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Jonathan Lisecki (R): Gayby

Jonathan Lisecki (R): Gayby

USA 2012, OF, dt. UT, 89 Min.,  15.99
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Pro-fun
Inhalt
»Gayby« ist eine wirklich erfrischende, US-amerikanische Komödie zum Thema »Erzeugung eines Schwulenbabies« - das Ganze ist aber nicht zum Ablachen, sondern basiert auf einer überzeugenden, wenn auch nicht ganz massentauglichen Handlung, gut gespielten Charakteren und auf spritzigen, realistisch-nachvollziehbaren Dialogen. Matt ist ein junger Kerl Mitte zwanzig, sieht sehr gut aus und ist bestens in Schuss. Er besitzt einen Comicbuchladen und träumt davon mit selbst gezeichneten Comics eines Tages groß herauszukommen. Doch was an ihm nagt, ist die noch lange nicht überwundene Trennung von seinem letzten Freund. Die Trennungsfolgen machen sich schon im Comiczeichnen bemerkbar. Da geht nichts mehr weiter. Und seinen Ex – der für einen an sich wichtigen Comicverleger arbeitet und der ihm Kontakte vermitteln könnte – will er unter keinen Umständen sehen, so dass er an Tagen, an denen der Ex aufkreuzen könnte, einfach frei nimmt und seinem Mitarbeiter den Shop überlässt. Matts beste Freundin Jenn hat auch kein Glück bei den Männern. Sie arbeitet als Yogalehrerin und hat ihr ewiges Singledasein allmählich satt. In einem Gespräch mit Matt erinnert sie sich an ein Versprechen, dass er ihr mal vor Jahren in ihrer Collegezeit gegeben hat: dass er für den Fall, dass sich für Jenns Nachwuchs kein anderer Erzeuger finden würde, er einspränge, um ihr den Kinderwunsch zu erfüllen. Sofort sind die beiden – Matt und Jenn – Feuer und Flamme für die gute, alte Idee. Es soll ein Gayby – also ein Schwulenbaby werden. Da Jenn grundsätzlich gegen eine künstliche Befruchtung ist, bleibt nur: das Gayby auf die herkömmliche Weise zu zeugen – durch heterosexuellen Geschlechtsverkehr. Nach einer anfänglichen Beklemmung (immerhin ist Matt ja schwul!) will sich Matt – der ja noch jung ist und voll im Saft steht – auf seine überschäumende Potenz verlassen. »Man braucht ihn nur berühren – er steht immer.« Um ja den richtigen Moment nicht zu verpassen und weil der Bruder ihrer Chefin Jenns Apartment gratis neu anstreichen will, zieht Jenn bei Matt ein. Immer dann, wenn Jenns Eisprung ansteht, schlafen die beiden miteinander und hoffen, dass es bald klappt mit der Befruchtung. Ansonsten verfolgen sie voneinander getrennt ihre Amouren und Dates mit anderen Leuten. Natürlich zieht es sich – und die Frustration bei den beiden Hoffnungsvollen wächst zusehends – auch weil sich in den Liebesleben der beiden Freunde Änderungen abzuzeichnen beginnen: Jenn datet verschiedene Männer und hat dann sogar eine durch stimulierende Tees angefachte, exorbitante Sexgeschichte mit dem sexy Bruder ihrer Chefin – samt schlechtem Gewissen, denn sie hat irgendwie Matt betrogen. Matt lernt in seinem Laden einen schwulen Vater kennen und beginnt einen hoffnungsvollen Flirt mit ihm. Das alles löst Eifersüchteleien und Verwirrungen aus, die an Matts Geburtstagsparty kulminieren. Das Schwulenbaby ist zwar nun unterwegs – aber wer ist nun der richtige Vater? Matt oder der Bruder von Jenns Chefin? Und was jetzt, nachdem sich Matt und Jenn verkracht haben? Matt hat im Eifer des Gefechts auch noch seinen Verehrer – den schwulen Vater – in die Wüste geschickt. Aus dieser vertrackten Situation scheint es keinen Ausweg zu geben – oder doch? »Gayby« ist eine wirklich herrliche, ebenso witzige wie intelligente Komödie. Es ist zwar nicht das erste Mal, dass dieses Thema im Film behandelt wird, aber es ist sicherlich einer der gelungeneren Versuche, dem ebenso aktuellen wie brisanten Thema gerecht zu werden: Schwule als Väter. Regisseur Lisecki hat dabei wirklich ein Maximum aus dem Stoff herausgeholt. Er lässt die Darsteller kein Blatt vor den Mund nehmen. Zum einen ist das Gelingen des Films sicherlich auf den sympathischen, fast tollpatschig naiven, manchmal aber auch übersensibel-verkorksten Hauptdarsteller zurückzuführen. Aber auch die Nebenrollen der süß-tuntigen, bzw. selbstbewusst-schwuchteligen Freunde um Matt und Jenn sind überzeugend und mitreißend gespielt. Auch wenn diese Figuren manchmal an Klischees angelehnt sind, gehen sie nirgendwo in ihnen auf. Sie besitzen sogar eine gewisse Souveränität, die zum Realismus der Komödie – bei allem Witz und aller Schrägheit – beiträgt.Auf alle Fälle bietet »Gayby« zwar konventionelles, aber nie langweiliges, da stets überraschendes Feelgood-Kino mit einer nicht verblödelten, sondern recht realistischen Abhandlung realer, moderner Probleme des schwulen Lebens. Und das ist schon mehr als die meisten sonstigen US-amerikanischen Beiträge zum Queer Cinema zu bieten haben.
(Jürgen empfiehlt - Frühling 2014)

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