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Carolin Emcke: Gegen den Hass

Carolin Emcke: Gegen den Hass

D 2018, 208 S., Pb,  11.40
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S. Fischer
Inhalt
Im vergangenen Herbst gewann Carolin Emcke den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Ihr Buch »Gegen den Hass« lässt diesen Preis für die offen lesbische Journalistin und Publizistin (u.a. hat sie für die ZEIT und die Süddeutsche Zeitung gearbeitet) mehr als gerechtfertigt erscheinen. Aus unterschiedlichen Perspektiven nähert Emcke sich dem wenig erforschten Thema des Hasses an und versucht erfolgreich die verschiedenen Facetten des brennenden Phänomens zu fassen, das die politischen Ausformungen des heutigen Populismus speist. Ihren durchaus intellektuellen und über weite Strecken sozialpsychologischen Gedankengäng- en zu folgen lohnt sich. Sie analysiert die psychosozialen Ursprünge des Hasses samt seiner sozialen Folgen und politischen Implikationen. Ihre brillanten Ausführungen wirken dabei niemals abgehoben - sind vielmehr anhand von einprägsamen Beispielen geerdet. Politisch lässt sich aus ihrem Buch eine Art Gegenmittel (das lässt der Titel schon erwarten) gegen den Hass, damit aber auch gleichzeitig gegen den Populismus und extremistische Einstellungen ableiten. In mehreren Kapiteln arbeitet sie die Formen des Hasses ab - von Homophobie über Transphobie und Fremdenhass bis hin zur Ablehnung von Asylsuchenden und dem um sich greifenden Rassismus (allen Ausformungen ist gemeinsam, dass sich der Hass gegen Minderheiten richtet). Dabei rückt sie »den« Hassenden in den Fokus, der alles andere als eine Selbstverständlichkeit darstellt - vielmehr hochgradig erklärungsbedürftig ist. Wie kann es kommen, dass ein fremder Mensch so weit in den Augen eines Hassenden entmenschlicht wird, dass er zum Ziel aggressiven, mitunter mörderischen Hasses werden kann? Wie kann es sein, dass die hassenden Menschen in diversen Abstufungen nicht mehr zugänglich sind für reale Informationen und objektive Vernunft? Warum erscheinen ihnen Verschwörungstheorien und postfaktische Thesen ihrer »Bubble« so viel glaubwürdiger als Medienmeldungen? Wie kann es kommen, dass sich Hassende als so viel »besser«, »reiner«, »natürlicher«, »ursprünglicher« empfinden als die von ihnen gehassten Schwulen, Lesben, Transgender-Personen, Ausländer, Asylsuchende, Behinderte oder Menschen mit anderer Hautfarbe? Wie können Menschen zu glauben beginnen, sie allein seien das Volk - nicht aber genauso die Vertreter einer sog. »Lügenpresse« oder des sog. »Establishments« oder Menschen mit anderer Hautfarbe oder solche, die woanders geboren sind? Dies sind wichtige Fragen, die Carolin Emcke in den Raum stellt - mit erheblicher Bedeutung für unsere pluralistische Demokratie und deren Zukunft. Zum einen geht es um die Zivilcourage (Emcke nennt sie in ihrem Buch nicht so - sie ist aber gemeint) - die Abstufungen des Nein-Sagen-Könnens und des Widerstand-Leistens - auch des Hinschauens, wenn etwas passiert - als Voraussetzung dafür bespricht Emcke die Notwendigkeit der Empathie als Mittel gegen die Entmenschlichung des Anderen. Man - so macht Emcke eindeutig klar - muss hinschauen, wenn Hass passiert - nicht wegschauen. Man muss in einem solchen Fall etwas unternehmen, um nicht zum heimlichen Komplizen des Hasses zu werden - und sei es nur eine Gegenrede. Die Beispiele, die Carolin Emcke bringt, sind viele: u.a. zeigt sie am Beispiel von Clausnitz, einem Ort in Sachsen, in dem ein ankommender Bus mit Asylsuchenden im Februar 2016 von einem fremdenfeindlichen Mob gestoppt wurde, Polizei nicht eingriff, verschreckte Kinder mehr gezwungen als überredet werden mussten, den Bus zu verlassen, obwohl sie draußen von hasserfüllten, bedrohlichen Menschenmenge erwartet wurden. An diesem Beispiel zeigt die Autorin die vielen Facetten, die Hass annehmen kann – vom stillen Gutheißen solcher Aktionen über das einfache Dabeisein sog. »besorgter Bürger« und dem Mitgrölen von Parolen bis hin zum fremdenfeindlichen Übergriff - die extremste Steigerung davon sind brennende Asylunterkünfte. Carolin Emcke wendet sich auch dem Klima zu, in dem hasserfüllter Populismus gedeihen kann, in dem die Angst auf beiden Seiten herrscht - beim Hassenden ebenso wie bei seinem »Hassobjekt«. Hierzu führt die Autorin viele Details an, durch die sie über ein wenig ergiebiges Schwarz-Weiß-Muster solcher Situationen hinauskommt und zu tiefgründigen Analysen vordringt. Carolin Emckes Buch ist dazu da, den Hass zu bekämpfen, indem der Angst der Mut entgegengestellt wird. Ich finde, »Gegen den Hass« ist eines der wichtigsten Bücher unserer Zeit. Es zeigt, dass einiges dazu gehört, um den Populismus und damit den Hass zu besiegen - mit vielen kleinen, auch persönlichen Schritten - doch es ist nicht unmöglich. Will man die Demokratie nicht sehenden Auges untergehen lassen, bleibt nur dieser Weg. Von allein wird extremistischer Fanatismus nicht verschwinden. Auch ist es nicht leicht, sich ihm entgegenzustellen. Aber man muss etwas dagegen tun. Das ist doch ein überaus positiver Ansatz für den Anfang. Wehret den Anfängen.
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