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L. R. Carrino: Der Verstoß

L. R. Carrino: Der Verstoß

Dt. v. Klaudia Ladurner. D 2013, 124 S., Pb,  12.13
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Maas
Inhalt
Giovanni wächst in einer Welt auf, in der das Mann-Sein mehr ist als eine Geschlechtsidentität: In der Mafia herrscht das Patriarchat, und Gefühle sind dort fehl am Platz. Alles scheint kein Problem für Giovanni zu sein, Sohn eines Mafia-Bosses und emotionslosen Killers. Kaum aus der Neapler Jugendstrafanstalt heraus heiratet er Marisole, um eine Fehde mit ihrer Familie zu befrieden. Er handelt instinktiv und denkt nicht über sein Handeln nach. Das Gefühlsleben anderer ist ihm ein Rätsel, verwirrt ihn sogar und macht ihn aggressiv. Doch dann kommt Salvatore – der ist feinfühlig und romantisch, und Giovanni verliebt sich sofort in ihn. Die Affäre geht eine Zeit lang gut, doch Giovanni hat den Eindruck, bemerkt worden zu sein. Nun müssen die Zeugen seiner aus Sicht der Mafia entarteten Sexualität und Liebe verschwinden, um Ehre und Leben zu schützen. Das, was ich oben kurz beschrieben habe, ist eigentlich die Vorgeschichte von L. R. Carrinos Kurzroman. Auch wenn das Buch ein klares Ende hat, bleiben viele Dinge ungeklärt und offen. Einfach zu lesen ist das Buch also nicht. Denn die Geschichte ist nicht in ihrer Abfolge, sondern rückwärts erzählt. Immerhin gibt die Überschrift eines Kapitels (Sonntag 17:55 Uhr) an, an welchem Tag es spielt und zu welcher Uhrzeit es endet. Das Ende hat mich dann überrumpelt – einerseits, weil es an das Ende des ersten Kapitels anknüpft und so den gewohnten Rhythmus durchbricht, und andererseits, weil es schon nach zwei Dritteln des Buches kommt. Mir hat diese ungewöhnliche Erzählweise sehr gut gefallen, denn es war wichtig die ganze Zeit über aufmerksam zu lesen, um den Handlungsfaden bei dem ständigen Hin und Her nicht zu verlieren. Die Geschichte selbst hat mich sehr aufgerieben. Die Morde passierten meist sehr plötzlich: ein kurzer Schock und dann ist es auch schon vorbei. Wer etwas für düstere Wintertage zum Aufheitern sucht, sollte einen Bogen um dieses Buch machen. Aber dies ist eines der Bücher, über die ich gerne rede, um die Handlung besser zu begreifen und die Figuren aus anderen Blickwinkeln zu betrachten. Zum Glück gibt es ein Nachwort, das hilft, das Muster, aus dem sich der Roman bildet, deutlicher zu erkennen. Dort wird der Umgang des Mafiamilieus mit Homosexualität beleuchtet und die Beweggründe der Hauptfigur erläutert. Die Geschichte ist auch als Graphic-Novel unter dem Titel »Der Frevel am Altar der Heiligen Klara« erschienen. Das ist vorerst meine letzte Empfehlung im Löwenherz-Katalog, denn meine Lehrzeit ist zu Ende und neue Bewerberinnen und Bewerber stehen vor der Tür. Ich hoffe, meine Besprechungen waren informativ und konnten euch bei euren Entscheidungen, ein Buch auszuwählen, helfen. Ich fand es immer einen Kraftakt, die Gedanken und Eindrücke niederzuschreiben; müsste ich das hauptberuflich machen, also ständig, würde ich ausflippen und nach einer Woche kraftlos zusammensinken. Ich wünsche euch alles Gute - und vielleicht sehen wir uns ja bei einer der nächsten Lesungen. Liebe Grüße und danke fürs Lesen. Michael(Michael empfiehlt, Winter 2013)


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