verpackt geschickt in vermeintlich oberflächliche Tratschgeschichten eine authentische Zustandsbeschreibung schwulen und lesbischen Lebens. Dabei gibt es neben überbordendem Spaß an diesem Leben auch viele selbstkritische Momente, die deshalb besonders treffsicher sind, weil sie als bemühte analytische Kritik vorgetragen werden, sondern der Oberflächlichkeit des Lebens gerade keinen tieferen Sinn unterschieben. Nicht zuletzt ist dies der wienerisch gefärbten in typischer Nachlässigkeit inkonsequenten Sprache geschuldet: Mal sauberes Hochdeutsch, mal Szenesprache, mal vulgäres Einsprengsel – irgendwie geht sprachlich alles. Natürlich wirkt auch in Wien die Zensur gegenwärtiger queerer Errungenschaften – und natürlich wollen die Jungs und ihre Freundinnen in »Solo« am liebsten political (sic!) incorrect sein. Und genau so, wie sie diese ihre Absicht nicht einmal grammatikalisch richtig kundtun können, verheddern sie sich in ihrem vermeintlich unkorrekten Sprech, ecken an und entlarven doch zugleich das Gemeinte. In Wahrheit also guter alter Bitch-Talk in zeitgenössischem Gewand, ebenso gemein wie verletzlich, voll auf Pointe und immer wieder genau daneben. Letztlich scheint es darum egal, ob wir queer, gay oder schwul bzw. lesbisch sagen – wenn es auf die genaue Bedeutung gar nicht so sehr ankommt. Und das ist auch der wirklich schöne Ansatz Christopher Wurmdoblers, weshalb man sein »Solo« nicht nur gern liest, sondern auch lesen sollte: Mit »Solo« zeigt Christopher Wurmdobler nicht nur, dass es sich leichter lebt, wenn man es vordergründig nicht so genau nimmt; und zugleich schafft diese vordergründige Lockerheit Freiräume dafür, manchmal umso intensiver die Hintergründe auszuloten. Darum entfalten die Alltagsszenen auch ihre eigene, tiefere Rührung, sei es die schwule Fernbeziehung, die unter dem Druck steht, dass jeder Augenblick besonders sein muss, sei es die »schwule Verbandelung« zweier Jungs, die nur darin besteht, dass sie an den beiden Enden einer langen Kette von Sexdates stehen, ohne selbst je etwas miteinander gehabt zu haben.
Kurz und gut: »Solo« ist ein kurzweiliger Szeneroman, der ebenso witzige wie nachdenkliche Momente hat. Man kann ihn nur zur Unterhaltung genauso gut lesen, wie als Enthüllungs-Manifest unseres gegenwärtigen Lebens.

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