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Bethan Roberts: Der Liebhaber meines Mannes

Bethan Roberts: Der Liebhaber meines Mannes

Dt. v. Astrid Gravert. D 2014, 367 S., Pb,  9.24
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Inhalt
Patrick ist Ende der 50er Jahre Kurator für moderne Kunst am Museum in Brighton. Der intellektuelle Mittdreißiger hat gerade den Verlust seines langjährigen Freundes Michael zu verkraften, der sich wegen einer Erpressung das Leben genommen hat. England ist zu dieser Zeit wie viele Länder gegenüber Schwulen äußerst repressiv, drakonische Strafen drohen für »widernatürliche Unzucht«, Denunziation, Erpressung, Angst und Verdrängen sind die Folge. Durch einen Zufall lernt Patrick den jungen Polizisten Tom kennen – es ist Liebe auf den ersten Blick. Freilich ist es höchst gefährlich, einem Polizisten schwule Avancen zu machen. Doch Patrick schafft es, Tom zunächst zu sich ins Museum und schließlich auch in seine Wohnung einzuladen und aus den beiden wird ein Paar. Doch Tom hat Angst: So glücklich er in den Stunden mit Patrick ist, so wenig ist er mit sich und seiner Homosexualität im Reinen. Niemals würde er sich selbst als Schwulen bezeichnen. Und so trifft er sich mit einer Freundin seiner Schwester, Marion; die eher zurückhaltende Lehrerin ist natürlich begeistert, dass der gut aussehende, große, blonde, breitschultrige Tom sich für sie zu interessieren scheint. Patrick sieht die Beziehung Toms zu Marion als Chance, die ständigen Selbstzweifel und Ängste seines Lovers einzudämmen, und bestärkt die beiden darin zu heiraten. Anfangs scheint das Arrangement zu funktionieren. Marion ist zwar in ihrer Ehe nicht glücklich und bemerkt wohl, dass Tom sich sexuell von ihr überhaupt nicht angezogen fühlt. Doch in der allgemeinen prüden Stimmung der Zeit kann sich sie über ihre Situation weder mit jemandem vertrauensvoll aussprechen noch überhaupt Toms Sexualität richtig einschätzen. Marion ahnt nichts von Toms Liebe zu Patrick, zu dritt verbringen sie viel Zeit zusammen. Erst als eine Kollegin Marion auf Patricks offensichtliche Homosexualität hinweist, erkennt sie die Zusammenhänge. In einer Mischung aus Verzweiflung und Empörung lässt sie sich zu einer infamen Tat hinreißen, mit der sie eigentlich ihre eigene Zukunft sichern will, tatsächlich jedoch ihrer aller drei Leben zerstört. – Bethan Roberts erzählt diese Geschichte abwechselnd aus der Perspektive Patricks und Marions. Sie beginnt mit dem Ende: 1999 hat Patrick zwei Schlaganfälle erlitten und ist ein Pflegefall. Marion holt ihn in das kleine Reihenhaus, das sie und Tom seit ihrer Pensionierung bewohnen, und kümmert sich rührend um Patrick. In dieser Zeit schreibt Marion ihre Erinnerungen auf, wie sie Tom und Patrick kennen lernte, wie sie ein unzertrennliches Tripel wurden, wie ihr alles hoffnungsvoll und erwartbar normal erschien. Dieser Eingangsteil ist der sperrigste Teil des Romans, denn obwohl – oder vielleicht weil – alles unspektakulär dahin fließt, fragt man sich bald: Was will diese Frau eigentlich? Dem Leser ist sofort klar, dass Tom schwul ist, dass Marion niemals eine reelle Chance haben wird, und doch erzählt sie alles, als ob sie mit aller Gewalt auf ein Happy End hinsteuern wollte. Dieses zunächst laue Lesegefühl schlägt jedoch völlig um, wenn dann die Perspektive wechselt und Patricks Tagebuch erzählt, wie alles begann, wie aus den tastenden Annäherungsversuchen an den schönen, aber gefährlichen Polizisten eine leidenschaftliche Liebe wurde. Der Roman ist auf einmal die fesselnde, abenteuerliche und ergreifende Geschichte Patricks geworden, der einen aufrichtigen schwulen Lebensentwurf versucht, der einerseits der allgegenwärtigen Repression entkommen, dabei aber soviel Selbstachtung und Glück wie möglich erhalten und gewinnen will. Und jetzt ist klar: Marions unspektakuläre Sicht der Dinge ist die Allerweltsfolie, auf der sich das Besondere der schwulen Liebe zwischen Tom und Patrick abhebt. Immer wieder wechseln jetzt die erzählerischen Perspektiven, dabei steigert sich zunehmend das Tempo. Und durch Marions perfide Reaktion auf die Erkenntnis, einen schwulen Mann geheiratet zu haben, nimmt die Geschichte eine Wendung, die zunächst nur mit Zorn und Abscheu beim Lesen zu bewältigen ist. Dass Bethan Roberts diese Gefühlslage und die zum Teil auseinander laufenden Erzählstränge schließlich in einen Schluss zusammen fassen kann, der zwar kein glückliches, aber würdevolles Ende dieser Geschichte einer Dreiecksbeziehung ist, das macht den Roman »Der Liebhaber meines Mannes« zu einem großen Leseerlebnis, das eine zum Glück untergegangene und doch noch gar nicht allzu weit entfernte Zeit in drei völlig verschiedenen Charakteren zusammenfasst. Der Roman heißt übrigens im englischen Original »My Policeman« (diese Ausgabe gibt es bei Löwenherz für 13.95) – so nennt Patrick im Tagebuch seinen Tom – was ihm später zum Verhängnis werden wird. Diese zwei Wörter fassen auf unglaublich warme und anrührende Weise die innige Liebe und die furchtbare Tragik der beiden schwulen Männer zusammen.Veit empfiehlt - Frühjahr 2013
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