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Silke Porath: Nicht ohne meinen Mops

Silke Porath: Nicht ohne meinen Mops

D 2011, 276 S., Broschur,  10.18
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Gmeiner
Inhalt
Ich war schon überrascht, bei meiner Buchwahl wieder auf eine märchenhafte Geschichte gestoßen zu sein: eine Prinzessin, zwei Feen und ein Ritter; ohne strahlende Rüstung, dafür mit Arztköfferchen und ohne Taktgefühl. Alles beginnt mit der überglücklichen Tanja, die entzückt von der neu gemieteten Wohnung ist, auch wenn die Dusche mitten in der Küche steht. Doch wie soll sie die hohe Miete für diese traumhafte Unterkunft so ganz alleine bezahlen? Da beschließt die Trafik-Angestellte kurzerhand: Eine Wohngemeinschaft ist die Lösung, sogleich hängt sie ein Plakat an ihrem Arbeitsplatz auf. Doch die Auswahl an brauchbaren WG-Mitbewohnern ist nicht leicht zu treffen. Tanja gerät allerdings in Verzückung, als Rolf, der sexy Postbote in der viel zu engen Uniform, sein Interesse als Mitbewohner bekundet. Sein haariges Anhängsel, ein Mops namens »Earl of Cockwood«, stört dabei gar nicht. Tanja träumt schon von den Momenten der Zweisamkeit während der geplanten Wohnungsbesichtigung, doch ihr fürsorglicher Chef hat zum geplanten Termin gleich noch jemanden eingeladen: Chris, der sich immer so nett um die Pflanzen gekümmert hat, als er auf Urlaub war. Natürlich hat es ihr Chef nur gutgemeint und Tanja nimmt es, wie es kommt. Sie ist dann doch überrascht, als dann noch so ein Traumexemplar von Mann in ihrer Wohnung steht. Sorgfältig wiegt sie die Vorzüge des einen gegen die des anderen ab und beschließt, dass sie durchaus zwei Mitbewohner haben kann, Zimmer sind ohnehin genügend vorhanden und ein Mops braucht ja nicht so viel Platz. Die Vorzüge einer Dusche in der Küche erkennt Tanja schon am ersten Morgen, als sie auf der Suche nach Kaffee den duschenden Rolf mit nichts außer einem Kleid aus feinstem Schaum überrascht. Alles läuft wunderbar in der jungen Wohngemeinschaft, bis eines Tages »Marc, der Arsch«, Tanjas Ex, in der Trafik auftaucht. Aufgelöst erzählt Tanja ihren Mitbewohnern von der Begegnung mit Marc und dessen Familienplanung mit seiner neuen Freundin – derselben mit der er Tanja betrogen hat. Erst als Chris dann von seinem Ex erzählt, realisiert Tanja, dass sie die gleiche Vorliebe für das männliche Geschlecht mit ihren beiden Mitbewohnern teilt. (Dass Mops Earl mehr Halsbänder hat als sie Schuhe, hat sie nie stutzig gemacht.) Gemeinsam beschließen sie Rache an Marc zu nehmen, stellvertretend für all die Ex-Ärsche. Die Geschichte war mir anfangs zu süßlich und die Ereignisse greifen teils allzu perfekt ineinander, um plausibel zu sein. Die Geschichte freilich nur als kitschig zu bezeichnen, wäre falsch, denn ab der Hälfte der Geschichte schlägt die gnadenlose Realität zu und katapultiert Tanja aus ihrer Phantasiewelt. Was allerdings genau passiert, verrate ich nicht. Auch wenn einige Handlungsstränge vorhersehbar waren, wurde ich doch immer wieder überrascht. Die beiden schwulen Mitbewohner erscheinen zunächst fast zu perfekt, ihre Fürsorge für Tanja fast schon überbordend, sie wirken wie zwei Fabelwesen aus einer anderen Welt; doch als Charaktere sind sie einfach nur sympathisch. Und weil ich einfach einmal wieder etwas Unterhaltsames lesen wollte, das nicht zu sehr auf das Gemüt schlägt, hat mir das gerade gut gefallen. Ich habe Bücher gelesen mit tiefgründigeren Charakteren feinerer, geschickteren Sprache und spannenderer Handlung. Wenn ich mir ein Buch einfach aus einer Laune heraus kaufe, laufe ich immer Gefahr, dass mir etwas Unpassendes in die Hände fällt. Und trotz aller Kritik hatte ich in diesem Fall Glück und wurde wie erhofft gut unterhalten. Und wenn ich mir die Kurzbeschreibung der Fortsetzung »Mops und Mörchen« durchlese, bekomme ich Lust, diesen auch zu konsumieren. Ich kritisiere gern, verbessern oder etwas anders machen wollen funktioniert fast immer und macht darum auch viel Spaß. Das heißt aber nicht zwingend, dass mir das Kritisierte nicht gefällt. Kritisieren ist mein Versuch, meinen Lese-Eindruck zu vermitteln an dem ihr euch dann orientieren und dann für euch entscheiden könnt, ob das Buch von Interesse ist oder nicht. Ich hoffe, das ist mir bisher gelungen. (Michael empfiehlt, Sommer 2013)
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