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Claudia Breitsprecher: Hinter dem Schein die Wahrheit

Claudia Breitsprecher: Hinter dem Schein die Wahrheit

D 2017, 304 S., Broschur,  17.37
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Krug und Schadenberg
Inhalt
Über die spießige Provinz mit ihrer Enge und Verlogenheit zu lesen, weckt meine Neugier, vor allem wenn die Beschreibung differenziert und keine Schwarz-weiß-Malerei ist. Ob man aus ihr entronnen ist oder ein Großstadtkind war, ob man in die Provinz zurückgekehrt ist oder das Landleben sich neu ausgesucht hat, stets wird ein ganz bestimmtes Lebensgefühl mit Vor- und Nachteilen, wie Geborgenheit, Ruhe, Kontrolle und Zwängen mit dem Leben jenseits der Stadt in Verbindung gebracht - je nach Lebensentwurf und Sehnsüchten. Claudia Breitsprechers Geschichte spielt 2014 in einem kleinen Ort mit Rückblenden in die 80er Jahre. Mit viel Liebe zum Detail schildert sie die Verbundenheit dreier unterschiedlicher Menschen, deren Freundschaft in dem Dorf vor rund 30 Jahren begann und bis heute Bestand hat, die sich vor allem in einer plötzlichen Krisensituation bewahrheitet. Karin, die ursprünglich Ballett-Tänzerin werden wollte, ist nach dem geplatzten Traum im Dorf geblieben, gefangen in Konventionen und gebrochen am patriarchalischen Vater. Ihre beste Freundin Annette hat rechtzeitig den Absprung nach Berlin geschafft, und hat dort ihre Liebe zu Frauen entdeckt. Der dritte im Bunde ist Holger, ein Außenseiter, der bei der streng katholischen Oma aufwächst, und der gerne Pfarrer geworden wäre - wäre da nicht das Geheimnis seiner Mutter, das er beim Tod der Oma entdeckt. Eines Tages verschwindet Karins 17jähriger Sohn Jakob spurlos und ist nirgends aufzufinden. Bevor Karin ihren Mann, der in Prag arbeitet, verständigt, sucht sie Unterstützung bei ihrer Freundin Annette, die prompt sofort zu Karin fährt, die ihr noch immer der wichtigste Mensch im Leben ist, und auch weil sie ein besonderes Vertrauensverhältnis zu Jakob hat. Und auch Holger, der nach Jahren der Abwesenheit wieder im Dorf lebt, begibt sich auf die Suche nach Jakob. Sie können nicht wissen, dass er schwer verletzt ganz in der Nähe sich versteckt hält, nachdem er in eine Falle gelockt wurde und von anderen Jungs eine Tracht Prügel bekam. Er ist schwul und hat Angst, dass alle im Dorf davon erfahren. Er möchte seiner Mutter erst dann Bescheid sagen, wenn er nach dem Abi abhaut und vielleicht auch in Berlin leben wird. Die Autorin beschreibt quälende Stunden der Ungewissheit, in denen die drei Freunde ihr eigenes Leben in Frage stellen: Was ist aus ihnen geworden, wo sind ihre Träume geblieben, wie sehr haben sie sich von Außen vereinnahmen lassen, wie viel bedeuten sie sich noch? Und warum ist Jakob geflüchtet? Seit Monaten zieht er sich immer mehr zurück und jetzt ist er ganz weg. Warum hat er kein Vertrauen zu seiner Mutter und deren besten Freunde, die auch seine engsten Bezugspersonen sind? Wovor hat er Angst? Die Sorgen und Angst um Jakob, verändert die drei Freunde und führt bei allen zu einem vorsichtigen Neuanfang. Als Jakob gefunden wird, fängt Karin an, für ihren Sohn zu kämpfen, und letztendlich auch für sich selbst.
(Ilona Bubeck empfiehlt - Sommer 2017)
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