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Mirko Beetschen: Schattenbruder

Mirko Beetschen: Schattenbruder

CH 2014, 335 S., geb.,  24.57
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Bilger Verlag
Inhalt
Schon leicht angetrunken lässt sich Samuel auf einen Kerl, Raymond, in einer schwulen Bar ein – und bereits nach einem kurzen Flirt hat Raymond ihn dazu gebracht, die Nacht in Samuels Bett zu beenden. Schon auf dem Weg dorthin ist Samuel mulmig, eigentlich findet er den Typen weder besonders attraktiv noch richtig sympathisch. Aber höflichkeitshalber, denkt er sich, will er die Nacht mit ihm hinter sich bringen – es gibt schließlich Schlimmeres als ein nicht ganz so geiler One-Night-Stand. Doch am anderen Morgen macht Raymond keinerlei Anstalten zu gehen, Samuel muss ihn regelrecht hinauswerfen. Doch Raymond lässt sich nicht so leicht abfertigen. Immer wieder taucht er in Samuels Umgebung auf, sucht Kontakt zu Samuels besten Freunden, gibt sich als Samuels Freund aus und versucht alles, mit Samuel zusammen zu sein und sein Zutrauen zu gewinnen. Samuel reagiert auf diese immer dreister werdenden Annäherungsbemühungen gelassen. Schnell hat er gemerkt, dass er sich bei Raymond einen Vollblut-Stalker eingefangen hat. Also versucht er ihm klarzumachen, dass Raymond sich keinerlei Hoffnungen zu machen braucht, dabei bleibt Samuel ruhig, achtet auch darauf, nicht durch beschwichtigende Aussagen Signale auszusenden, die der Abgewiesene als versteckte Sympathiebekundung auslegen könnte. Gleichzeitig bleibt Samuel so ruhig und sachlich, wie er es gerade noch in seiner immer nervenaufreibender werdenden Lage vermag, und bemüht sich, Raymond auch dadurch keinen Anlass zu geben, erneut mit ihm Kontakt aufzunehmen. Denn offenbar nutzt Raymond auch allzu harte Zurückweisung aus, um Raymond anzusprechen und eine Entschuldigung zu verlangen oder eine Versöhnung inszenieren zu wollen. Doch alle Versuche, Raymond loszuwerden scheitern, im Gegenteil, alles wird immer schlimmer – bis Samuel die Nerven verliert und sich Zutritt zu Raymonds Wohnung verschafft, wo er eine schreckliche Entdeckung macht. – Formal betrachtet lebt Mirko Beetschens Thriller also zunächst von der Eskalation des Stalkings, die in krassem Gegensatz zu Samuels besonnener Ablehnung steht. Die Überlegungen Samuels und Schilderungen dessen, wie er Raymond zurückweist, lesen sich so plausibel, dass man meint, fast schon ein Muster gefunden zu haben für den Fall, selbst einmal an einen Stalker zu geraten. »Ja, genau so musst Du Dich im Zweifelsfall verhalten, so ist es richtig, so wird alles ein rasches und gutes Ende finden,« dachte ich immer wieder beim Lesen. Doch in »Schattenbruder« kommt Samuel einfach nicht von seinem Stalker los, aller Vernunft Samuels zum Trotz werden Raymonds Aufdringlichkeiten immer schlimmer. Zum spannenden Überfluss hat Mirko Beetschen der Geschichte ein Kapitel vorangestellt, das eigentlich das Ende von »Schattenbruder« erzählt, und so ist von Anfang an klar, dass es um ein Kapitalverbrechen gehen wird. Freilich ist der Roman so brillant erzählt, dass die Spur, die eigentlich eher eine sich entwickelnde perfide Hoffnung beim Lesen ist, bis kurz vor Schluss völlig in die Irre führt. Neben dieser so packend erzählten Geschichte sorgt die Sprache Mirko Beetschens dafür, das Buch nicht mehr aus der Hand legen zu wollen: Denn wenn auch das vom Verlag angegebene Genre »Thriller« formal zutrifft, sprachlich ist »Schattenbruder« literarisch und nachgerade elegant, fein und schnörkellos treffsicher. Die inhaltlich bis zum Äußersten geschürte Spannung und Aufregung steht so im Gegensatz zur beruhigend schönen Sprache, »Schattenbruder« ist also in Wahrheit gar kein Thriller im erwartbaren, klassischen Sinn. Und genau das macht den Roman so empfehlenswert, dass er sich nämlich weder auf eine Gattung noch auf einen Stil festlegen lässt – etwas ganz Besonderes also unter den jüngeren schwulen Büchern.
(Veit empfiehlt - Frühlingskatalog 2015)
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