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Carolin Schairer: Küsse mit Zukunft

Carolin Schairer: Küsse mit Zukunft

D 2017, 340 S., Broschur,  20.56
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Ulrike Helmer
Inhalt
Carolin Schairers Bücher haben etwas an sich, das förmlich nach Verfilmung schreit. Ein Wunder, dass sich noch keine Regisseurin gefunden hat, die Caros Bücher auf die Leinwand bringen würde. Auch ihr aktuelles Buch »Küsse mit Zukunft« hätte filmisches Potenzial - angefangen bei einem kecken Plot. Der Roman startet mit einer nicht alltäglichen Szene, die realistisch und authentisch wirken zu lassen andere Autorinnen vielleicht in die Bredouille gebracht hätte - nicht aber Carolin Schairer - darin merkt man der in Wien lebenden, lesbischen Autorin aus Niederbayern eine gewisse Routine an. Aber immer wenn sie bei uns zu einer Lesung zu Gast ist, spüren wir, dass es ihr noch stets große Freude bereitet, ein Buch nach dem anderen (durchschnittlich zwei pro Jahr) in die Welt zu setzen. Wie sie es schafft, so ausgiebig zu schreiben, gleichzeitig ein volles Berufs- und Privatleben unter einen Hut zu bekommen, ist ein wohlgehütetes Geheimnis. Es funktioniert jedenfalls.
Marlene Brunner ist die Heldin in Caros neuem Roman. Sie befindet sich auf dem Kopenhagener Flughafen und wartet in der Lounge auf ihren Flug nach Bruxelles. In Gedanken geht sie die bevorstehenden Meetings durch - in ihrer Firma ist nach Personalveränderungen einiges kompliziert geworden. Da bemerkt sie, wie ein Typ, den Marlene durchaus als attraktiv und interessant einstuft, eine blonde Frau bequatscht, die davon gar nicht begeistert zu sein scheint. Noch bevor Marlene sich eingehende Gedanken dazu machen kann, kommt die Blondine zu Marlene herüber, umarmt und küsst sie. Danach gibt sie Marlene vor dem Mann als ihre Freundin aus, obwohl Marlene diese Frau noch nie zuvor im Leben gesehen hat. Offensichtlich will die Blondine den aufdringlichen Kerl mit einer »Lesbenshow« abschütteln. Die Masche wirkt effizient. Der Typ zieht sich zurück. Und nun bleiben Marlene, die ziemlich irritiert ist, und die Blondine, deren Name Lisbeth ist, zurück.
Zu diesem Zeitpunkt würde Marlene sich mitnichten für lesbisch halten. Sie blickt auf eine Reihe männlicher Liebhaber zurück, auch wenn es gerade momentan keinen Mann an ihrer Seite gibt. Die letzte Beziehung ist gescheitert. Doch Lisbeths Kuss hat sie nicht unberührt gelassen. Im Gegenteil: Marlene verspürt eine gewisse Sympathie für die schöne Dänin. So kommen die beiden Frauen ins Gespräch. Vor allem Marlene erzählt aus ihrem Leben - immer in der Annahme, dass es bei dieser einen netten Begegnung bleiben wird. Sie denkt, dass nach dem Flug sie beide getrennte Wege gehen werden und die Sache mit dem Kuss eh wieder abgehakt sein wird.
Weit gefehlt: in Brüssel dann erlebt Marlene eine Überraschung, die es ihr kurz kalt den Rücken runterlaufen lässt. Lisbeth hat ein Vorstellungsgespräch in Marlenes Firma Rasmussen Pharma. Bei Marlene läuten die Alarmglocken: Ist die Sache am Kopenhagener Flughafen womöglich eingefädelt gewesen? Hat Lisbeth mit der Lesbengeschichte etwa einen Plan verfolgt? Will ihr jemand damit schaden? Doch Marlenes Misstrauen führt in die falsche Richtung. Und nun müssen die beiden Frauen auch noch zusammenarbeiten - Gelegenheit, um Missverständnisse aus dem Weg zu räumen. Es wird klar, dass Lisbeth tatsächlich lesbisch ist und dass es damit in der Firma keine Probleme gibt. Durch die aufkommenden Sympathien auf beiden Seiten wird deutlich, dass Marlene vielleicht doch nicht so eindeutig hetero ist, wie sie angenommen hat. Die beiden kommen sich näher. Es funkt zwischen ihnen. Und schließlich befinden sie sich in einer Beziehung wieder, die - wenn es nach Marlene geht - geheim bleiben soll. Doch bald wird zum Problem, dass Marlene - anders als die offen lesbisch lebende Lisbeth - nicht so ohne weiteres zu ihren neu entdeckten lesbischen Gefühlen stehen kann. Bisexuell höchstens - aber niemals lesbisch! Zwischen den beiden Freundinnen kommt es immer wieder zu Diskussionen, ja Auseinandersetzungen, ob und wie weit Marlene nun lesbisch ist.
Immer wenn es darauf ankommt, verleugnet Marlene das Offensichtliche, gibt auf einer Party ihre neue Partnerin sogar als »Kollegin« aus, verschweigt gegenüber ihrer besten Freundin, dass sie und Lisbeth durch ein lesbisches Verhältnis verbunden sind - ja eine Liebesbeziehung miteinander haben. Für Lisbeth schlägt das dem Fass den Boden aus . Sie kann ihren Missmut nicht mehr zurückhalten. Konflikte sind nun wirklich vorprogrammiert.
Ob es den beiden Frauen gelingt, die Sache mit ihrer Liebe wieder auf die Reihe zu bringen, soll hier nicht verraten werden.
Ich mag Caros Romane, weil es der Autorin immer wieder gelingt, peppig und unterhaltsam Gefühle in Worte zu fassen. Darüber hinaus sind die Themen ihrer Romane immer interessant und am Puls der Zeit. Caros Bücher machen beim Lesen einfach richtig Spaß - und das ist meines Erachtens nicht das Schlechteste, das man von einem Roman behaupten kann.

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