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Ariel Levy: Gegen alle Regeln

Ariel Levy: Gegen alle Regeln

D 2017, 240 S., geb.,  20.55
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Droemer
Inhalt
Eine moderne, lesbische Hiobs-Geschichte ohne religiösen Rahmen: Was bleibt, wenn das Leben alles nimmt, was einmal der Inhalt und Sinn des Lebens war? Ariel Levy hatte einmal alles, was sie sich hätte erträumen können: Einen Beruf, Journalistin, der sie forderte, eine Frau, Lucy, die sie liebte, den Wunsch nach einem gemeinsamen Kind. Als sie schließlich schwanger ist, scheint das Leben perfekt. Für eine Recherche reist die hochschwangere Ariel dann nach Ulan Bator, denn sie weiß, Reisen wird sie für eine längere Zeit bald nicht mehr können. Im Hotel erleidet sie eine Frühgeburt, ihr kleiner Sohn überlebt nicht. Traumatisiert fliegt sie nach Hause, nur um zu erkennen, dass Lucy längst nicht mehr die Frau ist, die sie liebte und heiratete, denn Lucy ist wie leer durch ihre Alkoholsucht, für Ariel nur noch ein »Zombie«, in dem die Liebe ihres Lebens verschwunden ist. Das Packende an diesem autobiografischen Roman ist neben der dramatischen Lebensgeschichte vor allem der Erzählstil und die Lebenshaltung, die sich in diesem Stil ausdrückt. Denn obwohl der Antrieb des Romans Verlust und Trauer sind, schafft Ariel Levy eine Darstellung, die ungeheuer kraftvoll, energiegeladen ist, sich dabei aber gerade nicht der Ironie, des Sarkasmus‘ oder eines abgeklärten Stoizismus bedient. Ariel Levy ist aufgeklärte und aufklärende Journalistin – und genau das ist es, was ihr noch geblieben ist. Und so beschreibt sie ihr Leben - wie sie Lucy kennenlernte, wie sie ihre Beziehung sahen, was sie von einer Ehe unter Lesben hielten und wie sie ihre Hochzeit inszenierten, wie sie ihre Familien erlebten und ihre Freundschaften pflegten - in einer vernunftgeleiteten Einfühlsamkeit, die eine in manchen Passagen atemberaubend vereinnahmende Kraft hat. Dabei enthält sie sich weitgehend einer Ausbreitung der eigenen Gefühlslage, und genau das macht ihre Darstellung ebenso authentisch-glaubwürdig wie fast schon innig: Die genaue Beschreibung bringt sie ebenso zu sich selbst wie es sie als Autorin für Leserin und Leser zur Romanheldin macht. Und so ist »Gegen alle Regeln« (leider eine verpatzte Übersetzung des Titels, der viel treffender im Original »Die Regeln passen nicht« heißt) einerseits eine fesselnde lesbische Lebensgeschichte – und andererseits viel mehr, nämlich ein Leitbild, wie an Verlust, und sei er auch noch so groß, nicht zu verzweifeln ist: Fällt nämlich der religiöse, überhöhende Rahmen für das Leben weg, entfällt auch das Motiv, mit höheren Mächten (die ja ohnehin nur ein unmoralisches Casino-Spiel mit uns treiben) über das Schicksal zu hadern. Das eigene Leben ist einfach da, ohne dass es Regeln oder Geboten folgte; ein unglaublich starkes, Mut machendes und fast schon philosophisches Buch.
(Veit empfiehlt – Herbst 2017)
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