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Lilly Axster: Atalanta Läufer_in

Lilly Axster: Atalanta Läufer_in

D 2018, 155 S., Pb,  8.22
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Fischer
Inhalt
Zugegeben als erstes hat es mich fasziniert, ein Buch über »die schnellste Frau der Welt« zu lesen. Das war mein Kindheitstraum, das wollte ich sein. Und mein großes Vorbild damals in den 60iger Jahren war die Olympiasiegerin Wilma Rudolph, die 1960 als die schnellste Frau der Welt bezeichnet wurde, und die auch ausgerechnet auf dem Cover abgebildet ist. Das Buch hat mich zunächst sozusagen magisch angezogen – und dann umso mehr überrascht.
Das Kleinkind Ata ist ein Wesen, das nicht weiß, ob es Junge oder Mädchen sein will. Durch die ständigen Streitereien der Eltern läuft es fort und landet als blinder Passagier auf einem Frachtschiff, das es von »Eiland« nach »Festland« bringt. Ata wird von zwei Männern gefunden und adoptiert, und sie erfährt die Liebe und Fürsorge, die sich vor allem dadurch auszeichnet, dass die beiden Ersatzväter Ata so sein lassen, wie sie will. Mit 16 Jahren kehrt sie auf die Insel zurück. Aus Ata wurde Atalanta und dann der Läufer Lan. Denn Lan ist von Kindesbeinen an gelaufen, sich selbst und anderen davongelaufen. Und als Lan mit einer Goldmedaille als schnellster Mensch der Welt ausgezeichnet wird, passiert etwas unglaubliches: Im Taumel des Glücks gewonnen zu haben, dreht Lan eine Ehrenrunde durchs Stadion und schwenkt seine Trainingsjacke – doch aus dieser fällt ein weißes Etwas, eine vermeintliche Kleinigkeit, die jedoch verräterisch ist: ein Tampon. Nun weiß jeder, vor allem der Konkurrent Miles, dass Lan eigentlich eine Frau ist. Und Miles hat die Gesellschaftsordnung, die Menschen etikettiert und in Kategorien presst auf seiner Seite. Für Lan gibt es nur eine Möglichkeit: wieder fortzulaufen.
Mit dieser ungewöhnlichen Geschichte gelang es der Autorin, mich zutiefst zu berühren und auf einer fast kindlichen Ebene mir verständlich zu machen, was es heißt, ohne Papiere zwischen den Welten zu existieren, ohne die biologischen Eltern eine ganz andere Wahlfamilie zu finden, und ohne jegliche Vorstellung von Geschlechterkategorien sein eigenes Selbst zu finden. Ein Dank an Lilly Axster für diese poetische und politisch hoch brisante Geschichte, die ich liebend gerne auch als Theaterstück sehen würde, was vielleicht sogar möglich sein wird, denn Lilly Axster hat die großen Kernthemen queeren Lebens (Identitätsfindung, Wahlfamilie, Heimat_losigkeit) so fesselnd verdichtet und sprachlich prägnant gefasst, dass ich »Atalanta – Läufer_in« beim Lesen förmlich inszeniert vor mir sah. Lilly Axster thema-tisiert nicht zum ersten Mal Queerness in ebenso eingängiger wie anspruchsvoller Form. Vor kurzem ist ihr queeres Kinderbuch erschienen »DAS machen«, das ich ebenfalls nur wärmstens empfehlen kann: Lilly Axster: DAS machen. Mit Illustrationen von Christine Aebi. Ö 2013, 56 S., Großformat, gebunden, 24.50

(Ilona Bubeck empfiehlt - Sommer 2014)
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